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Zu den vier Wasserstoff-Bussen im Industriepark Höchst sind im Februar dieses Jahres vier weitere dazugekommen. Busunternehmer Winzenhöler, der die Linien für Infraserv betreibt, ist überaus zufrieden - und muss seine Busse ständig in interessierten Kommunen vorstellen. 

Industrie

Energiewende: Industriepark Höchst mit kreativer Idee für Betankung des RMV

Mit erneuerbarem Methan die Energiewende voranbringen - daran arbeitet das Projekt "MethQuest" mit 27 Partnern bundesweit. Einer ist der Industriepark Höchst, das größte Industrieareal Frankfurts.

Frankfurt - Das Fraunhofer-Institut ist dabei, die Technische Universität (TU) Berlin und die TU München, das Karlsruher Institut für Technologie, aber auch Ford oder Rolls Royce - und nicht zuletzt Infraserv, der Betreiber des Industrieparks Höchst: Beim Forschungsprojekt "MethQuest" werden Verfahren zur Erzeugung von erneuerbarem Gas und optimierte Motoren für Autos, Schiffe sowie zur Stromgewinnung entwickelt. Darüber hinaus geht es um Lösungen zur Kopplung von Strom-, Gas- sowie Wärme-Infrastruktur. Gas-basierte Technologien sollen den CO2-Ausstoß verringern - nicht nur in der Stromgewinnung oder beim Heizen, sondern auch im Verkehr.

Energiewende: Die Synergien nutzen

Der Betreiber des Industrieparks Höchst, Infraserv, ist an maßgeblicher Stelle involviert. Die Formel lautet "Waste to power", also "Abfall zu Strom": Mit Biogas- und Ersatzbrennstoffanlage und drei Gasturbinen produziert Infraserv Dampf, Wärme und Energie.

Richtungsweisend ist das Wasserstoff-Projekt: Bei der Chlorelektrolyse im Industriepark entsteht Wasserstoff als Nebenprodukt. Diesen Wasserstoff gibt es seit zehn Jahren neben anderen Kraftstoffen an einer öffentlichen Tankstelle vor dem Tor Süd des Industrieparks für Autos mit Brennstoffzelle. Bald aber fahren auch 27 Züge des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) auf den Taunusstrecken mit diesem Wasserstoff; 2022 soll es losgehen.

"Wir investieren einen zweistelligen Millionenbetrag in den Ausbau", erklärte gestern Dr. Joachim Kreysing, Geschäftsführer der Infraserv, bei einem gemeinsamen Gespräch zum Thema "Erneuerbare Energien" zusammen mit Jens Deutschendorf, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wirtschaft und Energie. Der Betrag werde zum Teil vom Land gefördert. Die Tankgleise mit Speicher und Verdichter für die RMV-Züge entstehen im nördlichen Werksteil in bestehender Bahn-Infrastruktur. 14 Züge sollen dort pro Tag mit Wasserstoff betankt werden; jeder Zug kann beim 15-minütigen Tankvorgang Treibstoff für 900 Kilometer aufnehmen. "Das ist dieselbe Reichweite wie bei einer Diesellok", sagt Kreysing. 2,3 Tonnen Wasserstoff werden pro Tag gebraucht, rund 675 Tonnen im Jahr.

Noch ist der Wasserstoff kein "grüner" Wasserstoff, also mit Strom aus erneuerbaren Quellen produziert. Aber bis 2022 / 23 will Infraserv sein Kohlekraftwerk ersetzen, das derzeit noch neben Biogas- und Ersatzbrennstoffanlage benötigt wird. "Der RMV hätte sich mit Sicherheit nicht für Wasserstoff entschieden, wenn er sich auf ,grünen' Wasserstoff hätte verlassen müssen", betont Kreysing. "Grüner" Wasserstoff sei derzeit noch zu teuer. Um die Versorgung der dann weltweit größten Brennstoffzellen-Zugflotte zu sichern, wird eine zweite Wasserstoff-Quelle gebaut werden müssen. Ziel des Projekts "MethQuest" sei es, Strom aus erneuerbaren Energien zu speichern, ob über Wasserstoff oder Methan. Dazu müssen Speichermöglichkeiten und Technologien entwickelt werden, die das Netz nicht zusammenbrechen lassen, auch wenn Windräder in Flaute still stehen und Solarmodule verschattet sind.

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Gute Erfahrungen hat Infraserv mit der Busflotte im Industriepark gemacht, die mit Wasserstoff über eine Brennstoffzelle betrieben wird. "Das Thema Wasserstoff ist für uns seit Jahren zentral", sagt Kreysing. Für den Infraserv-Chef ist die Technologie auch für den Güterverkehr zukunftsweisend. Beim Pkw ist er eher zurückhaltend: "Die Brennstoffzelle ist für Pendler mit kleiner und mittlerer Reichweite nicht so interessant." Zumal es bis Ende des Jahres erst neun Wasserstoff-Tankstellen in Hessen geben wird.

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Energiewende: Vertrag über 25 Jahre

Der Kohleausstieg und die treibhausgasneutrale Chemieproduktion, die bis 2050 erreicht werden soll, stellen die Forscher vor große Herausforderungen: Derzeit verbraucht die chemische Industrie in Deutschland pro Jahr etwa 50 Terawattstunden Strom; dann werden es 600 Terawattstunden sein", rechnet Kreysing vor - alles aus erneuerbaren Energien. Projekte wie die mit Wasserstoff betriebene Zugflotte, so betont Staatssekretär Deutschendorf, seien wichtig, um Klimagase zu reduzieren: Die Taunusstrecken des RMV sind nicht elektrifiziert, dort wird mit Diesel gefahren. Der Wasserstoff-Liefervertrag zwischen Infraserv und dem RMV läuft vorerst über 25 Jahre.

von HOLGER VONHOF

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