Alexander Gauland in Frankfurt

Trotz AfD-Veranstaltung in Oberrad: Unsere Geschäfte bleiben offen

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Dass die AfD in wenigen Tagen im Saalbau Oberrad ihre erste Saalveranstaltung zur Landtagswahl abhalten will und dazu ihr Bundessprecher Alexander Gauland erwartet wird, darauf deutete gestern noch nichts hin. Auch die Inhaber der kleinen Geschäfte rund um das Bürgerhaus sind vergleichsweise entspannt.

Die Polizei zog gerade ab, ein Mannschaftswagen und einige Beamte. Sie hatten vor dem Saalbau Depot am Buchrainplatz gestanden und Anwohner informiert. Kai Abicht, Inhaber von „Grüne Soße und mehr“, hatte ihnen Wasser und Gläser hingestellt, die allerdings unberührt blieben. „Die Polizei ist die einzige Institution, die uns informiert. Sie waren jetzt schon zum dritten Mal hier“, sagt Abicht. Sein Restaurant mit hessischen Spezialitäten schließen? Am Samstagabend? Wegen der Alternative für Deutschland (AfD)? „Kommt nicht in Frage.“

Vielmehr freut sich Abicht fast ein bisschen – auf das Konzert und die Gegendemonstration auf dem Platz. „Das wird doch toll, und es ist wichtig zu zeigen: Alle Menschen sind gleich. Bei mir kriegt jeder, was er bestellt. Ob Deutscher, Türke, Araber, ob Flüchtling oder eingeborener Oberräder.“ Dies zu bekunden, wird ihm am Samstag eine besondere Ehre sein – bei geöffnetem Geschäft direkt am Buchrainplatz. Nebenbei fragt er sich, wer eigentlich die AfD-Veranstaltung besuchen will. „Das wird doch ein Walk of Shame, zwischen all den Demonstranten durch. Wir Oberräder kennen uns doch gegenseitig. Wer von uns wird denn da hineingehen wollen?“

Viele andere Geschäftsleute halten es wie Abicht, wollen ihre Läden öffnen. „Warum auch nicht. Solange meine Mitarbeiter nicht gefährdet werden, schließen wir nicht“, sagt Thomas Körbel, Inhaber von „Tommis Laden“ in der Offenbacher Landstraße 331. Das „Café Oberrad“ einige Schritte näher zum Platz will gleichfalls nicht schließen, ebenso wenig wie der Getränkemarkt „Profi“. Bäcker Schaan schließt, wie jeden Samstag, um 16 Uhr, der „Deniz Markt“ nebenan sogar erst um 20 Uhr. Da ist die AfD-Veranstaltung schon im vollen Gange, ebenso wie die Demonstration dagegen. Fahri Korkmaz, der auch am Samstag türkischen Spezialitäten verkaufen wird, sieht es gelassen. „Wer sollte uns schon etwas tun wollen?“, fragt er. Wenn es nichts mehr bringe, könne er das Geschäft immer noch schließen.

Dagegen ist Gudrun Holzhacker, Inhaberin von „Future Hair Design“ in der Buchrainstraße 2, stocksauer. „Was wird aus uns Geschäftsleuten?“, fragt sie. „Wer fragt, wie es uns dabei geht?“ Sollte sie etwa ihr Geschäft am Samstag zulassen? Und wenn sie öffnet – werden dann Kunden kommen, wenn vielleicht alles abgesperrt ist? „Wer ersetzt mir meine Ausfälle? Müssen die so eine Veranstaltung ausgerechnet ins friedliche Oberrad legen?“

Frank Junker, Geschäftsführer der ABG-Holding, hatte der FNP erklärt, dass die Saalbau – sie gehört zur Holding – verpflichtet ist, allen Parteien Räume für den Wahlkampf zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen kann dabei nicht als Zensor auftreten. Auch zahlt die AfD, wie alle anderen Parteien, lediglich 30 Prozent der normalen Saalmiete. Allerdings sind die Räume nicht unbedingt dort, wo die AfD es wünscht. „Wir suchen Veranstaltungsräume, die sich leicht sichern lassen“, so Junker, wie eben im Saalbau Oberrad, der ringsum von Gebäuden umgeben ist.

Enttäuscht ist Kai Abicht allerdings darüber, dass die Saalbau an die Nachbarn keinerlei Information weitergegeben hat. „Was wir wissen, wissen wir von der Polizei.“ Entspannt wartet noch Mario Russo auf den Samstag. Der Inhaber des Eiscafés „La Dolce Vita“ will am Samstag entscheiden. „Vielleicht müssen wir schließen, mal sehen“, sagt er. „Wir müssen abwarten, was passiert.“

Ob Linksautonome sich an den erwarteten Gegenprotesten beteiligen, ist noch unklar. Gestern war auf den einschlägigen Internet-Seiten noch kaum ein Hinweis zu finden.

Dagegen haben der Kreis- und der Landesverband der AfD gestern begonnen, auf ihren Homepages für die Veranstaltung zu werben.

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