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Trotz Pandemie: Mehr Geburten in Frankfurt

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Von: Michelle Spillner

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Prof. Joachim Rom, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Varisano-Klinik Höchst, und Michaela Jäger, Leitende Hebamme, vor der Tür zu den Kreißsälen, die seit Beginn der Pandemie kaum noch jemand passieren darf.
Prof. Joachim Rom, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der Varisano-Klinik Höchst, und Michaela Jäger, Leitende Hebamme, vor der Tür zu den Kreißsälen, die seit Beginn der Pandemie kaum noch jemand passieren darf. © Michelle Spillner

Schwangere mit Corona-Infektion stellen die Hebammen allerdings vor besondere Herausforderungen

Das Schild hing im Gang der Varisano-Kliniken in Höchst schon immer: "Kreißsaal - kein Durchgang". Aber seit der Pandemie haben sich auf der Geburtenstation - wie auch auf allen anderen Stationen - die Zugangsbedingungen verschärft - was auch Vorteile habe, so Prof. Joachim Rom, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, und die Leitende Hebamme Michaela Jäger.

Gebären in Corona-Zeiten ist eine Herausforderung. Dabei sind die Geburtenzahlen noch gestiegen. Mit 2313 Geburten kamen im Jahr 2021 in Höchst 170 Kinder mehr auf die Welt als 2020. Auch im Clementine Kinderhospital / Bürgerhospital, das mit seinen Geburtenzahlen bundesweit auf Platz zwei liegt, gab es mehr Entbindungen. 2021 kamen dort 4373 Kinder zur Welt, 2020 waren es 4107 Kinder, 2019 noch 3799. Der Unterschied zwischen Vor-Pandemie-Zeit und jetzt beträgt dort allein also fast 600 Geburten. Diese Steigerung sei laut Pflegedirektorin Oberin Christine Schwarzbeck auch darauf zurückzuführen, dass das Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe in den vergangenen Jahren die Kapazität ausgebaut habe.

Regeln und Abläufe angepasst

Hier wie dort mussten mit dem Beginn der Pandemie Regeln und Abläufe angepasst werden. Das beginnt schon mit den ersten Kontakten zwischen Klinik und werdenden Eltern vor der Geburt. Gab es in der Varisano-Klinik vor der Pandemie zweimal im Monat Eltern-Informationsabende, in deren Verlauf auch mal in einen Kreißsaal reingeschaut werden durfte, so bietet die Klinik nun virtuelle Infoabende und einen virtuellen Rundgang durch den Kreißsaal. "Das wird sehr gut angenommen", so Prof. Rom. Auch das Clementine Kinderhospital hat mit derlei gute Erfahrungen gemacht, beide wollen virtuelle Angebote beibehalten.

Entscheidend ist die Frage der Covid-Infektion bei den werdenden Müttern und bei den Vätern sowie die Minimierung des Risikos der Ansteckung des Klinikpersonals, das während der Pandemie ohnehin mehr denn je gefordert ist und selbst - vor allem während der Omikron-Welle - mit hohem Krankenstand zu kämpfen hat.

Das stellt Hebammen und Ärzte vor große Herausforderungen. Werdende Mütter müssen vor der Geburt, wie alle Patienten, einen Covid-Test machen - bei Spontangeburten ein schwieriges Unterfangen. Väter und Begleitpersonen dürfen ebenfalls nur mit negativem Corona-Testergebnis dazukommen. Trotz Corona dürfen die Väter während der Geburt dabei sein, "sie sind eine wichtige Stütze", so Jäger. Schwangere, die Corona-Symptome haben oder infiziert sind, werden strikt von allen anderen getrennt. Einer der fünf Kreißsäle in Höchst ist ausschließlich den "Corona-Müttern" vorbehalten und wird ständig desinfiziert. Im Clementine Kinderhospital werden alle sieben Kreißsäle gleichermaßen besetzt und anschließend umfassend desinfiziert. Die FFP-Maske ist während der Geburt Pflicht - nur nicht für die Gebärdende, "das ist ja so schon sehr anstrengend", weiß Michaela Jäger.

Haben die 20 Hebammen in der Höchster Klinik es während einer Acht-Stunden-Schicht normalerweise im Schnitt mit drei Geburten zu tun, so ist es aktuell schwierig, zwischen den Gebärenden - die ja manchmal stundenlang in den Wehen sind - die Räume zu wechseln und gleichzeitig mehrere im Blick zu behalten. Nach jedem Besuch im Kreißsaal muss die Schutzkleidung komplett gewechselt werden. Und mal eben jemanden reinlassen, der vielleicht mal einen Blick auf die Situation wirft, ist nicht möglich. Das sei manchmal ganz schön einsam, beschreibt die Leitende Hebamme. Mittlerweile wurde in der Varisano-Klinik aus dem Kreißsaal ein Kommunikationssystem "nach draußen" aufgebaut, so dass Ärzte und Kollegen dort zum Beispiel auch die Herztöne mithören und sich mit der Hebamme besprechen können, ohne zusammenkommen zu müssen. "Es ist eben nicht so einfach, mal schnell Hilfe zu holen. Man muss immer einen Schritt voraus sein. Wenn ich die Tür öffne, muss ich schon genau wissen, welche Hilfe ich benötige", schildert Michaela Jäger.

Corona-infizierte Mütter sind nach der Geburt mit ihrem Neugeborenen allein im Patientenzimmer - eigentlich Zweibettzimmer, die aber dann eben nur einfach belegt werden. Mutter und Neugeborenes bleiben im Zimmer - kein Spaziergang über den Gang, kein kurzer Austausch mit anderen frischgebackenen Müttern oder Vätern, kein Blick ins Bettchen der Zimmernachbarin.

Mütter, die mit Corona infiziert sind, sind gehalten, mit den Kindern keinen Schleimhautkontakt zu haben - also nicht abknutschen - und sie auch nicht anzupusten. Für die Kinder sei Corona allerdings in der Regel kein Problem. "Die Forschung geht davon aus, dass die Babys einen Immunschutz mitbringen", so Prof. Rom.

Weniger Besuch heißt mehr Ruhe

Familienzimmer gibt es nicht. Und die Besuchszeiten wurden deutlich eingeschränkt. Pro Tag darf nur noch eine Person kurz zu Besuch kommen und nicht mehr die ganze Familie. "Das hat sich als absolut sinnvoll erwiesen", berichtet der Chefarzt - auch auf anderen Stationen. Auf der Neugeborenenstation hat das eine spürbare und messbare Auswirkung: Rom: "Die Stillquote ist so hoch wie lange nicht mehr." Chefhebamme Michaela Jäger hat dafür eine Erklärung: "Die Schwangeren haben Zeit, sich auf das Stillen zu konzentrieren, sich damit auseinanderzusetzen und auch dem Kind genügend Zeit zu geben, damit es klappt." Außerdem komme jetzt nicht mehr der Besuch mit den vielen "guten" Ratschlägen vorbei.

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