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Khatera Yusufi moderiert in Afghanistan

TV-Moderatorin und Kämpferin

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Sie sitzt mit fünf anderen Juroren in einer Jury und bewertet 30 junge Frauen, von denen eine Gesicht einer Kampagne für eine Anti-Aging-Creme werden soll. Es ist schweißtreibende Arbeit.

Sie sitzt mit fünf anderen Juroren in einer Jury und bewertet 30 junge Frauen, von denen eine Gesicht einer Kampagne für eine Anti-Aging-Creme werden soll. Es ist schweißtreibende Arbeit. Nicht nur für die hübschen Damen, die sich vorstellen, winden und drehen, sondern auch für die Juroren. Denn es herrschen tropische Temperaturen in der Kameha Suite. Unter den Wertungsrichtern sitzt eine Frau, die in ihrem Heimatland nicht über die Straße laufen könnte, ohne wiedererkannt zu werden.

Schließlich moderierte Khatera Yusufi in Afghanistan Straßenfeger wie die dortige Version von „Wer wird Millionär“. Und sie war auch Kopf der Talkshow „Green View“, die in ihrer Heimat extrem beliebt war. Ungefährlich waren ihre Fernsehauftritte nicht. Das erzählte Yusufi, die in Deutschland bei der Promi-Version von ’Wer wird Millionär’ mitmachte, mal dem Moderator Frank Elstner bei „Menschen der Woche“. Yusufi kam mit acht Jahren nach Deutschland, als ihre Familie aus Afghanistan flüchtete. In München studierte sie TV-Journalismus, sie spricht sechs Sprachen und ging vor drei Jahren zurück in ihr Geburtsland. Dort moderiert sie neben „Wer wird Millionär?“ auch noch eine Talk-Sendung im Stil der „Oprah Winfrey Show“ und ist für viele Frauen ein Vorbild.

Etliche radikale Gruppen würden es nicht gerne sehen, wenn Frauen in Afghanistan aktiv auftreten. So müssten etwa die Kandidaten der Show am Eingang sehr gut kontrolliert werden. „Diese Angst ist jeden Tag da, das Risiko, dass irgendetwas passiert.“ Aber Frauen sahen ihre Shows gerne, „um eine Stimme zu haben. Sie habe das Gefühl, etwas machen zu müssen.“

Doch derzeit, so Yusufi weiter, habe sie große Angst zurück nach Afghanistan zu gehen. Die Lage sei zu gefährlich. „Natürlich erkannten und erkennen mich die Menschen dort auf der Straße“, erzählt die Muslimin. „Es ist auf der einen Seite sehr schön, aber auf der anderen auch sehr schwierig.“

Aus Sicherheitsgründen war sie dort auch nicht viel unterwegs. In Deutschland allerdings ist die Fernsehmoderatorin, Journalistin und Aktivistin für Frauenrechte, die in Kabul zur Welt kam, nicht so bekannt.

Deshalb kann sie sich hier frei bewegen. „Für mich war es eine große Herausforderung gewesen, diese Sendung dort zu machen“, erinnert sich die junge Frau, die seit gut zwei Jahren wieder in Frankfurt wohnt, wo sie auch aufgewachsen ist. „Es war ganz toll, dieses Konzept dort zu realisieren und den Menschen in Afghanistan Freude zu bereiten“, erinnert sich die Fernsehfrau, die auch in Deutschland vor der Kamera stand. Unter anderem für die Sender Sat1 und N24.

„Ich bin hier in Frankfurt zur Schule gegangen und bin nach gut 20 Jahren wieder in meine Heimat zurückgekehrt“, so die Frau, die sich auch als Schirmherrin des Nationalen Komitees in Deutschland für die Arbeit von UN Women zur Stärkung von Frauen in Afghanistan einsetzt. „Ich hatte mich entschieden, dort beim Wiederaufbau zu helfen und zu sehen, wo und wie ich dort noch weiter helfen kann“, sagt sie weiter.

„Ich wollte etwas von dem guten Leben, das ich in Deutschland leben durfte, in Afghanistan zurückgeben“, argumentiert sie. „Ich war viel für Frauenrechte aktiv und habe mich sehr für meine Geschlechtsgenossinnen eingesetzt“, berichtet die Journalistin, in perfektem Deutsch. „Jeder kann in seinem Bereich dort etwas bewirken“, findet sie. „Auch als Frau.“ Es ging ihr darum, „den Menschen Hoffnung zu geben. Das war das, was ich für die Frauen machen konnte. Ich war ein Gesicht für sie und das hat mich selbst menschlich sehr viel weiter gebracht“. Irgendwann passierte es: „Ich bekam das Angebot, die Sendung ,Wer wird Millionär’ zu moderieren und habe natürlich sofort zugesagt.“

Momentan ist die Lage dort wieder sehr schwierig für die Menschen. „Wir müssen schauen, wie die Zukunft sich gestaltet. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als positiv nach vorne zu schauen“, gibt Yusufi sich optimistisch. Zum einen ist sie eine politisch aktive Frau, die sich für die unterdrückten Frauen einsetzt, zum andern nimmt sie an einem solchen „Beauty-Contest“ teil.

Wie passt das zusammen? „Schönheit gehört zu einer Frau. Es ist kein Widerspruch, wenn eine Frau gut aussieht und dennoch intelligent ist.“ Feminin sein und sich in seiner Haut wohlfühlen, „das ist sehr wichtig und das macht eine starke Frau auch aus“.

Ob diese Ansichten den Taliban gefallen würden. „Nein, ich denke nicht. Aber wir müssen versuchen, uns als Frauen nicht sagen zu lassen, was wir zu tun und zu lassen haben.“

(es)

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