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Ganz langsam fällt hier die Rennbahntribüne in sich zusammen. Damit geht ein langer Rechtsstreit zwischen Stadt und Renn-Klub zu Ende.

Galopprennbahn

Tribüne abgerissen: Weg frei für die Fußball-Akademie

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Wie ein Kartenhaus ist am Montagvormittag die Tribüne auf dem Gelände der Galopprennbahn zusammengefallen. Sie wurde abgerissen. Die Stadt will in wenigen Wochen das Areal an den Deutschen Fußball-Bund übergeben. Der Renn-Klub gibt indes nicht auf und hält an seinen Verhinderungstaktiken fest.

Diesen Moment wollten sich Liegenschaftsdezernent Jan Schneider und Sportdezernent Markus Frank (beide CDU) nicht entgehen lassen. Mit gezückten Smartphones standen die beiden Politiker am Montag auf dem Gelände der Frankfurter Galopprennbahn und filmten den Abriss der Tribüne. Nachdem die Trägerkonstruktion eingerissen und die Stahlsprossen unter dem Dach gekappt waren, fiel die Tribüne wie ein Kartenhaus zusammen – gefolgt von einem lauten Wumms, einer großen Staubwolke und begeistertem Applaus seitens der städtischen Vertreter. Nur ein kleiner Teil blieb standhaft, fiel nicht gleich um. Das wird sich in den nächsten Tagen ändern.

„Das ist ein besonderer Tag für Frankfurt“, sagte Markus Frank. „Das Kapitel Pferdesport ist jetzt beendet. Hier wird eine ganz neue Geschichte geschrieben.“ Frank sieht Frankfurt schon als künftige Fußballhauptstadt Deutschlands. „Was die Europäische Zentralbank für den Finanzstandort Frankfurt ist, ist der DFB für die Sportstadt Frankfurt“, so Frank. „Künftige Weltmeister werden hier fit gemacht.“ Man müsse auch mal loslassen können, richtete Frank seine Worte in Richtung des Renn-Klubs, der seit der Verkündung im Jahr 2014, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine Leistungsakademie für rund 150 Millionen Euro auf dem Areal in Niederrad bauen will, gerichtlich dagegen vorgeht. Ein jahrelanger erbitterter Rechtsstreit zog sich durch mehrere Instanzen.

Insgesamt 19 Verfahren hat es vor Gerichten gegeben. So hat der Renn-Klub – angeführt von seinem Vizepräsident Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels – sich gegen die Räumung des Areals ebenso gewehrt wie gegen den Abriss der Tribüne, des Quotenhauses und des sogenannten Sarotti-Häuschens. Mit wenig Erfolg. Eine Niederlage nach der anderen musste der Renn-Klub hinnehmen. Im vergangenen Sommer hatte das Oberlandesgericht Frankfurt den Einspruch des Renn-Klubs gegen die Räumungsklage der Stadt abgelehnt. Selbst der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ließ die Zwangsräumung trotz Eilantrag nicht mehr stoppen. Die Schlüssel mussten übergeben werden. „Da war uns klar, dass die große Schlacht zu Ende ist“, sagte Markus Frank. Der Bundesgerichtshof muss aber noch über den Revisionsantrag des Rennklubs entscheiden. Schneider sagte aber: „Für die Pferdefreunde gibt es keine Hoffnung mehr, die Rennbahn zu erhalten.“

Die Stadt will dem DFB in den kommenden Wochen, spätestens im Sommer, das 38 Hektar große Gelände übergeben. „Wir sind wieder Herr im eigenen Haus und jetzt dabei, das Gelände so vorzubereiten, wie wir es dem DFB schulden“, sagte Schneider. Ein Bauantrag ist bereits eingereicht.

Aber auch schon jetzt ist der Fußballverband auf dem Areal unterwegs. Er hat dort in den vergangenen Wochen ehemalige Stallungen abreißen lassen. Überall sind Bagger unterwegs, reißen Wände ein. Der Bauschutt türmt sich. Von der eigentlichen Rennbahn ist kaum noch etwas zu erkennen. Einzig das ehemalige Quotenhaus und das sogenannte „Sarotti-Häuschen“ stehen noch. Für das Quotenhaus gilt dies aber nicht mehr lange. Im Dezember wurde der Räumung zugestimmt. In der vergangenen Woche wurde es von einer Gerichtsvollzieherin geräumt. Nun soll es ebenfalls bald dem Bagger zum Opfer fallen soll.

Bleibt nur noch das „Sarotti-Häuschen“. Derzeit steht es genau dort, wo später einmal das Hauptgebäude des Leitungszentrum stehen soll. Wie es damit weiter geht, hat das Gericht noch nicht entschieden. Das kleine Holz-Häuschen gehört Alexa zu Solms-Wildenfels, der 75-jährigen Mutter von Carl-Philip Graf zu Solms-Wildenfels. Sie bewahrt dort Fotos, Pokale und andere Erinnerungsstücke an den Pferderennsport auf. Liegenschaftsdezernent Jan Schneider hat der Familie angeboten, das Häuschen auszuheben und es, so wie es ist, in den auf dem Rennbahn-Gelände geplanten Bürgerpark zu stellen. „Das ist ein hübsches Gebäude und es könnte als Erinnerungsstätte über die Rennbahn dienen“, sagte Schneider. Das Grünflächenamt habe nichts dagegen – immerhin sollen auch Stufen aus der Tribüne gerettet und als Sitzgelegenheiten eine Wiederverwendung im Park finden. „Wenn dieser Vorschlag nicht erwünscht ist, können wir das Häuschen aber auch in den Vorgarten von Graf zu Solms-Wildenfels transportieren lassen.“

 

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Doch der Vizepräsident ist weder von der einen noch der anderen Idee angetan. Er bezeichnet sie gar als „Unverschämtheit“. „Das Häuschen bleibt stehen“, sagte er. Ein Bauzaun und eine Überwachungskamera sollen verhindern, dass es in einer Nacht und Nebelaktion abgerissen wird.

Derweil treibt er gemeinsam mit anderen Vertretern des Renn-Klubs weiter ein erneutes Bürgerbegehren voran. Unter dem Motto „Wohnen statt DFB“ werden Unterschriften für ein Wohnquartier auf dem Rennbahn-Gelände gesammelt. Das Areal liegt aber wegen der Landebahn des Flughafen im Siedlungsbeschränkungsgebiet, so dass dort kein Wohnungsbau möglich ist. Davon lässt sich ein Graf aber nicht beirren. Er will den Kampf weiterführen. Fortsetzung folgt.

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