Hannes Pflügner zeigt ein historisches Bild der einstigen Main-Neckar-Brücke, die zur Wilhelmsbrücke wurde und 1950 durch die Friedensbrücke ersetzt wurde.
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Hannes Pflügner führt durch Frankfurt und gibt Hintergrundinformationen zu den Brücken über den Main.

Geschichte

Geschichte von Frankfurt: Wie die Golden Gate Bridge an den Main kam

  • VonSabine Schramek
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Die Frankfurter Brücken haben mehr zu bieten als man denkt. Auf einer Tour am Main entlang gibt es einige Überraschungen.

Frankfurt – Jeder nutzt sie, aber kaum jemand kann alle ihre Namen in der richtigen Reihenfolge zwischen Friedens- und Flößerbrücke aufzählen: die sieben Main-Brücken, die den Verkehrsfluss erleichtern, wunderschöne Aussichten bieten und sogar besungen werden.

"Es führt über den Main, eine Brücke aus Stein. Wer darüber will geh'n, muss im Tanze sich dreh'n" ist ein Kinderlied aus der Jahrhundertwende, das in den 50er-Jahren mit neuer Melodie zum Ohrwurm wurde. "Kaa Brick ohne Schmick" war lange ein geflügeltes Wort, weil Peter Schmick 1868 nicht nur den Eisernen Steg, sondern auch die Unter- und die Obermainbrücke 1872 und 1876 baute, die inzwischen Ignatz-Bubis-Brücke heißt.

"Die erste Brücke war die Alte Brücke", erklärt Historiker und Stadtführer Hannes Pflügner (41) am Mainufer. "Sie wurde schon 1222 urkundlich erwähnt und mindestens 17 Mal zerstört. Beim Hochwasser 1332 und auch durch tonnenschwere Eisschollen, wenn der Main aufgetaut ist."

Frankfurter Brücken: Schlittschuhfahren auf dem zugefrorenen Main

Eine Frau erinnert sich an Eis auf dem Main, an Zeiten, in denen man darauf Schlittschuh fahren konnte. "Da gab es sogar einen Bratwurststand hier direkt am Main", erzählt sie fröhlich. "Und in Offenbach gab es ein Karussell auf dem zugefrorenen Main. Das hat mir meine Mutter immer erzählt", schwärmt eine andere Teilnehmerin.

Dass die Friedensbrücke in Frankfurt einst auch "Golden Gate Bridge" hieß, ist allen Zuhörern unbekannt. Pflügner berichtet, dass ihre Vorvorgängerin, die Friedrichsbrücke, nach der Alten Brücke die zweite war, die über den Fluss führte. Die ehemalige Wilhelmsbrücke wurde 1848 als erste Eisenbahnbrücke zweigleisig eröffnet und hieß Main-Neckar-Brücke. Als 1888 der Hauptbahnhof Frankfurt eröffnete, wurde die neue Main-Neckar-Brücke gebaut. Die Stadt kaufte die alte "nach einigem Hin und Her" und baute sie 1890 zur Straßenbrücke um. Fortan hieß sie Wilhelmsbrücke, auf der ab 1897 die erste Pferdebahn fuhr und drei Jahre später die erste elektrifizierte Straßenbahn.

Golden Gate Bridge in Frankfurt am Main

"Am 25. März 1945 kamen die Amerikaner aus südlicher Richtung. Die Wehrmacht ließ alle Brücken sprengen, damit sie nicht zum anderen Ufer kamen", sagt Pflügner. Alle Brücken waren zerstört, nur die Wilhelmsbrücke nur teilweise, denn "es gab nicht genug Sprengstoff. Die Amerikaner kamen relativ flott drüber."

Einen Tag später überquerten sie die Wilhelmsbrücke. Die Querung wurde schnell repariert und umbenannt in "Golden Gate Bridge". Pflügner zeigt ein altes Foto, das den Namen zeigt. Wenige Jahre später war der Verkehr so groß, dass die Brücke nicht mehr praktikabel war, 1950 abgerissen wurde und ein Jahr später als Friedensbrücke eröffnet wurde. Fast 300 Meter lang und 30 Meter breit wurde sie drei Wochen früher als geplant fertig.

Frankfurt am Main: Eiserner Steg als einzige Brücke aus Bürgerinitiative finanziert

Der Eiserne Steg wurde als einzige Brücke nicht von der Stadt oder Eisenbahngesellschaft gebaut. Es waren die Frankfurter, die sie finanzierten. Die Alte Brücke war längst völlig überlastet als einzige Möglichkeit, den Main zu überqueren. "Der Magistrat hat eine weitere Brücke aus Kostengründen abgelehnt, obwohl aus 35 000 Einwohnern um 1800 herum bereits 1840 fast 57 000 geworden sind. Die Stadt blieb stur, also gründeten die Frankfurter 1876 eine Aktiengesellschaft für den Bau einer eisernen Brücke." Sie versprach fünf Prozent Rendite und "innerhalb eines Jahres hatten sie genug Geld für den Bau zusammen". 1868 wurde der Eiserne Steg für Fußgänger eröffnet. Wer ihn überqueren wollte, musste einen Kreuzer bezahlen.

"In nur drei Monaten sind dreimal mehr Menschen drüber gelaufen, als es Einwohner gab", erzählt der Stadtführer. Nach 17 Jahren hatten alle ihre Rendite und der Eiserne Steg wurde der Stadt geschenkt. (Sabine Schramek)

Weitere Termine

Diesen Mittwoch, Samstag und Sonntag informiert Pflüger jeweils zwei Stunden lang über die Geheimnisse der Brücken. Infos und Buchungen unter hannes.pfluegner@googlemail.com

Eine andere Art der lokalen Geschichte findet bei den „Stadtteilhistorikern“ in Frankfurt statt. Hier können Bürger selbst die Vergangenheit ihres Viertels aufarbeiten.

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