Start der Jungfernfahrt durch den Tunnel. Gut zu sehen ist die verschlossene Mittelröhre für die U-Bahn.
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Start der Jungfernfahrt durch den Tunnel. Gut zu sehen ist die verschlossene Mittelröhre für die U-Bahn.

Verkehr in Frankfurt

Tunnel im Europaviertel eröffnet

  • vonInga Janovic
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Freie Fahrt durch das Europaviertel: Gestern wurde der Tunnel unter dem Europagarten für den Verkehr freigegeben. Nur die Röhre für die verlängerte Linie U 5 bleibt noch für Jahre verschlossen.

Das erste Fahrzeug, das ganz offiziell durch den neuen Tunnel im Europaviertel fahren durfte, war ein alter Mercedes-Bus, Typ O 305, Baujahr 1979. An Bord hatte er neben etlichen Neugierigen Frankfurts Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD), Michaela Kraft, die Leiterin des Amtes für Straßenbau und Erschließung, und Thaddäus Zajac, Geschäftsführer der Aurelis Real Estate GmbH. Diese drei durften gestern Morgen das symbolische Band durchschneiden und den 389 Meter langen Tunnel damit für den Verkehr freigeben. Etwa ab Mittag waren dann tatsächlich alle Sperren weggeräumt und die elektronisch angezeigten Durchfahrtsverbote ausgeblendet. Autos können nun von der Straße Am Römerhof bis zum Güterplatz auf der Europaallee fahren.

„Das ist das Ende des Schleichverkehrs durch den neuen Stadtteil und eine große Entlastung für die Anwohner in der Pariser Straße“, sagte Zajac. Seine Firma koordiniert die Entwicklung des westlichen Teils des Europaviertels und baut im Auftrag der Stadt auch die Infrastruktur zwischen den neu entstehenden Wohn- und Geschäftshäusern. Der Tunnel, durch dessen noch verschlossene Mittelröhre ab 2022 auch die U-Bahn-Linie U 5 fahren soll, ist dabei eines der größten und teuersten Projekte.

36 Millionen Euro hat es gekostet, 23 Monate vergingen zwischen dem ersten Erdaushub und der Eröffnung. Zeit- und Kostenrahmen seien genau eingehalten worden, wie Oesterling nicht ohne Stolz betonte. Wahrscheinlich liege man sogar etwas unter den veranschlagten 36 Millionen Euro. Gebaut hatte ein Konsortium im Auftrag von Aurelis. Mit der Inbetriebnahme ging das Bauwerk ins Eigentum der Stadt über, die nun für Instandhaltung und Reinigung verantwortlich ist.

Der SPD-Politiker mochte sich eine ganz persönliche Anmerkung nicht verkneifen: „Als wir damals im Stadtparlament die Beschlüsse zur Bebauung des Europaviertels gefasst haben, wäre mir im Traum nicht eingefallen, dass ich es mal sein werde, der diesen Tunnel eröffnet.“ Und noch etwas verriet er: In der stilisiert gemalten grünen Wiese an den Tunnelwänden sind Eidechsen versteckt – als Erinnerung an die kleinen Tierchen, die einst dort lebten, wo jetzt der Tunnel verläuft.

Die Straßenbauamtschefin Michaela Kraft ergänzte die Ausführungen des Dezernenten durch beeindruckende Zahlen zum Bauwerk: 99 000 Kubikmeter Erde wurden dafür ausgehoben, eine Menge, die 7600 große Lkw füllt. Aus 4000 Ladungen Beton, insgesamt 30 000 Kubikmeter, und 6300 Tonnen Stahl wurden die Tunnelröhren geformt. 80 Kilometer Elektrokabel darin verlegt.

Nachdem unterirdisch alles fertig und mit stilisierten Gräsern und Pusteblumen sommerlich-farbenfroh angestrichen ist, rollen die Bagger nun oberhalb der Tunnelröhre: Auf 60 000 Quadratmetern wird der Europagarten als grüner Mittelpunkt des Stadtteils angelegt. Voraussichtlich im Spätsommer soll die Grünanlage fertig sein.

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