Junger Bahn-Angestellter heitert Fahrgäste auf

Triebfahrzeugführer Kevin Grün verbreitet gut gelaunte Durchsagen in der S3

Wenn S-Bahn-Fahrgäste gut gelaunte Durchsagen hören, dann stammen diese oft von dem netten Triebfahrzeugführer Kevin Grün (23). Der Oberräder Bub hofft, dass er seinen Fahrgästen damit einen schönen Tag bereitet und sie sich auf alte Tugenden besinnen.

Als in der S3 in Richtung Bad Soden kurz vor dem Halt am Frankfurter Hauptbahnhof eine Durchsage startet, schwant den meisten Fahrgästen nichts Gutes. „Na los, mach’s kurz! Sag’ schon, dass es wegen eines Staus im S-Bahn-Tunnel zu einer Verspätung kommt“, rufe ich dem sogenannten Triebfahrzeugführer in Gedanken zu.

Doch zur Überraschung der meisten Fahrgäste kommt es anders. „Meine Damen und Herren“, beginnt der Triebfahrzeugführer seine Durchsage, „ich steige nun am Hauptbahnhof aus, ein Fahrerwechsel steht bevor.

Es war mir eine Freude, Sie als Fahrgäste begrüßen zu dürfen. Das sonnige Wetter ist nur einer von vielen Gründen, heute gut gelaunt in den Tag zu starten.“ Dann wünscht der Mann einen schönen Tag und übergibt die S-Bahn an einen Kollegen.

Manche Fahrgäste blicken sich verdutzt an, weil sie solche Freundlichkeit wohl nicht gewöhnt sind. Schließlich dürfte nicht nur ich regelmäßig die Erfahrung machen, dass es viele Bus- und Trambahnfahrer oft große Überwindung kostet, auf ein einfaches „guten Morgen“ zu antworten.

Kevin Grün ist aus einem etwas anderen Holz geschnitzt. Auf meine Anfrage hat die Pressestelle der Deutschen Bahn schnell herausgefunden, dass er der nette Triebfahrzeugführer ist, der den Fahrgästen am Hauptbahnhof ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat. Für Grün gehört dies zum Dienst wie die Uniform der Deutschen Bahn.

Der junge Mann aus Oberrad trifft sich mit mir in der S-Bahn-Werkstatt der Deutschen Bahn in der Adam-Riese-Straße im Gallusviertel und erklärt, warum er anders tickt als manche seiner Kollegen im öffentlichen Personennahverkehr. „Wenn ich am Bahnsteig entlang fahre, sehe ich oft grimmige Gesichter. Also habe ich mir überlegt, wie ich dem entgegen wirken kann“, sagt Grün.

Ihm sei bewusst, dass die wenigsten Menschen mit einem gut gelaunten Triebfahrzeugführer rechnen, sobald die Durchsage startet: „Die meisten hören den Beginn der Ansage und denken ’oh je’. Wenn ich ihnen dann einen schönen Tag wünsche oder Gründe mit auf den Weg gebe, weswegen man gute Laune haben sollte, dann freuen sich viele total.“

Seit nicht mal einem Jahr ist Grün Triebfahrzeugführer bei der Deutschen Bahn und schon eine Ausnahmeerscheinung im Bahnverkehr in der Mainmetropole.

„Wenn wir Lob erhalten für nette Fahrer, dann beziehen sich die Fahrgäste oft auf Herrn Grün“, sagt Sylvia Wagner von der Pressestelle der Deutschen Bahn.

Grün betont aber, dass dies seine Kollegen nicht automatisch zu weniger netten Menschen macht: „Manche trauen sich eben nicht, haben Hemmungen, schließlich sitzen in der Bahn je nach Tageszeit zwischen 500 und 800 Menschen.“

Doch Grün spürt, dass sein Umgang mit den Fahrgästen auch seine Laune aufhellt. In Zeiten, in denen nicht nur viele seiner Altersgenossen mehr mit ihren Handys als mit Mitmenschen kommunizieren, bevorzugt Grün die direkte Ansprache.

„Früher haben sich die meisten Menschen einen guten Morgen gewünscht. Das passiert heute nur noch selten. Umso mehr freut es die Fahrgäste, wenn der Triebfahrzeugführer sich ihnen zuwendet“, erklärt er.

Dies macht er nicht nur in Form von freundlichen Grüßen. Er erklärt den Fahrgästen oft auch ausführlich, warum es zu Verspätungen kommt oder gibt ihnen Ratschläge mit auf den Weg, wie sie ihre Ziele alternativ erreichen können, wenn mal eine Bahn ausfällt.

Grüns Freundlichkeit hat noch einen weiteren Grund, wie er sagt: „Ich bin in Oberrad aufgewachsen und war stets begeistert von den Zügen, die über die Gleise neben dem Stadtteil fahren. Ich habe mir lange gewünscht, einmal Lokführer zu werden. Daher hat meine gute Laune auch damit zu tun, dass ich in meinem absoluten Traumberuf gelandet bin.“

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