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Endstation Bockenheimer Warte: Von hier aus soll die U4 nach Ginnheim verlängert werden. Sie könnte dann auch direkt unter dem Campus Westend der Goethe-Universität halten.

U-Bahn

U4-Lückenschluss in Frankfurt: Politik wird sich nicht einig

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
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In Frankfurt ist die Entscheidung über eine Trasse für den Lückenschluss der U-Bahn-Linie U4 erneut vertagt. Denn die Grünen machen einen weiteren Vorschlag für eine Strecke von Bockenheim über den Campus der Goethe-Universität nach Ginnheim. Die Idee lässt Fachleute staunen.

Frankfurt - Die Entscheidung über die Trasse für den U4-Lückenschluss zwischen Bockenheim und Ginnheim ist offenbar auf die Zeit nach der Kommunalwahl im März vertagt. Die Kosten-Nutzen-Untersuchung der Varianten wird wohl erst kurz vor der Wahl fertig. Länger dauert alles, weil die Grünen noch zusätzliche Wünsche angemeldet haben.

Seit einem Dreivierteljahr liegen die Variantenvorschläge für den Lückenschluss der U4 zwischen der Bockenheimer Warte und Ginnheim auf dem Tisch. Doch erst jetzt geht es weiter: Die Kosten-Nutzen-Untersuchung sei in Auftrag gegeben worden, erklärt Klaus Oesterling (SPD) auf Nachfrage. Das sei "vor einiger Zeit" geschehen. Beim Vorstellen der zehn möglichen Trassenführungen im vorigen Dezember hatte Oesterling angekündigt, dass das Stadtparlament daraus "drei bis vier Hauptvarianten" heraussuchen solle, damit nur diese der Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen werden - damit diese schneller fertig werden kann.

Frankfurt: Trasse für den Lückenschluss der U-Bahn-Linie U4 - Politik wird sich nicht einig

Doch die Diskussionen in der Politik geschahen nicht nur in den Hinterzimmern, sie sind offenbar auch fruchtlos geblieben. "Es war nicht möglich, sich in der Koalition und im Parlament darauf zu einigen", erklärt Oesterling. Daher habe er in Auftrag gegeben, doch alle Varianten durchzukalkulieren.

Damit dürfte aber sein Plan vom Dezember nicht mehr zu halten sein, dass das Parlament über die Variante noch vor der Kommunalwahl entscheidet. Er könne "noch nicht sagen", bis wann die Untersuchung fertig sei. Immerhin: "Es ist nicht angestrebt, es nach dem 14. März vorzulegen", erklärt Oesterling mit Blick auf den Wahltermin.

Länger und komplizierter wird die Untersuchung vor allem, weil die Grünen noch eine weitere, elfte Variante ins Spiel gebracht haben: eine Anbindung des Campus Westend der Goethe-Universität, allerdings mit einer südlichen Umfahrung des Palmengartens und des Grüneburgparks. "Wir wollen wissen, ob es möglich ist, die Parks zu umgehen und die Strecke durchs Westend zu führen", erklärt Fraktionsvorsitzender Sebastian Popp.

Bahnverkehr in Frankfurt: Unklar, ob Trasse der Grünen "funktionieren kann"

Das Problem: Die Ausfahrt der Station Bockenheimer Warte liegt westlich des Palmengartens und ist in nord-/nordwestlicher Richtung ausgerichtet, der Uni-Campus liegt nordöstlich davon. Wollte man aus der Station heraus zunächst Richtung Westend, müsste eine Kurve sehr eng gebaut werden, wodurch die U-Bahnen nur sehr langsam fahren könnten. Und dann würde immer noch der Palmengarten unterquert. Zudem müsste der vorhandene Tunnel umgebaut werden - was extrem teuer würde und während der Bauarbeiten den Betrieb der U4 einschränkte.

Ob eine solche Trasse "überhaupt funktionieren kann", solle ja nun untersucht werden, betont Fraktionschef Popp. Fachleute winken aber ab, zumal sie für die Verbindung zum Uni-Campus bereits mit einem möglichst geringen Kurvenradius geplant haben, um eine allzu ausladende, lange S-Kurven-Strecke zur Uni zu vermeiden. Es werde "eine sehr komplexe Entscheidung", räumt Sebastian Popp ein.

Grüne in Frankfurt: Debatte möglich, ob Universität angebunden wird

Während sich die Politik zu großen Teilen für die Anbindung des Uni-Campus mit seinen 40 000 Studenten ausgesprochen hat, bleiben die Grünen zurückhaltend. "Es wäre schön, wenn es gelingen könnte, die Universität anzubinden", sagt der Fraktionschef. Er schränkt aber auch ein: "Wenn der Grüneburgpark über Gebühr leiden würde, muss man die Debatte führen."

Zwei Bürgerinitiativen im Westend stemmen sich gegen einen Tunnel unter den Parks. Sie befürchten unter anderem Schäden für das Wurzelwerk der Bäume und das Grundwasser. Auf Drängen der BIs hat die Stadt zugesagt, die Folgen eines Tunnels auf die Bäume von einem Gutachter untersuchen zu lassen.

Baumgutachten auch noch nicht fertig

Diese Untersuchung laufe noch, erklärt Oesterling. An mehreren Stellen in der Stadt verlaufen allerdings schon seit Jahrzehnten Tunnel unter Parkanlagen: U6 und U7 fahren unter dem Zoo hindurch, die S-Bahn unterquert zweimal den Anlagenring, die U4 mehrfach.

Der Dezernent hatte sich bereits früh für eine Trasse via Uni-Campus ausgesprochen. "Aus Gründen der Stadtentwicklung wären wir blöd, wegen vielleicht zum Beispiel 20 Millionen Euro Einsparung 80 Jahre lang an der Uni vorbeizufahren."

Entscheidung über U4-Lückenschluss in Franbkfurt: Müssen massenhaft Bäume gefällt werden?

Für alle Varianten gebe es Pro- und Contra-Argumente, erklärt Oesterling. So stünden zum Beispiel bei einer Streckenführung via Platenstraße eine gute Erschließung des Wohngebiets einer Zerschneidung durch eine oberirdische Trasse oder eine Rampe gegenüber. Einige Varianten hätten deutliche Folgen für die Sportplätze von Makkabi. Eine Strecke östlich um die Bundesbank herum kollidiere mit deren Ideen für ein Logistikzentrum. Bei einer Trasse ohne Uni-Campus-Anbindung müssten für eine oberirdische Führung via Miquelallee unzählige Bäume gefällt und der Botanische Garten "angeknabbert" werden.

Sobald sich die Stadtverordnetenversammlung für eine Trasse entschieden habe, dauere die Planung und Genehmigung noch vier bis fünf Jahre, erläutert der Dezernent. Weitere fünf Jahre benötige der Bau. Klaus Oesterling hält deshalb eine "Inbetriebnahme 2030 für realistisch".

So soll die Lücke der U4 geschlossen werden

Zwischen Bockenheimer Warte und Ginnheim soll die Lücke im U-Bahn-Netz geschlossen werden. 2015 hat das Parlament dies prinzipiell beschlossen. Damit entsteht mit der D II-Strecke für die U4 eine zweite Nord-Süd-Trasse.

Die Stadtteile im Nordwesten erhalten eine direkte U-Bahn zum Hauptbahnhof. Außerdem wird die am stärksten frequentierte A-Strecke mit den Linien U1, U2, U3 und U8 mit ihren täglich 100 000 Fahrgästen entlastet

So könnten Korridore für den Lückenschluss bei der U4 aussehen.

Zwei Hauptvarianten gibt es: Erstens eine recht geradlinige Route, großteils oberirdisch, am Europaturm und westlich an der Bundesbank vorbei. Zweitens die 2010 von einer Bürgerinitiative vorgeschlagene "Ginnheimer Kurve" mit hohem Tunnelanteil via Uni-Campus und Platenstraße und östlich an der Bundesbank vorbei. Inzwischen werden auch Kombinationen dieser beiden Lösungen geprüft, also via Uni-Campus und Europaturm.

Die ursprünglich geplante Trasse unter Bockenheim hindurch ("Frauenfriedenskirche-Variante") hatte eine schwarz-grüne Koalition 2006 nach Bürgerprotesten, die auch von den Grünen unterstützt wurden, verworfen. Aus rechtlichen Gründen wird diese Trasse aktuell allerdings mitgeprüft. (dpg)

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