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Frankfurt am Main 30.10.2016, Innenstadt, Marathon, Foto Rainer Rüffer

Zehntausende Läufer in Frankfurt auf den Straßen

Traumtag für den Laufsport: Das war der Frankfurt Marathon 2016

Ein Traumtag für den Laufsport: 27 500 Teilnehmer waren gestern bei strahlendem Wetter in Frankfurt, darunter mehr als 8000 Staffelläufer.

Ein Traumtag für den Laufsport: 27 500 Teilnehmer waren gestern bei strahlendem Wetter in Frankfurt, darunter mehr als 8000 Staffelläufer. Polizei und Veranstalter schätzen die Zuschauerzahl auf 500 000. Und die Zuschauer sorgten wie immer für gute Stimmung. „Go Papa go“ oder „Umdreh’n wär’ jetzt auch blöd“, stand auf hochgereckten Pappschildern, „Lauf Jens“ auf einem Schirm. Am Rand der Strecke gab es fast 100 Streckenfeste mit Musik. Die gesamte Veranstaltung blieb friedlich, der Polizei wurden keine Zwischenfälle bekannt. Einen messbaren Anstieg an Einsätzen der Rettungskräfte gab es laut Thorsten Brückner, Sprecher der Feuerwehr, auch nicht zu verzeichnen. tjs

Dr. Joey Krüll dürfte ein Rekordhalter sein. „Es wird mein 2245. Marathon“, sagt der Sportarzt aus Wegberg bei Mönchengladbach. Den roten Ferrari-Overall trägt er für Michael Schumacher, die US-Fahne, die um die Schulter liegt, soll Hillary Clinton helfen. „In den USA hat mir das viel Beifall gebracht.“ Auf eine Spitzenzeit ist Krüll nicht aus: „Ich will unter 4.30 Stunden bleiben, schließlich muss ich morgen um sechs Uhr wieder in der Praxis stehen.“ Der 58-Jährige Mediziner läuft seit 40 Jahren Marathons, auch Ultra-Marathons. Seine längste Strecke bislang waren 162 Kilometer. Im Schnitt einen Lauf pro Woche, über 40 Jahre, wie geht das? Joey lacht. „Ich habe zehn Jahre lang nicht arbeiten müssen“, sagt er. Bis ihn riskante Finanzgeschäfte wieder in die Praxis gezwungen haben.    tjs

Als die Läufer in Höchst, dem Wendepunkt des Marathons, auf den Andreasplatz einbiegen, erklingt „When the Saints Go Marching In“. Denn heilig ist den Höchstern „ihr“ Marathon, der schließlich 1981 dort aus der Taufe gehoben wurde. Das Blasorchester Höchst unterstützt die Sportler sehr mehr als einem Dutzend Jahren mit einem ganz eigenen Marathon, nämlich guten dreieinhalb Stunden Dauer-Musizieren. Dafür brauchen die Bläser ebenso kräftige Lungen wie die Sportler. Das Orchester des Musikvereins Unterliederbach, der gerade sein 60jähriges Bestehen gefeiert hat, ist Garant für Stimmung am Andreasplatz, wo diesmal auch der HR seine Kameras aufgebaut hatte.

„Es hat nur einmal geregnet“, erinnert sich Vorsitzender Franz Lindenthal an die Jahre der Marathon-Unterstützung. Für die Läufer gab es außer Gospel vorrangig flotte Titel wie Swing-Klassiker, Märsche, Mariacchi-Melodien und Evergreens wie „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“.    hv

Josef Kiesl fährt den „Besenwagen“, der schon eher eine kleine Kolonne ist: Kiesl im Führungsfahrzeug, dahinter ein BMW X 5 für die Läufer, dann noch ein BMW und schließlich die Polizei. Sie gibt die Strecke wieder frei. Kiesl ist den Besenwagen schon oft gefahren. „Ich kenne schon viele der Läufer“, sagt der Ingenieur aus Darmstadt. Zum Beispiel den Marathon-Senioren Horst Jendrasch, der fast schon über die Alte Brücke schlendert. „Horst ist 80 Jahre alt“, sagt Kiesl respektvoll. Dann hält er, steigt aus und fragt den näher kommenden Jendrasch: „Willst du nicht einsteigen?“ Jendrasch lehnt, anders als im Vorjahr, ab. Doch er beendet sein Rennen auf der Brücke. Wenige hundert Meter weiter erlebt Kiesl eine Tragödie aus dem Alltag des Besenwagens: Eine junge Sportlerin kämpft verzweifelt, quält sich vorwärts. Sie ist zu langsam. Kiesl läuft neben ihr her und überzeugt sie, im X 5 Platz zu nehmen. Hinter ihnen rollt der Verkehr wieder an.    tjs

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Im Läuferfeld sieht man sie immer wieder: Teilnehmer, die eine Zeit auf dem T-Shirt tragen und über deren Kopf ein großer Ballon schwebt, auf dem die Zeit noch einmal steht. Steffen Kothe ist ein solcher Zugläufer. Der 35-jährige Meteorologe startet gleich seinen neunten Marathon in Frankfurt. Zum vierten Mal ist er als Pacemaker, Zugläufer im Einsatz. Auf dem gelben Helium-Ballon, den er an der Hose befestigt hat, prangt die Zeit von 2.59 Stunden. „Wer sich diese Zeit zutraut, kann sich anschließen.“ Kothe ist sicher, unter drei Stunden zu laufen. „Meine beste Zeit war 2.40 Stunden, deswegen habe ich keine Sorge, dass ich die Läufer unter drei Stunden in die Festhalle bringen kann“, versichert er. Für Kothe hat die Rolle als Zugläufer Vorteile: „Ich habe eine Gruppe um mich, muss nicht alleine kämpfen.“     tjs

Die Welt in Laufschuhen:Läufer aus 104 Nationen starteten beim ältesten deutschen Stadtmarathon. Die stärksten Laufgemeinschaften hinter den Deutschen bildeten Franzosen (589) und Briten (360), die schwächste Grönland (1).

Die Einkaufsliste: Viel hilft viel: 6000 Kilo Bananen, 1200 Kilo Äpfel, 140 000 Liter Getränke, 450 000 Trinkbecher, 100 000 Sicherheitsnadeln, 2500 freiwillige Helfer.

Danke, dass so viele Läufer mit ihren Füßen für Frankfurt abgestimmt haben. 15 850 Marathonläufer am Start bedeuten das zweitbeste Meldeergebnis in der 35-jährigen Geschichte des Mainova Frankfurt Marathon.

Insgesamt bewegt das sportliche Großereignis am Rennwochenende in allen Wettbewerben über 27 500 Läufer.

Pure Erfahrung I: Der älteste Teilnehmer auf der 42,195-Kilometer-Strecke ist stolze 84 Jahre alt. Die älteste Teilnehmerin ist 78 Jahre alt.

Pure Erfahrung II: Im Rahmen des Staffelmarathons wird eine besondere Laufgemeinschaft an den Start gehen: unsere Jubiläumsstaffel. Bestehend aus den drei ehemaligen Dauerstartern Rainer Zickler, Bernd Keuchler, Thomas Götzelmann und der immer noch über die volle Marathondistanz aktiven Sissi Antoni. Die Bad Homburgerin ist mit 26 Finishs die Frau mit den meisten erfolgreichen Teilnahmen beim Mainova Frankfurt Marathon. Gemeinsam haben die Vier sage und schreibe 98 Marathons am Main bewältigt. Gelebte Marathonerfahrung in Frankfurt also.

Happy Birtday: Ein Jahr älter werden am Marathontag in Frankfurt – es sind 67 Geburtstagskinder im Teilnehmerfeld.Für die gilt freilich ganz besonders: This is your day!

Promi-Alarm beim Staffelmarathon: Von deutschen Marathonassen bis zu Fußballgöttern trifft man auf den Marathon-Teilstücken auf die bekannten Gesichter von den deutschen Topläufern Arne Gabius, Julian Flügel, Sabrina Mockenhaupt und Philipp Pflieger; der einstigen Eintracht-Größen Uwe Bindewald, Alexander Schur und Thomas Zampach; der „GNTM“-Siegerin Barbara Meier sowie des Ironman-Hawaii-Helden Patrick Lange.

Goldstücke: Alle Medaillen, die in der Festhalle an den erfolgreichen Läufer gebracht werden, wiegen zusammen ziemlich genau zwei Tonnen.

Schnelles Ehepaar: Der Kenianer Moses Masai (Bestzeit: 2:10:36) macht im Elitefeld gemeinsame Sache mit Ehefrau Doris Changeywo (2:31:50).

Der Letzte macht das Rolltor zu: Closing Party: Jeder lange Lauftag geht mal zu Ende. Renndirektor Jo Schindler feuerte auch diejenigen an, deren Tag auf der Strecke in Sichtweite des Besenwagens besonders lang war. Hinter dem letzten Läufer wird sich das Rolltor schließen – und dann heißt es endgültig: Auf Wiedersehen, Mainova Frankfurt Marathon – bis zum nächsten Jahr!

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