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Willi Wolf ist gestern früh gestorben. Der langjährige Vorsitzende des Nieder Vereinsrings hatte im Alter mit einigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu kämpfen, hat sich aber nie beklagt. Foto: Maik Reuß

Nied: In Memoriam

Trauer um einen unermüdlichen Macher

  • Holger Vonhof
    vonHolger Vonhof
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Für ihn war das Ehrenamt nie Mittel zum Selbstzweck

An Heiligabend wäre er 83 Jahre alt geworden: Willi Wolf war ein Christkind. In Nied war er bekannt wie kaum ein anderer: Von 1994 bis 2008 war er Vorsitzender des Nieder Vereinsrings. Wolf war in vielen Vereinen aktiv und darüber hinaus Gründer des 1. Nieder Carneval-Clubs (1. NCC): Den Karnevalverein hob Wolf 1969 ausgerechnet an einem Aschermittwoch aus der Taufe. Damals, mit 32 Jahren, bekleidete er in Nied das Amt des Stadtbezirksvorstehers. Wolf und ein paar andere saßen an jenem 19. Februar in der Gaststätte "Deutsches Haus" in der Sauerstraße 25 zusammen und bedauerten, dass es in Nied keinen Karnevalverein mehr gab, seit sich der alte aufgelöst hatte. Nur Jammern, das war aber nicht Willi Wolfs Art: Er schlug einfach den Anwesenden vor, einen neuen Narren-Club zu gründen. Auf einem Briefbogen der Firma Caspary - es war nichts anderes zur Hand - fasste Willi Wolf die Gründungsurkunde ab. So kann es gehen, wenn man etwas anfasst. Dass der 1. NCC nach einer etwas flauen Phase in den letzten Jahren unter seinem Vorsitzenden Peter Stoner wieder wächst und gedeiht, hat Willi Wolf viel Freunde bereitet.

Nicht jammern, einfach mal machen

Wolf war ein engagierte Bürger, einer, der sich mit Dingen, die ihn störten, nicht einfach abfand und einer, der sich immer für andere einsetzte. Er war Sozialpfleger, Stadtbezirksvorsteher und ehrenamtlicher Richter, dazu stolze 21 Jahre lang Vorsitzender der SG Nied, spendete auch danach Pokale für Wettkämpfe des Vereins. Außer beim 1. NCC steht sein Name auch unter den Gründungsurkunden des Kleingartenvereins Am Wiesenweg und des Vereins zur Förderung der Freiwilligen Feuerwehr Nied.

Willi Wolf war, wie er selbst sagte, "echter Nieder Bub", "mit Niddawasser getauft". Der gelernte Maschinenschlosser, der früher gern segelte und Schäferhunde liebte, hat immer gewusst, dass er sich bei seinem Engagement für andere auf den Rückhalt seiner Frau Elsbeth verlassen kann: Wenn die Familie nicht mitzieht, ist so ein Engagement gar nicht machbar. Sie ist ein Kumpel, der durch dick und dünn mitgeht."

Ehrenamtlich aktiv schon mit 14 Jahren

Für andere eingesetzt hat sich Willi Wolf seit seinem 14. Lebensjahr - als Vorturner bei der SG Nied, Jugendvertreter im Personalrat des Nieder Bundesbahn-Ausbesserungswerks, seit 1956 als freiwilliger Feuerwehrmann. Stadtbezirksvorsteher wurde er mit 29 - damals war er der jüngste in diesem Amt in der ganzen Bundesrepublik. Er war eine Bank, was Vereinsrecht anging - da machte ihm kaum einer etwas vor. Wie es heute in vielen Vereinen läuft, das hat ihn seit Langem geärgert: "Immer nur Ellenbogen und der Gedanke, was man für sein Engagement bekommt."

Als man ihm 1994 den Vorsitz des Nieder Vereinsrings antrug, soll er gesagt haben: "Nicht ohne meinen Karl." Und gemeinsam mit dem 2. Vorsitzenden Karl Blum hat er das Amt 14 Jahre später auch wieder abgegeben - ihm war der Termindruck, der Stress, zu viel geworden - immerhin hatte er da die 70 schon überschritten.

Der Nieder Vereinsring hatte Willi Wolf mit der Ernennung zum Ehrenvorstandsmitglied geehrt - zusammen mit den ebenfalls schon verstorbenen Friedrich Liederbach und Karl Blum. Der Stadtverband der Frankfurter Vereinsringe hat ihn mit der Ehrennadel in Gold geehrt, das Land Hessen hat ihm den Ehrenbrief verliehen, die Republik das Bundesverdienstkreuz.

Zuletzt war Wolf auf Rollstuhl und Atemgerät angewiesen, hat aber trotzdem an vielen Veranstaltungen teilgenommen. Sein Handicap eröffnete ihm eine andere Sichtweise auf vieles; so setzte er sich dafür ein, dass Barrieren für Behinderte weniger werden. Als sich die Nachricht von seinem Tod verbreitete, war die Bestürzung groß. Für den Stadtverband der Vereinsringe sagt dessen Vorsitzender Uwe Serke: "Willi war ein Nieder Urgestein und ein Vereinsmensch mit Herz und Leidenschaft. Ich habe seine positive Lebenseinstellung und seine wohlmeinenden Ratschläge sehr geschätzt. Ein Freund ist gegangen - er wird uns fehlen." hv

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