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Die Straßentunnel sollen schon Ende des Jahres fertig werden.

Frankfurts zweitlängster Straßentunnel

Tunnel-Rohbau ist fertig

Unter dem Europagarten soll Ende des Jahres Frankfurts zweitlängster Straßentunnel in Betrieb gehen. 36 Millionen Euro kostet das Projekt, dass auch einen Tunnel für die Stadtbahn beinhaltet. Dieser wird im Herbst allerdings erst einmal wieder verschlossen.

Rund ein Jahr hat es gedauert. Doch jetzt ist der Rohbau des knapp 400 Meter langen Tunnels, der unter dem geplanten Europagarten hindurchführt, fertig. „Wir haben mit dem Einbau der Technik und der Fahrbahnen begonnen“, sagt Aurelis-Geschäftsführer Thaddäus Zajac. Aurelis ist Bauherr des Projekts und zahlt als Quartiersentwickler des Europaviertels West 9 Millionen Euro für den Tunnel. Das Pendant im Osten, CA Immo, gibt weitere 5 Millionen Euro, die restlichen 22 Millionen Euro kommen von der Stadt. Denn durch den Tunnel rollen künftig nicht nur in zwei Röhren Autos auf jeweils einer Fahrspur, sondern in der mittleren Röhre wird auch die Stadtbahn unterwegs sein.

Doch bis dahin dauert es noch ein bisschen, soll die Verlängerung der Linie U 5 ins Europaviertel doch erst Ende 2022 erstmals verkehren. Autofahrer können sich dagegen früher freuen: Schon Ende dieses Jahres werden die beiden Straßentunnel in Betrieb gehen. „Wir sind sowohl ökonomisch als auch zeitlich im Plan“, betont Zajac. Das freut auch Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne). „Dann müssen die Autofahrer nicht mehr durchs Wohnviertel“, sagt der scheidende Amtsinhaber, der im Juli von Klaus Oesterling (SPD) abgelöst wird und dann für die Ressorts Gesundheit und Personal zuständig sein wird.

Die Eröffnung des Tunnels wird er also nicht mehr im Amt erleben. Und so war die offizielle Fertigstellung des Rohbaus für Majer gestern noch einmal die Gelegenheit, die Bedeutung des zweitlängsten Straßentunnels der Stadt – länger ist nur der Theatertunnel mit 415 Metern – zu unterstreichen. Denn er bringt nicht nur eine Entlastung für die Anwohner, sondern ermögliche auch eine Verkehrsberuhigung für die angrenzenden Straßen. Nur durch den Tunnel kann der rund sechs Hektar große Europagarten – der Hafenpark ist vier Hektar groß – obendrüber gebaut werden. „Die Chance, einen

Park mitten in der Stadt

zu bauen, gibt es nicht oft“, sagt Majer.

Dessen Bau soll nach der Fertigstellung des Tunnels Ende des Jahres beginnen. Erde wird aber jetzt schon aufgetragen. „Der öffentliche Raum dient auch den angrenzenden Stadtteilen“, verweist der Stadtrat aufs Gallus und die Kuhwaldsiedlung. „Gerade im Gallus gibt es wenig grün.“ Dafür wird auch eine Grünverbindung vom Gallus zum Europagarten und von dort weiter zum Rebstockpark angelegt. „Ohne den Tunnel hätte es nur eine Straße mit Begleitgrün ohne Erholungsfunktion gegeben“, betont Majer. Außerdem wird auf dessen Deckel auch der Tel-Aviv-Platz samt zweigeschossigem Pavillon errichtet. Dessen Bau soll 2017 beginnen. „Zum Tel-Aviv-Platz wird es nach den Sommerferien eine Planungswerkstatt geben“, sagt Majer. Die hatte unter anderem der Ortsbeirat 1 gefordert.

Der mittlere Tunnel, durch den später die Stadtbahn fahren soll, wird dagegen, sobald die Straße freigegeben wird, geschlossen. Denn bis die Anbindung an den Rest der Strecke, die vom Hauptbahnhof über den Güterplatz bis kurz vor die Emser Brücke unterirdisch verläuft, geschaffen ist, wird es noch dauern. Erst 2019 soll es hier weitergehen. Der Tunnel wird dann ab Ende 2022 zwischen der Station „Europagarten“ und der vorläufigen Endstation „Wohnpark“ im Westen des Europaviertels liegen.

Majer hält aber eine weitere Verlängerung perspektivisch für denkbar. In Option eins könnte es dabei eine Endhaltestelle „Messeparkhaus“ geben, in Option zwei könnte die Stadtbahn als Zwei-System-Bahn auf den Gleisen der Deutschen Bahn in Richtung Höchst und Königstein weitergeführt werden. Bei der Gestaltung der Europa-Allee zur Straße Am Römerhof hin, wo das Europaviertel an die Autobahn angeschlossen wird, wurden beide Optionen berücksichtigt.

Dass im Europaviertel eine Stadt- und keine Straßenbahn gebaut werde, erklärt Majer mit Kapazitätsgründen. „Eine Straßenbahn würde hier nicht reichen.“ Von der insgesamt 2,7 Kilometer langen und 281 Millionen teuren Neubaustrecke sollen aber nicht nur die Bewohner des Europaviertels profitieren. Auch aus Teilen des Gallus geht es dann schneller in die Innenstadt. „Und die Straßenbahn auf der Mainzer Landstraße wird entlastet.“

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