Frankfurter Trinkwasserverordnung

Trotz Kontrollpflicht immer wieder Legionellen-Befall in Wohnhäusern

Alle drei Jahre müssen große Warmwassersysteme in Mehrfamilienhäusern auf Legionellen überprüft werden – so steht es in der Trinkwasserverordnung. Weil diese Großanlagen jedoch nicht meldepflichtig sind, kann das Gesundheitsamt diese nicht überprüfen.

Wenn sie in ihrer Wohnung in Sachsenhausen den Wasserhahn aufdreht, beschleicht Marina Berger (Name von der Redaktion geändert) zurzeit ein ungutes Gefühl. Seit Ende Januar sei das Wasser bräunlich verfärbt, berichtet sie. Der Geschmack sei „gruselig“ – es schmecke nach Schwefel, Gummi und Metall. Was ihr ebenfalls Sorgen macht: Im vergangenen Jahr waren in den Leitungen des elfstöckigen Hauses in der Stresemannallee Legionellen entdeckt worden.

Auch in einem vierstöckigen Haus im Stadtteil Dornbusch wurden vor einigen Monaten die gesetzlichen Grenzwerte für Legionellen überschritten. Als sogenannten technischen Maßnahmenwert legt die Trinkwasserverordnung 100 koloniebildende Einheiten (KBE) in 100 Milliliter Wasser fest. Werden mehr dieser gefährlichen Bakterien entdeckt, sind Gegenmaßnahmen notwendig, teilt das Frankfurter Gesundheitsamt auf Anfrage mit. In dem Haus im Dornbusch lag der Wert zwischen 1000 und 10 000 KBE. Die Probleme seien mittlerweile behoben, versichert die Hausverwaltung.

Legionellen gedeihen besonders gut in warmem Wasser, bei Temperaturen zwischen 25 und 55 Grad Celsius. Deshalb finde man sie hauptsächlich in Warmwassersystemen und schlecht gewarteten Klimaanlagen, heißt es dazu im Jahresbericht 2014 / 2015 der Abteilung Infektiologie und Hygiene im Frankfurter Gesundheitsamt.

Mit fatalen Folgen: Die Bakterien, die vor allem mit feinsten Wassertropfen beim Duschen eingeatmet werden, können beispielsweise eine schwere Lungenentzündung auslösen. In zehn bis zwanzig Prozent der Fälle endet diese sogar tödlich. Und: Laut einer bundesweiten Statistik stammen die Bakterien bei Legionellen-Erkrankungen in mehr als der Hälfte der Fälle aus Privathaushalten.

Vor diesem Hintergrund schreibt die Trinkwasserverordnung seit einigen Jahren vor, dass sogenannte „Großanlagen zur Trinkwassererwärmung“ mit einem Fassungsvermögen von mehr als 400 Litern, wie sie oft in Mehrfamilienhäusern vorkommen, alle drei Jahre auf Legionellen untersucht werden müssen. Eine Vorschrift, die Vermieter sehr ernst nähmen, versichert Gregor Weil, Geschäftsführer des Vereins „Haus & Grund Frankfurt“. Denn bei Verstößen dagegen drohe eine Geldbuße von bis zu 25 000 Euro.

Tim Westphal vom Frankfurter Gesundheitsamt ist in seinen Aussagen hingegen deutlich zurückhaltender. Schließlich seien diese Großanlagen nicht meldepflichtig, so dass die Behörde gar nicht genau wisse, wie viele davon es überhaupt in Frankfurt gebe, erklärt er. Und: Ob ein Hausbesitzer die Legionellen-Überprüfung vorgenommen hat, erfährt das Amt ebenfalls nicht. Eingeschaltet wird es erst dann, wenn bei der Untersuchung der Grenzwert überschritten wird. Ob alle Hausbesitzer ihrer Prüfpflicht nachkämen, sei daher „schwierig zu sagen“, formuliert er vorsichtig.

Fest steht zumindest: Laut Statistik der Behörde wurde der Grenzwert für Legionellen in Frankfurter Mehrfamilienhäusern zwischen 2012 und 2015 häufiger überschritten. 2012 registrierte man 91 Fälle, ein Jahr später 422 und 69 Fälle. In insgesamt 123 Gebäuden ermittelte man sogar einen Wert über 10 000 KBE, so dass unter anderem Duschverbote angeordnet wurden. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen registrierte das Frankfurter Gesundheitsamt in den Jahren zwischen 2012 und 2014 acht bis neun Legionellen-Erkrankungen, 2015 waren es 21.

Woher die Verunreinigung des Wassers in dem Haus in der Stresemannallee kommt, ist bisher noch nicht klar. Der zuständige Wasserversorger, die Mainova, versichert, dass es nach ihren Erkenntnissen dort zu keinen Einschränkungen der Wasserqualität komme. Möglicherweise könnten Probleme in der Hausinstallation die Ursache sein. Marina Berger hat inzwischen das Gesundheitsamt eingeschaltet. Und hofft jetzt dringend darauf, dass die Probleme bald behoben sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare