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In der Siolistraße hatte der Sexualstraftäter Frauen in drei Fällen jeweils gegen Mitternacht in derselben Straße angegriffen.

Prozess

Triebtäter vom Campus muss ins Gefängnis

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Nach drei sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Nähe der Frankfurter Universität ist ein 28 Jahre alter verheirateter Familienvater am Montag zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden.

Über Monate hinweg versetzte er die Frankfurter Universität in Angst und Schrecken. Um den „Uni-Campus-Westend“ herum trieb ein Sexualstraftäter sein Unwesen – drei Frauen fiel er an. Gestern ging der Prozess gegen einen 28 Jahre alten indischen Familienvater vor dem Landgericht überraschend schnell zu Ende: Der Mann wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

Aus seiner indischen Heimat kam er zunächst 2007 nach Italien und von dort aus vor fünf Jahren nach Deutschland, wo er in einer Pizzeria in Bornheim arbeitete und in Heddernheim in einer Dachgeschosswohnung wohnte. Trotz dieser Bindung an die europäische Lebensweise ließ sich der Mann jedoch vor zwei Jahren mit einer Frau aus der Heimat verheiraten, die ihm im vergangenen Jahr ein Kind gebar. Dies waren die äußeren Lebensumstände des Mannes, der im Oktober vergangenen Jahres zum ersten Mal strafrechtlich in Erscheinung treten sollte.

Mit dem Auto begab er sich Abend für Abend gegen 23 Uhr von der Pizzeria in Richtung Nordweststadt. Doch er fuhr nicht etwa durch. Besonders die Gegend um die Miquelallee nordwärts der Universität hatte auf ihn offenbar eine besondere Anziehung. Wie vor Gericht bekannt wurde, machte er hier häufig einen Zwischenhalt, den er zumindest in drei Fällen nutzte, um jüngeren Frauen in eindeutig sexueller Absicht nachzustellen. Das erste Opfer im Oktober zwang der Mann zu sexuellen Handlungen. Die wimmernde, im Gebüsch auf dem Boden kauernde 23-Jährige befriedigte ihren Peiniger mit der Hand – rechtlich ein besonders schwerer Fall der sexuellen Nötigung, wie Vorsitzender Richter Martin Bach gestern im Urteil ausführte.

Die beiden Übergriffe Ende Dezember und Anfang Januar scheiterteten dagegen am großen Widerstand der Opfer. Eine 37-Jährige schlug den schmächtigen Sittenstrolch mit Faustschlägen in die Flucht – später suchte er Trost in einem Bordell im Bahnhofsviertel, laut Bach ein Indiz für die „eindeutige Sexualisierung des Angeklagten“. Der dritte Fall endete durch Flucht des Opfers (27), das sich zuvor mit gellenden Schreien und körperlicher Gegenwehr bemerkbar gemacht hatte. Fall vier war im Februar nur noch gestellt von der Polizei: Deren „Lockvogel“ in Person einer Beamtin sorgte für die Festnahme des Sittenstrolchs und damit für Aufatmen rund um den Uni-Campus.

Gestern sorgte der Angeklagte mit einem eindeutigen Geständnis für ein schnelles Ende des eigentlich auf drei Verhandlungstage terminierten Prozesses. Die drei als Zeuginnen geladenen Opfer wurden von der Strafkammer dennoch vernommen – es ging vor allem um die psychischen Folgen für sie. Und trotz des teilweise „glimpflichen“ Endes haben alle Frauen seither mit Beeinträchtigungen zu kämpfen und deshalb auch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

Der Staatsanwalt beantrage daher drei Jahre Haft. Der Verteidiger sah das Gewicht des Geständnisses schwerer und plädierte auf eine Bewährungsstrafe. Das Gericht verhängte am Ende zwei Jahre und zehn Monate Haft und sprach dem ersten Opfer noch 3000 Euro Schmerzensgeld zu.

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