Holzhausenpark

Trotz des Sportgruppen-Verbots in Parks möchte Samba Tidiane Tounkara nicht aufgeben

Ein verwaschener Trainingsanzug und ein rostiger Einkaufswagen: Samba Tidiane Tounkara sieht nicht aus wie ein Personaltrainer. Doch seit Jahren hält er die Leute im Holzhausenpark fit. Das Verbot von Sportgruppen in Parks kann er nicht verstehen.

Es ist viel los im Holzhausenpark im Nordend. Schulkinder toben auf den Spielgeräten, Eltern spazieren mit ihren Kinderwagen durch den Park, Jugendliche tummeln sich auf den Sitzbänken, die Kopfhörer im Ohr. Ein paar Meter weiter trippelt ein Mann zwischen bunten Hütchen hin und her. Er sprintet ein Stück, bleibt stehen, trippelt weiter. Er trägt einen verwaschenen Trainingsanzug, neben ihm steht ein rostiger Einkaufswaagen vollgepackt mit Fitnessgeräten. Samba Tidiane Tounkara ist Personaltrainer. Er war vor Jahren einer der ersten Sportler, die im Holzhausenpark andere trainieren. „Ich liebe Fitness“, sagt er.

, das die Stadt vergangene Woche ausgesprochen hat, versteht er nicht. Die ganze Welt animiere die Menschen, sich an der frischen Luft zu bewegen, sagt er, nur in Frankfurt nicht. „Die Deutschen haben oft Angst vor Neuem.“ Der Park aber sei doch ein öffentlicher Platz, betont Tounkara. Jeder sollte ihn für seine Aktivitäten nutzen dürfen.

An diesem Morgen hat Tounkara eine Gruppe Mütter trainiert. „Bei ihnen muss besonders das Becken gestärkt werden.“ Zweimal pro Woche trainiert er mit acht bis neun Personen im Park. Als er zum ersten Mal mit seinem Einkaufswagen durch den Park gelaufen ist, seien die Menschen geschockt gewesen. „Nach und nach haben sie sich angeschlossen“, erzählt er. Auf seinem Trainingsshirt steht in blauem Schriftzug „Kalabanta Fitness“ – der Name seiner Sportgruppe. Wer zum Training kommt, weiß er nie genau, jeder könne einfach vorbeikommen und mitmachen, für manche Stunde nimmt er ein bisschen Geld, die anderen sind kostenlos.

Ursprünglich kommt Tounkara aus dem Senegal. Dort hat er als Sozialpädagoge gearbeitet und 17 Jahre lang mit Straßenkindern Fußball trainiert. Damals habe er das erste Mal Diskriminierung erlebt. „Niemand wollte mit den Jungs von der Straße kicken“, erzählt Tounkara.

Auch im Holzhausenpark bekomme er Vorurteile von Polizei und Ordnungsamt immer wieder zu spüren. Mehrmals in der Woche werde er kontrolliert, müsse er sich ausweisen und Fragen zu seiner Tätigkeit beantworten. „Oft denken sie, ich sei ein Drogendealer“, sagt er. Seine Dreadlocks hat er unter der grünen Strickmütze versteckt.

Seit zehn Jahren lebt der 45-jährige nun schon in Frankfurt. Als er 2006 nach Deutschland, kam, hat er zunächst vier Jahre als Altenpfleger gearbeitet. Nach einer Krise habe er sich entschieden nur noch das zu machen, was ihm wirklich Spaß macht. „Ich liebe Fitness“, sagt Tounkara wieder. Vor zwei Jahren hat er sogar einen Guinness-Weltrekord aufgestellt: acht Stunden lang ist er die Treppen zur Fußgängerbrücke an der Ecke Eschersheimer Landstraße/Cronstettenstraße auf und ab gelaufen, ohne Pause.

Menschen draußen zu trainieren und sie zu Höchstleistungen zu motivieren, mache ihm Freude. Andere stören will er nicht, weswegen er mit Anwohnern und Parkbesuchern stets den Dialog sucht. Er trainiere seine Gruppen extra früh am Morgen oder am späten Abend. Zudem verzichte er auf Musik. Mit den Kindern sammle er regelmäßig den Müll im Park ein. „Wir wollen auch, dass es sauber bleibt.“ Eine Gruppe von Jungs kommt auf Tounkara zu. Sie geben sich die Faust, ein kurzes „Was geht?“ – er ist bekannt wie ein bunter Hund, an den kuriosen Kerl haben sich die Menschen im Viertel längst gewöhnt. Auf dem Nachhauseweg macht er kurz halt am Kiosk um die Ecke. Ein kurzer Plausch mit dem Besitzer. Den Einkaufswagen parkt er am Straßenrand. Darin hat er alles, was er braucht: seine Leidenschaft, seinen Job, seine Existenz.

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