Ein Mundschutz liegt auf dem Boden auf dem Alexanderplatz.
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Trotz Corona treffen sich viele Menschen am Wochenende an der Kleinmarkthalle zum Feiern. Dabei hinterlassen sie auch Müll. (Symbolbild) 

Kleinmarkthalle

Urin, Kot, Müll: Trotz Corona wird in Frankfurt ekelerregend gefeiert

  • vonSabine Schramek
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Am Opernplatz in Frankfurt herrscht wieder Ruhe nach den Ausschreitungen. Teile des Partyvolks haben sich eine neue Örtlichkeit gesucht. Die Corona-Party läuft ekelhaft und rücksichtslos.

  • Frankfurt* drohen erneut massive Probleme durch ausartende Corona-Partys
  • Vom Opernplatz scheinen viele Feiernde zur Kleinmarkthalle weitergezogen zu sein
  • Am neuen Frankfurter Party-Hotspot hinterlassen sie Fäkalien und Müllberge

Frankfurt – Der Platz hinter der Kleinmarkthalle und ein Teil des Liebfrauenberges sind immer noch eine kleine Wochenend-Partymeile ohne Masken. Leere Flaschen, Müll und Betrunkene nerven die Anwohner, überall Kot, Urin und Erbrochenes widern sie an. Am schlimmsten ist es, nachdem die Kleinmarkthalle geschlossen hat. Eine Bestandsaufnahme.

Kleinmarkthalle in Frankfurt: Müll, überall Müll nach Corona-Partys

Der Anblick gleicht dem vom Opernplatz bis vor zwei Wochen: leere Flaschen, Pizzakatons, Dosen, Tüten und Müll überall zwischen Feiernden. Der Platz vor dem Hintereingang der Kleinmarkthalle hat sich in den letzten Monaten zum Wochenend-Treff der schicken Frankfurter entwickelt. Besonders schlimm wird es, wenn die Kleinmarkthalle schließt. Einiges hat sich jüngst verbessert: Die beiden Toiletten links neben der Kleinmarkthalle bleiben jetzt geöffnet, solange der Rollanderhof seine Terrasse geöffnet hat. Ein Dixieklo ebenfalls, zwei weitere wurden aufgestellt, sind aber verschlossen.

Frankfurt: Feiernde hinterlassen rund um die Kleinmarkthalle Urin, Kot und Erbrochenes

„Das geht so einfach nicht weiter“, klagt Architekt Micheal Christl. „In jedem Hof sind Urinflecken, immer wieder Kothaufen und Erbrochenes. Ich habe viel Verständnis, wenn sich Leute treffen wollen. Aber 500 bis 600 Leute auf dem kleinen Platz, die angetrunken alle Hemmungen fallen lassen, ist mehr als unschön. Als Anwohner haben wir nicht nur Ekel, sondern auch Angst, dass irgendwann Glasflaschen durch die Luft fliegen“, sagt er aufgebracht. Auf dem Opernplatz gab es an diesem Wochenende weder Müll noch Aggression. Die Maßnahmen der Stadt zeigen Wirkung. An der Kleinmarkthalle ist es unverändert schlimm.

Es gibt hier einen Glascontainer auf dem Platz, der von den Frauen in teuren Kleidern und Männern in schicken Outfits völlig ignoriert wird. Immer mehr Ausschankstellen rund um den Liebfrauenberg verkaufen Wein und andere Getränke "to-Go". Überall auf dem Boden liegen Scherben.

Wer auf der Terrasse vom Rollanderhof keinen Platz gefunden hat, weicht nach unten aus. Kioske, das neue Saint-Charles-Pop-Up auf dem Liebfrauenberg, das My Frankfurt, das Café Liebfrauenberg, die Metzgerei Hieninger, das Wein-Pop-Up Rheinhessen, Eis von Häagen-Dazs und das Lokal Gusto freuen sich über gute Umsätze, wenn die After-Worker und Samstag-Genießer ihren Appetit und Durst stillen.

Feiern trotz Corona in Frankfurt: Müll? Soll die Müllabfuhr wegmachen

„Es ist schön hier“, sagt eine junge Frau und lässt sich noch ein Glas Chardonnay einschenken. „Wir kommen jeden Samstag her, kaufen leckere Sachen in der Kleinmarkthalle und läuten Wochenende ein. Man trifft viele Bekannte und lernt neue Leute kennen“, sagt sie. „Das mit dem Müll ist schade, aber ich lasse nie was liegen“, erklärt sie. Dafür gebe es aber auch die Müllabfuhr. „Die muss doch auch was zu tun haben, sonst werden sie ja arbeitslos“, ergänzt sie angeheitert.

Die Hofeinfahrten in der Umgebung sehen eklig aus. Urinpfützen, Müll und Erbrochenes, über die die Anlieger treten müssen. „Unzumutbar“ nennt es Christl, der Krankheiten und Ratten befürchtet. „Auch Betrunkene müssen doch merken, was sie hier anrichten“, ist er empört. „Die Kleinmarkthalle ist das Schönste, was es in Frankfurt zum Einkaufen und Schlemmen gibt. Da kann man doch nicht eine Kloake im Umfeld draus machen.“

„Spaßbremsen“: Anwohner in Frankfurt werden von Feiernden beschimpft

In den letzten Wochen habe die Stadt Frankfurt ab und zu Flatterbänder an den Platz gehängt. „Auch das hat niemanden hier groß interessiert“, hat der Architekt beobachtet. „Es ging auch dann einfach munter weiter.“ Wenn sich Anrainer beschweren, werden sie laut Christl angepampt. Sie sollten doch wegziehen, wenn ihnen was nicht passe und nur Spaßbremsen sein wollten. „Ich feiere selbst gern und schaue auch gerne aus dem Fenster, wenn sich Leute entspannt auf ein Glas Wein treffen“, sagt eine Nachbarin. „Der Lärm ist gar nicht das Problem. Das klingt für mich wie Vogelgeschnatter. Hygienische Standards müssen aber eingehalten werden. Am liebsten würde ich jedes Mal runtergehen und die Leute, die in meine Einfahrt pinkeln, zum Saubermachen auffordern.“ Sie habe auch schon versucht, mit ihnen zu reden. „Die lallen nur rum und werden unverschämt. So sind alle Diskussionen völlig sinnlos.“

Sie und Christl sehen die Stadt in der Pflicht, die Gastronomen zu verpflichten, den gesamten Müll zu entsorgen und ausreichend Toiletten zur Verfügung zu stellen. „Wer verkauft, muss auch dafür Sorge tragen, dass die Gegend nicht verkommt.“ (Sabine Schramek)

Zuletzt redete ganz Frankfurt vom Opernplatz, vom Müll und den Ausschreitungen dort. Die Probleme gibt es aber auch anderswo in der Stadt. Gerade Frankfurts Stadtteil Alt-Sachsenhausen hat zuletzt mit wachsenden Müllbergen – hinterlassen von Feiernden – zu kämpfen.

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