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„Restaurant im Viertel“: Wo der Aushilfskellner eine Pistole trägt

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Von: Brigitte Degelmann

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Guten Appetit: Der Schutzmann vor Ort Andreas Wagner trägt gemeinsam mit Anica Mihetec auf. FOTO: rainer Rüffer
Guten Appetit: Der Schutzmann vor Ort Andreas Wagner trägt gemeinsam mit Anica Mihetec auf. © rüffer

Nach zwei Jahren Corona-Pause ist das „Restaurant im Viertel“ im Stadtteil Nieder-Eschbach in Frankfurt wieder ein Ort für die unterschiedlichsten Begegnungen.

Frankfurt - Dass beim „Restaurant im Viertel“ im Begegnungszentrum Nieder-Eschbach immer mit Überraschungen zu rechnen ist, wissen Stammgäste längst. Doch bei diesem Anblick dürfte doch manch ein Besucher zusammengezuckt sein: Bei der jüngsten Auflage trug nämlich einer der Helfer eine Pistole über seiner roten Kellnerschürze.

Droht etwa Mord und Totschlag bei dieser sonst so friedlichen Veranstaltung des Frankfurter Verbands? Nein, schmunzelt Andreas Wagner, das sei nur seine Dienstwaffe. Wagner, im normalen Leben Schutzmann vor Ort im 15. Polizeirevier in Frankfurt, unterstützt an diesem Abend das Team der Ehrenamtlichen, das sich um die Gäste des „Restaurants im Viertel“ kümmert. Um in Kontakt zu kommen mit den Menschen im Quartier, sagt er; außerdem als Zeichen der Wertschätzung für die Arbeit der Freiwilligen. Und weil er an diesem Abend nun mal im Dienst sei, trage er eben seine Uniform sowie die Pistole.

Berührungsängste zeigt dennoch keiner der Besucher, dafür sorgt schon Wagners lockere Art. „Guten Abend, die Herrschaften“, begrüßt er die Gäste, denen er den ersten Gang serviert, und räumt in demselben Atemzug ein: „Ich weiß nicht genau, was das ist.“ Dafür sind die Menschen am Tisch umso besser informiert - dank der ausliegenden Speisekarten. In den Schälchen schwappe Süßkartoffelsuppe mit Petersilien-Pesto, belehren sie den Aushilfskellner. „Tatsächlich?“, wundert sich der. „Mir wurde gesagt, das ist Kürbis. Jetzt reicht’s, jetzt geh’ ich heim.“ Ein Scherz, der herzhaftes Gelächter auslöst.

„Restaurant im Viertel“ in Frankfurt: „Es ist schön, dass es wieder losgeht“

Überhaupt wird viel gelacht an den weiß gedeckten Tischen, auf denen Kerzen für stimmungsvolle Beleuchtung sorgen. Die Freude darüber, dass das „Restaurant im Viertel“ nach gut zwei Jahren Zwangspause wegen Corona endlich wieder starten kann, ist den Gästen anzumerken. „Es ist schön, dass es wieder losgeht“, sagt Linde Ens. Fünf- oder sechsmal sei sie schon da gewesen - „es ist immer gemütlich und schmeckt gut“.

Zu verdanken ist das nicht nur den ehrenamtlichen Helfern, sondern auch Koch Joachim Sturm, Küchenleiter beim Frankfurter Verband. Seit 2012 verwöhnt er Besucher des Begegnungszentrum fünfmal pro Jahr mit einem dreigängigen Menü. Zu einem konkurrenzlos günstigen Preis: Gerade mal vier Euro müssen die Besucher für Süßkartoffelsuppe, Hirschgulasch mit Kräuterknöpfle oder Pilzragout als vegetarische Variante sowie Orangencreme Brulée berappen. Genau so viel wie vor der Pandemie. „Wir haben die Preise belassen, um ein Zeichen zu setzen, dass nicht alles teurer wird“, sagt Jeannette Nold, Leiterin des Begegnungszentrums.

Frankfurt: Möbelhersteller unterstützt bei der Einrichtung

Möglich sei das nur dank der Hilfe von Sponsoren wie des benachbarten Ikea-Markts, der die Einrichtung immer wieder unterstütze. Übrigens nicht nur finanziell. Drei große Beutel voller Geschenktüten hat Ikea-Marketingleiterin Theresa Nonn mitgebracht. Und statt sich bedienen zu lassen, mischt sie sich spontan unter die Freiwilligen und hilft beim Servieren.

Auch sonst gibt es im Team der Ehrenamtlichen viele neue Gesichter. Etliche der bisherigen Helfer hätten während der Pandemie aufgehört, sagt Jeannette Nold. Stattdessen sind andere hinzugestoßen. Etwa Birgit Neubauer, die durch die Ehrenamtsmesse in Kontakt mit dem Frankfurter Verband kam. Mit routinierten Griffen räumt sie die inzwischen leer gegessenen Suppenschälchen von den Tischen ab: „Das hier liegt mir, weil ich meine Ausbildung in der Hotellerie gemacht habe.“

Auch Koch Joachim Sturm hat an diesem Abend fachkundige Hilfe. Ihm steht unter anderem Andreas Eggenwirth zur Seite, Gründer von Slow Food Frankfurt und Ehemann von Ordnungsdezernentin Annette Rinn. Seine Frau habe ihn für die Veranstaltung „zwangsverpflichtet“, erzählt er lachend. Nicht dass ihn das stören würde, im Gegenteil: „Es ist brillant vorbereitet. Das macht richtig Spaß.“ Und offenbar Lust auf mehr. Eggenwirth: „Es kann passieren, dass ich jetzt öfters hier auftauchen werde.“ (Brigitte Degelmann)

Das Begegnungszentrum Nieder-Eschbach in Frankfurt hat nicht nur ein Restaurant zu bieten. Auch mit Sportangeboten schafft der Verband Möglichkeiten um Kontakte zu knüpfen.

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