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Derzeit werden in der Europaallee neue Kanalrohre verlegt.

Arbeiten für die Stadtbahnverlängerung

U-Bahnbau im Europaviertel: Warten auf den Riesenbohrer

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15 Jahre nach Fertigstellung der Strecke zwischen Hauptbahnhof und Bockenheimer Warte wird in Frankfurt wieder ein U-Bahn-Tunnel gebaut. Erste Arbeiten für die Stadtbahnverlängerung ins Europaviertel laufen schon. Mit einer Fertigstellung wird für das Jahr 2022 gerechnet – 22 Jahre nach den ersten Beschlüssen zu dem Projekt.

Die Hotels an der Europaallee fragen schon nach dem Termin. Denn sie rechnen mit einem großen Interesse von Zuschauern, wenn mitten auf der Allee die riesige Tunnelbohrmaschine mit sieben Meter Durchmesser eingesetzt wird, mit der die Röhre für die U 5 in Richtung Hauptbahnhof vorangetrieben wird. Bis es so weit ist, wird noch einige Zeit vergehen. Die Arbeiten werden jetzt erst einmal ausgeschrieben. Dann dauert es noch einmal rund neun bis zwölf Monate, bis die eigens für die Frankfurter Baustelle konstruierte Maschine fertig ist. Voraussichtlich Ende 2017 beginnt der Tunnelbau in der Startbaugrube, die von Herbst an in der Europaallee direkt vor dem Hotel Capri erstellt wird.

Stadt und Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) mussten sich für diese teure Methode entscheiden, da der Tunnel aus technischen Gründen an dieser Stelle nicht in konventioneller Bauweise errichtet werden kann. Fünf Monate dauert es, eine der beiden je 1,4 Kilometer langen Röhren zu bohren. Ist die erste fertig, wird die Maschine zurückgezogen, sie beginnt anschließend mit der Röhre für die Gegenrichtung. In den Gebäuden über dem Tunnel sollen nur leichte Erschütterungen zu spüren sein.

Derzeit laufen die Vorbereitungen. Leitungen für Strom, Gas und Wasser müssen so verlegt werden, dass sie der Trasse nicht im Weg sind. Die Europaallee zum Beispiel wird künftig von neuen, großen Kanalisationsrohren unterquert. Außerem wird geprüft, ob noch Weltkriegsbomben im Boden liegen – der Güterbahnhof, der sich an der Stelle des heutigen Europaviertels befand, war Ziel zahlreicher Luftangriffe. „Es liegt hier viel in der Erde“, sagt VGF-Geschäftsführer Michael Budig am Güterplatz, wo ein großes Areal vor dem Einkaufszentrum Skyline-Plaza wegen der Baustelle mehrere Jahre lang abgesperrt ist. Mutmaßliche Blindgänger entpuppten sich aber oft nur als ein vergessenes Stück Rohr . . .

Das Areal rund um den Güterplatz wird in den nächsten Jahren zu einer Großbaustelle – nicht nur wegen der U-Bahn. Auf den Nachbargrundstücken entstehen mehrere Hochhäuser. „Das wird wie in Berlin am Potsdamer Platz“, prognostiziert Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne). Im November beginnt der Bau der unterirdischen Station Güterplatz. 27 Meter tief ist die Baugrube. Zunächst werden am Rand der künftigen Baugrube Pfähle in die Erde gebohrt. Dabei kann’s laut werden für die Anwohner. Dann wird die Erde ausgehoben und die Grube mit einem provisorischen Deckel verschlossen. Die Tunnelbohrmaschine wird sich später durch den Betonverbau der Station vorarbeiten.

Weiter westlich ist die U-Bahn einfacher zu bauen. Die Strecke verläuft weitgehend oberirdisch, kurz vor der Emser Brücke kommt sie ans Tageslicht. Die Rampe soll besser aussehen als die am Dornbusch in der Eschersheimer Landstraße, verspricht Wendelin Friedel, Geschäftsführer der Stadtbahn-Projektgesellschaft SBEV. Auch eingezäunt wird die Trasse nicht; das ist möglich, weil für die Züge ein Tempolimit von 30 km/h vorgesehen ist. Unter dem Europagarten verschwindet die Stadtbahn wieder für einen kurzen Abschnitt unter der Erde – wie bei einer Berg- und Talbahn. Der gemeinsame Straßen- und Schienentunnel ist weit fortgeschritten und soll Ende des Jahres im Rohbau stehen.

Von dem schon im Jahr 2000 beschlossenen durchgehenden Tunnel ist man aus Kostengründen abgekommen. Majer sieht hier durchaus Versäumnisse: Hätte der Magistrat Anfang der 2000er Jahre die U-Bahn energischer vorangetrieben, hätte man den Tunnel in offener Bauweise errichten können – vor den Gebäuden und Straßen. So muss die fertige Europaallee wieder umgebaut werden. 105 Eschen wurden bereits versetzt, um auf dem Mittelstreifen Platz zu machen für die Stadtbahn.

Links und rechts der künftigen Stadtbahn werden unterdessen weiter Wohnungen und Büros gebaut. 2019 soll die Entwicklung des Europaviertels weitgehend abgeschlossen sein. Nur auf die Stadtbahn müssen die Bewohner dann noch weitere drei Jahre warten.

Interessierte Bürger können sich jeden Mittwoch von 17 bis 19 Uhr im Baucontainer am Güterplatz oder im Internet unter über das Projekt informieren.

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