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Klingt wie Science Fiction: Die U-Bahn könnte in einigen Jahren auf dem Sachsenhäuser Berg enden, die Rede ist von der Sachsenhäuser Warte. Die Trasse der Bahn könnte dann auf der Darmstädter Landstraße verlaufen. Anderswo in der Stadt, etwa auf der Eschersheimer Landstraße, ist es schon lange so.

U-Bahn

Die Verlängerung der A-Strecke auf den Sachsenhäuser Berg könnte in einigen Jahren Wirklichkeit werden

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Eine alte Idee könnte Gestalt annehmen: Die Verlängerung der A-Strecke der U-Bahn vom Südbahnhof zur Sachsenhäuser Warte. Zuletzt hat der Ortsbeirat 5 einen entsprechenden Antrag verabschiedet.

Ein alter Plan wird wieder diskutiert: Der Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) möchte – bei Stimmenthaltung der SPD – die U-Bahn Richtung Sachsenhäuser Warte realisieren und hat die Stadtverordnetenversammlung aufgefordert, aktiv zu werden. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) zeigt sich einer Streckenverlängerung um zwei Kilometer gegenüber offen.

Eine alte Idee neu belebt

Schon in der Vergangenheit, zuletzt 2016 von der Jungen Union, hat es Initiativen gegeben, die dem jetzt im Ortsbeirat verabschiedeten FDP-Antrag ähnelten. Damals war die SPD dagegen mit der Begründung, eine Straßenbahn vom Lokalbahnhof zur Warte sei sinnvoller, als die U-Bahn vom Südbahnhof. „Ich bin nicht dieser Meinung“, sagte Oesterling und versicherte: „Ich bin kein Gegner der U-Bahn.“

Oesterling erklärte, in der Koalitionsvereinbarung gäbe es eine klare Priorität. Und das ist der Lückenschluss der U-Bahn zwischen Ginnheim und der Bockenheimer Warte. „Da müssen wir uns für eine der drei Streckenvarianten entscheiden, danach kann es in die Planfeststellung gehen, die sicher drei Jahre in Anspruch nimmt, danach ist Baubeginn.“ Und zwei solcher Baustellen gleichzeitig sieht er nicht als realisierbar an, die Sachsenhäuser brauchen also weiter Geduld. „Aber ich glaube, dass die Südstrecke als nächstes in Angriff genommen werden sollte.“

Die Strecke hätte Charme, glaubt Oesterling. Man wäre mit der U-Bahn schnell an der Hauptwache.

Neu ist die Idee nicht. Seit den 90ern, vielleicht gar seit den 60er Jahren taucht sie immer wieder mal auf. „Das liegt daran, dass es eine gute Idee ist“, sagt auch Bernd Conrads, Sprecher der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF). Allerdings: „Es gibt keine Nutzen-Kosten-Rechnung für dieses Projekt. Niemand kann sagen, ob es sich rechnet und ob Frankfurt Zuschüsse von Bund oder Land bekommen kann.“ Und der U-Bahn-Bau ist leider sehr teuer, erst recht, wenn ein Tunnel gegraben wird. Die in Frankfurt meist realisierte oberirdische Lösung wiederum nimmt den Autos sehr viel Straßenfläche.

Ganz knapp rentabel

Oesterling, seit 2016 Verkehrsdezernent, doch bereits seit 1990 im Stadtparlament, widerspricht hier dem VGF-Sprecher: „Es gab die Idee schon einmal, fast bis zur Planfeststellung. Damals hat man die Nutzen-Kosten-Einschätzung vorgenommen mit dem Ergebnis: 1,1. Haarscharf über der Rentabilität.“ Damals seien sogar Entwürfe für die neue U-Bahn-Endhaltestelle vorgestellt worden. Aber leider: „Der Bund wollte nicht bei der Finanzierung helfen.“ Deswegen sei das Vorhaben damals gestorben.

Ob die Rentabilität heute besser wäre, ist fraglich. Frankfurt hat mehr Einwohner. Zugleich sind Bauvorhaben teurer als damals. Oesterling nennt den Brandschutz und die Barrierefreiheit an den Stationen als Gründe dafür. Dass, wie die Befürworter der FDP jetzt wieder in ihrem Antrag sagen, bessere Möglichkeiten fürs Park-&-Ride geschaffen werden könnten, mit Parkplätzen im Süden der Stadt und damit einer Entlastung des Straßenverkehrs, der Parksituation und nicht zuletzt der Feinstaub- und Stickoxidsituation, sei richtig, so Oesterling, aber nicht neu: „Schon damals hatte man ein P-&-R-Parkhaus in Sachsenhausen geplant, ich glaube mit einer vierstelligen Zahl von Parkplätzen.“ Geholfen hat das letztlich nicht. „P-&-R kann solch ein teures Projekt nicht begründen.“ Es könne lediglich ein Sahnehäubchen sein, so der Dezernent.

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