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Ein kongeniales Duo bilden Inhaber Santo Bertino und Küchenchef Emanuelle Marino.

Gastro-Kolumne

Trattoria da Bertino: Schlemmen wie in Sizilien

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Eines muss man Lior Ehrlich wirklich lassen: Der Mann hat ein Händchen fürs Ambiente. Das zeigt sich in sämtlichen Gastro-Betrieben, die zum Portfolio des Unternehmers gehören.

Eines muss man Lior Ehrlich wirklich lassen: Der Mann hat ein Händchen fürs Ambiente. Das zeigt sich in sämtlichen Gastro-Betrieben, die zum Portfolio des Unternehmers gehören. Er hat das Trattoria-Amici-Konzept entwickelt, fungiert als stiller Teilhaber des Yung China Restaurants in Sachsenhausen und jetzt auch der Trattoria da Bertino im Dornbusch.

Letztere befindet sich in den früheren Räumen von Da Claudio, einem der traditionsreichsten Italiener Frankfurts.

Dass er mit seinem Lokal in große Fußstapfen tritt, weiß Geschäftsführer und Namensgeber Santo Bertino ganz genau. Allerdings ist er selbst kein Unbekannter in der hiesigen Gastro-Szene: „Ich war viele Jahre als Geschäftsführer von Charlot und Più Allegro am Opernplatz tätig.“ Dort seien die Vorstände von Eintracht Frankfurt oft zu Gast gewesen. Diese Kontakte liegen dem Fußballfan bis heute am Herzen. Beruflich hat er sich zuletzt mit Ehrlich zusammengetan. Gemeinsam eröffneten sie 2016 in der Zum-Jungen-Straße eine Trattoria Amici. Um dem Restaurant eine individuellere Note zu verleihen, machten sie daraus die Trattoria da Bertino.

Diese wirkt bereits von außen sehr einladend. Die überdachte Terrasse ist auch im Winter mit Tischen, Stühlen und Kerzen ausgestattet – zudem mit zwei Heizstrahlern. „Dadurch lässt sich der Außenbereich selbst bei kühlen Temperaturen für Zigarettenpausen nutzen“, sagt Bertino. Im Innern des Lokals setzt sich die behagliche Atmosphäre fort. Dazu trägt die mit dunklen Holzbalken versehene Decke genauso bei wie die sorgfältig eingedeckten Tische und die vielen, geschickt platzierten Lampen. Große Schwarz-Weiß-Fotografien, die etwa in einen alten Weinkeller blicken lassen, verbreiten italienisches Flair.

Das kulinarische Angebot bezeichnet Bertino als meridionale (südlich) im Gegensatz zu settentrionale (nördlich). Küchenchef Emanuelle Martino stammt schließlich aus der sizilianischen Hafenstadt Messina. 1986 ist er nach Frankfurt gekommen und hat seither im Novita (Feldbergstraße) und im Florian (Kettenhofweg) gekocht. „Typisch sizilianische Produkte wie Mandeln und Pistazien verarbeitet er besonders gern“, so sein Chef. „Beispielsweise in Semifreddo alle Mandorle e Pistacchi – einem unserer Desserts“.

Doch zunächst mal zu den Vorspeisen: Büffelmozzarella mit Tomaten und gegrillter Zucchini (9,50 Euro). Die ersten beiden Komponenten sind frisch und aromatisch. Dazu ein bisschen Basilikum und fertig ist der italienische Vorspeisenklassiker. Die auf dem Teller fehlende Zucchini lässt sich geschmacklich durchaus verschmerzen. Das Vitello Tonnato wiederum besteht aus zartem Kalbfleisch, das dünn aufgeschnitten unter sämiger Tunfischsoße liegt (11,50 Euro). Allerdings gibt es auch hier ein kleines Manko: Zwar wird die zweite Vorspeise von knackigem grünem Salat flankiert, aber nicht vom angekündigten Russischen Salat.

Dagegen kommen die Hauptgerichte wie auf der Karte beschrieben. Die gebratenen Wolfsbarschfilets mit Knoblaucholivenöl, umgeben von Brokkoli, Karotten und Pellkartoffeln, lassen eine gute Qualität erkennen (21,50 Euro). „Wir beziehen unseren Fisch von Venos, dem bekannten Feinkosthandel in Rödelheim“, erzählt Bertino auf Nachfrage. Das gilt auch für die Riesengarnelen in Tomatensoße, die beim nächsten Mal ruhig etwas mehr Biss haben dürfen (22,50 Euro).

Diese und andere Gerichte können größere Gruppen ebenso im Gastraum wie im Weinkeller verspeisen. Der Weg zur runden Tafel führt an mehreren Regalen vorbei, die ausschließlich mit italienischen Erzeugnissen bestückt sind. „Ich habe mich auf kleine Winzer spezialisiert“, erklärt Bertino seine Kollektion. „Natürlich sind bei mir auch Weine, die jeder kennt, erhältlich. Beispielsweise von Gaja, Ornellaia oder Biondi Santi.“ Allerdings mache es ihm Freude, gerade die kleinen Winzer etwa aus Sizilien oder Kampanien zu unterstützen, die häufig interessante Weine produzierten. Diese möchte er ab Januar bei regelmäßig stattfindenden Degustationen präsentieren. Na dann, wohl bekomm’s oder wie die Italiener sagen: Salute!

Trattoria da Bertino

Dornbusch, Zum-Jungen-Straße 10, Telefonnummer 56 00 55 06, www.da-bertino.de, dienstags und samstags 17–24, Sonntag 12–24 Uhr, Montag: Ruhetag, Sitzplätze: 50 innen/50 außen, Küche: italienisch

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