Das gefällt beiden: Brigitte Maucolin mit einem ihrer Schützlinge. FOTO: Enrico sauda
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Das gefällt beiden: Brigitte Maucolin mit einem ihrer Schützlinge.

Oberrad: Tierschutz

Trotz Corona kaum mehr Katzen abgegeben

  • VonAlexandra Flieth
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Heim vermittelt keine Freigänger

Neugierig blickt Whisky den Neuankömmling an, der sich dem Außengehege nähert, in dem der junge Kater gerade gemeinsam mit anderen Samtpfoten ein wenig vor sich hin dösen möchte. Whisky gibt sein Vorhaben in diesem Moment aber auf und tapst vorsichtig in Richtung Gitter, das Kater und Besucherin voneinander trennen, um den Menschen vor dem Gehege ganz genau unter die Lupe zu nehmen.

Der Gesichtsausdruck des Katers verrät, dass er abwägt, ob er lieber ganz an das Gitter herankommen oder doch aus sicherer Distanz heraus das beobachten soll. Nach wenigen Augenblicken entscheidet sich der Stubentiger für den sicheren Abstand, jedenfalls für den Moment. Denn immer wenn die Besucherin sich wegdreht wird er mutig und wagt den Schritt vorwärts.

Whisky ist einer von derzeit 40 Samtpfoten, die im Tierheim des Frankfurter Katzenschutzvereins in der Speckgasse 4 darauf warten, von einem liebevollen Dosenöffner entdeckt und mit in ein neues Zuhause genommen zu werden. Auf dem Gelände des Oberräder Katzentierheims leben rund 100 Tiere, viele von ihnen haben dort dauerhaft ein Bleiberecht, andere sind aus verschiedenen Gründen noch nicht in der Vermittlung. Jede Katze hat ihr ganz individuelles Schicksal erlebt und hofft auf ihr persönliches Happy End. Damit dies auch klappt, dafür sorgt Brigitte Maucolin. Seit 2001 leitet sie das Tierheim, kümmert sich um die Belange der Katzen und sorgt dafür, dass sie in ein neues Zuhause vermittelt werden, in dem sie sich wohlfühlen können.

Der aktuelle Bestand im Tierheim sei konstant - auch im Hinblick auf die derzeitige Urlaubszeit, erzählt sie. Eine vermehrte Abgabe an Katzen, die von ihren Besitzern in der Zeit des Lockdowns angeschafft worden seien und für die jetzt keine Zeit mehr bestünde, registrierten die Tierfreunde nicht. Das sei bei Kleintieren und Hunden anders, fügt Maucolin hinzu. "Corona ist eigentlich an uns vorbeigegangen. Die von uns eingerichtete Vermittlung nach Termin lief sehr gut", freut sie sich.

Wenn der Mensch ins Heim muss

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sieht sie höchstens eine leicht erhöhte Abgabe von älteren Tieren, weil deren Besitzer einen Platz in einem Pflegeheim bekommen hätten und ihre Katzen dorthin nicht mitnehmen dürften. Das treffe aber nicht auf jede betagte und bei ihnen abgegebene Katze zu.

Besonders mitgenommen habe sie zuletzt das Schicksal einer 20-jährigen Perserkatze, die von ihrem Besitzer mit der Begründung ins Tierheim gebracht wurde, dass er eine Allergie entwickelt habe. "14 Tage später ist sie einfach eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht", erzählt Maucolin, die vermutet, dass die Perser-Katze sehr getrauert habe und ohne ihren Menschen einfach nicht weiterleben wollte.

Für die Tiere breche eine Welt zusammen, wenn ihre Besitzer sie einfach nach so einer langen gemeinsamen Zeit weggeben würden. "Und er war auch noch stolz darauf, dass er sie 20 Jahre lang hatte", sagt sie und schüttelt den Kopf.

Die Tierheimleiterin kennt alle Samtpfoten im Heim bestens und setzt vor einer Vermittlung auf ein intensives Beratungsgespräch mit Interessierten. Anders als normalerweise üblich, stellt der Frankfurter Katzenschutzverein zu vermittelnde Tiere nicht online. Nach dem Gespräch habe sie Zeit, sich Gedanken zu machen und eine Vorstellung davon, was künftige neue Besitzer für eine Katze suchen. Sie schlage daraufhin ein infrage kommendes Tier vor. Dieser Ablauf habe sich in der Vergangenheit bewährt. Vermittelt würden ausschließlich Wohnungskatzen, keine Freigänger.

"Vom ersten Lockdown im März 2020 bis Dezember des Jahres sind rund 150 Katzen erfolgreich vermittelt worden", sagt Jürgen Speckmann, Vorstand des Katzenschutzvereins. "Seit Januar 2021 sind es bisher rund 60 Tiere", fügt er hinzu. "Die Rückläufe sind nicht spürbar", beschreibt es die Tierheimleiterin.

Nur ganz selten komme eine Katze wieder zurück, nicht, weil die neuen Besitzer es sich anders überlegt hätten, sondern etwa, weil der Stubentiger sich mit einer schon im Haushalt lebenden Katze nicht vertragen habe.

Wie Whisky, der noch jung ist und Flausen im Kopf hat. "Er hat sich leider mit dem anderen Kater im Haushalt nicht verstanden", bedauert Maucolin. Es gab Stress zwischen ihnen. Whisky sei ein ganz toller Kater - lieb und sehr verspielt. Seine Geschwister und auch seine Mama lebten bereits in einem neuen Zuhause. Alexandra Flieth

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