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Am Tunnel unter dem Europagarten wird bereits seit einigen Wochen gebaut. Die Röhre werden sich Autos und U-Bahn teilen.

Nahverkehr in Frankfurt

U-Bahn ins Europaviertel: Finanzierung abgesegnet

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Nach 15 Jahren Diskussion und mehreren Umplanungen hat der Verkehrsausschuss des Stadtparlaments am Dienstagabend die U-Bahn ins Europaviertel auf den Weg gebracht. Nur der Linken ist das 281 Millionen Euro teure Projekt viel zu kostspielig.

Es war die letzte Sitzung vor der Sommerpause – und damit auch die letzte Gelegenheit für den Verkehrausschuss im Römer, noch einige große Vorhaben zu beschließen, welche die Stadt in den nächsten Jahren viel Geld kosten werden. Für die Sanierung von Brücken stehen in den kommenden fünf Jahren 13 Millionen Euro jährlich bereit. Und für die insgesamt 281 Millionen Euro teure U-Bahn ins Europaviertel muss die Stadt sogar einen Eigenanteil von 93 Millionen Euro aufbringen.

Ohne Zuschüsse von Bund und Land könnte die Stadt den Bau der 2,7 Kilometer langen und zur Hälfte unterirdisch verlaufenden Strecke kaum stemmen. Denn die Kosten sind, wie berichtet, in den vergangenen Jahren explodiert. Das liegt unter anderem daran, dass wegen des schwierigen Untergrunds eine teure Tunnelbohrmaschine eingesetzt werden muss. Statt 216 Millionen Euro kostet das Projekt jetzt 281 Millionen Euro. Zwischenzeitlich stand sogar eine noch höhere Summe im Raum, doch durch einen Steuertrick konnte Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) den Kostenanstieg bremsen.

Mit der Bau- und Finanzierungsvorlage, die er den Stadtverordneten präsentierte, zeigte sich der Verkehrsausschuss größtenteils einverstanden. „Es ist eine gute Lösung gefunden worden“, sagte Angela Hanisch (Grüne). „Schade ist nur, dass es länger dauert.“ Tatsächlich werden die ersten Züge wohl erst 2022 rollen, zwei Jahre später als ursprünglich geplant – und 22 Jahre nach der Grundsatzentscheidung für die Stadtbahn. Im Jahr 2000 hatte sich das Stadtparlament gegen eine Erschließung des Europaviertels mit einer Straßenbahn entschieden. Die Tram wäre zwar billiger, aber nicht leistungsfähig genug, sagte Helmut Heuser (CDU), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses. Die jetzige Lösung sei keinesfalls luxuriös. „Es wird nur das gebaut, was nötig ist“, betonte Heuser. Peter Gärtner (Linke) sieht das anders. „Das Projekt entwickelt sich zu einem Fass ohne Boden.“ Seiner Ansicht nach würde es preiswertere Lösungen geben. So sei zum Beispiel der Tunnel unter dem Europagarten unnötig, die Züge könnten auch außen herum fahren. Allerdings ist dieser Tunnel bereits in Bau, und laut Verkehrsdezernent Majer wäre die von Gärtner vorgeschlagene Variante nicht realisierbar. Die Linke ist die einzige Fraktion, die das U-Bahn-Projekt ablehnt. Zustimmung signalisierten auch SPD und FDP. „Diese breite Mehrheit ist wichtig“, sagte Majer. „Denn solche Zukunftsinvestitionen sind nicht ohne Risiko.“

Allerdings sind wegen der Kostensteigerungen auch Opfer zu bringen. So wird die Verlängerung der U-Bahn von Preungesheim zum Frankfurter Berg auf die Zeit nach 2022 verschoben. Heuser mahnte jedoch, den weiteren Ausbau des Schienennetzes zügig in Angriff zu nehmen. Allein im ersten Quartal dieses Jahres seien die Fahrgastzahlen um acht Prozent gestiegen.

Eine noch breitere Zustimmung bekam Majer für seine Vorlage zur Sanierung von insgesamt 43 Brücken und Ingenieurbauwerken. Dafür war ursprünglich eine öffentlich-private Partnerschaft vorgesehen, doch 2012 wurden die Pläne gestoppt. Jetzt werden die Arbeiten ganz klassisch aus der Stadtkasse finanziert. Insgesamt rund 65 Millionen Euro sollen in den nächsten fünf Jahren ausgegeben werden. „Wir können jetzt viel flexibler reagieren“, begründete Bernhard Maier (Grüne) die geänderte Strategie.

Was das bedeutet, erläuterte Verkehrsdezernent Majer mit zwei Beispielen: Für die Omega-Brücke am Bahnhof Griesheim war ursprünglich ein Neubau vorgesehen. Jetzt aber stellte sich heraus, dass sie mit deutlich geringerem Aufwand saniert werden kann. Auch die Brücken am Autobahnknoten Miquelallee werden nur soweit instandgehalten, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet ist. Sollte der Knoten in einigen Jahren umgebaut werden, um Platz für eine Stadtbahn-Verbindung zwischen Bockenheim und Ginnheim zu schaffen, würde kein großer Schaden entstehen.

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