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Trotz Energiekrise soll Frankfurt in der Vorweihnachtszeit leuchten

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Von: Holger Vonhof, Judith Dietermann, Thomas J. Schmidt

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Die meisten Gewerbevereine in Frankfurt halten an der Weihnachtsbeleuchtung fest. Die Stadt prüft, wie sie unterstützen kann.

Frankfurt - Ein Winter im Zeichen der Energiekrise - doch die Weihnachtsbeleuchtung wird nur unwesentlich leiden. Darin sind sich die Gewerbevereine und die Stadt einig: „Als Stadt Frankfurt wollen wir den Einzelhandel, die Gastronomie und das Gewerbe - auch insbesondere in den Stadtteilen - nicht im Dunkeln stehen lassen. Wir sind darum bestrebt, gemeinsam Lösungen zu finden. Diese Branchen haben durch die Corona-Pandemie und Transformation mit großen Herausforderungen zu kämpfen, bei denen wir als Stadt wo möglich unterstützen wollen“, sagt Wiebke Schmidt, Sprecherin von Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst (FDP). „Die Weihnachtszeit spielt hier - und für diese Branchen - eine sehr wichtige Rolle. Gleichzeitig stehen wir auch in der Verantwortung mit Blick auf Energiesparmaßnahmen.“

Ein Treffen der Gewerbevereine, der IHK, der Frankfurter Stadtverwaltung und anderen erbrachte noch kein finales Ergebnis. „Es geht unter anderem um die Frage, wie sehr die Stadt es bezuschussen muss. Die Gewerbevereine haben wegen Corona nicht mehr viel Geld auf der Kante.“ Eine Entscheidung erwartet Wiebke Schmidt für die kommende Woche.

Weihnachtsbeleuchtung in Frankfurt: MyZeil übt sich in Bescheidenheit

Ernst Schwarz, der Vorsitzende des Dachverbandes der Frankfurter Gewerbevereine, berichtet: „Die Gewerbevereine wollen die Weihnachtsbeleuchtung aufhängen, das ist ganz klar.“ Die meisten Vereine hätten längst LED-Lichter, da spreche man von 100 Euro Stromkosten. „Der große Kostenpunkt ist das Aufhängen. Es bringt den Handwerkern jedes Jahr 5000 bis 7000 Euro pro Stadtteil. Das fehlt ja auch, wenn wir die Beleuchtung ausfallen lassen“, so Schwarz.

Einen Großteil der Kosten trage die Stadt Frankfurt, jedenfalls sei dies in der Vergangenheit so gewesen. Nur mit den jüngsten Entwicklungen ist Schwarz unzufrieden: Manche Gewerbevereine hätten bislang noch nicht einmal die Erstattung aus dem Vorjahr erhalten: „Diese Vereine treten nicht noch einmal in Vorleistung“, warnt Ernst Schwarz. Deswegen hänge jetzt viel an der Entscheidung der Stadt.

Die Weihnachtsbeleuchtung auf der Zeil im vergangenen Jahr.
Die Weihnachtsbeleuchtung auf der Zeil im vergangenen Jahr. © Oeser

Auf der Zeil wartet man deswegen noch. „Wir dekorieren nur in Abstimmung mit der Stadt“, sagt Frank Diergardt vom Verein Neue Zeil. „Wenn die Stadt ja sagt, hängen wir unsere Lichterketten.“ Die Situation sei momentan auch für die Einzelhändler heikel, denn man wisse nicht, wie die Kunden reagieren. Sie selbst müssen Strom und Gas sparen, und die Einzelhändler schmücken und beleuchten, als ob es kein Energieproblem gebe: „Das würde Diskussionen auslösen.“ Im MyZeil, dem renommiertesten Haus auf der Haupteinkaufsstraße Frankfurts, ist deswegen Bescheidenheit angesagt: Im Außenbereich werde auf alles verzichtet. „Es gibt nur eine Ausnahme, und das sind zwei LED beleuchtete Hirsche auf dem Vordach über dem Haupteingang des Centers“, sagt Andrea Poul, die Center-Managerin.

Weihnachtsbeleuchtung in Frankfurt: Was machen die Stadtteile?

In den Stadtteilen ist man oft optimistischer. So Torsten Schiller, Sprecher der Aktionsgemeinschaft Schweizer Straße: „Wir werden die Weihnachtsbeleuchtung aufhängen, das ist klar“, sagte er. Im Vorjahr habe es 5810 Euro gekostet, der größte Teil wurde von der Stadt ersetzt.

Auch am Dornbusch ist das Energiesparen bei der Weihnachtsbeleuchtung in diesem Jahr ein Thema. Mehrere LED-Sterne bringen den Stadtteil dort Jahr für Jahr zum Leuchten, zudem gibt es einen Weihnachtsbaum vor der Ladenzeile am Haus Dornbusch. Normalerweise, so Anita Schwarz, Vorsitzende des Geschäftsrings Dornbusch, würde der Ortsbeirat die Stromkosten für die Weihnachtsbeleuchtung übernehmen. Auch in diesem Jahr? Das sei noch nicht entschieden.

Energiesparen auf Weihnachtsmarkt

Auch auf dem großen Frankfurter Weihnachtsmarkt muss 2022 Energie gespart werden. Was das konkret heißt? Weniger Licht und kalte Toiletten beispielsweise.

Preungesheim im Osten der Stadt hingegen bleibt dunkel. „Die Wirtschaftsförderung unterstützt uns nicht“, sagt Andreas Eggenwirth, langjähriger Vorsitzender des Preungesheimer Gewerbevereins. „Es hat in Preungesheim nie eine Weihnachtsbeleuchtung gegeben, das ist nicht neu.“ Neu ist, dass nicht einmal der Christbaum auf dem Gravensteiner Platz beleuchtet wird. „Das haben wir wegen der ganzen Diskussion um die Energiepolitik sein lassen“, sagt Eggenwirth.

In Höchst wird die Weihnachtsbeleuchtung von der Initiative Pro Höchst, einem Image-Verein, organisiert. Die alten Glühbirnen-Sterne sind vor Jahren ersetzt worden. Axel Knauber, der Vorsitzende von „Pro Höchst“, sagt: „Die bei unserer Weihnachtsbeleuchtung verwendete LED-Technik ist äußerst energieeffizient.“

Frankfurt-Höchst: Verzicht auf Beleuchtung hätte nur symbolische Wirkung

Ein Verzicht auf den Lichterschmuck brächte für Höchst - so hat der Hersteller errechnet - nur eine Stromersparnis von 0,0007 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs. Knauber ist sich deshalb sicher: „Der Verzicht auf eine Weihnachtsbeleuchtung hätte hauptsächlich symbolische Wirkung, brächte aber ganz klare Nachteile, ist die Beleuchtung doch gerade nach den zwei herausfordernden Corona-Jahren ein wichtiges Instrument der Innenstadt-Belebung, ein Wirtschaftsmotor für das lokale Gewerbe und die Gastronomie.“ Außerdem werde man darauf achten, die Beleuchtung um 22 Uhr abzuschalten. (tjs, hv, jdi)

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