Der Tellertanz symbolisiert in der Performance "Die fünfte Sonne" den Austausch von Waren zwischen den Kontinenten. Kinder und Erwachsene probten ihn im Garten des Casazul.
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Der Tellertanz symbolisiert in der Performance "Die fünfte Sonne" den Austausch von Waren zwischen den Kontinenten. Kinder und Erwachsene probten ihn im Garten des Casazul.

Seckbach: Frankfurter Nachbarschaft

Überm Atzelberg strahlt jetzt die fünfte Sonne

  • VonKatja Sturm
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Projekt bringt unterschiedliche Menschen und ihre Kulturen zusammen

Vor 500 Jahren eroberte der Spanier Hernán Cortés mit seinen indianischen Verbündeten das Aztekenreich und dessen Hauptstadt Tenochtitlán. Vor 50 Jahren wurde in Frankfurt die Atzelbergsiedlung gegründet. Zwei runde Geburtstage, die offenbar nicht viel miteinander zu tun haben. Die gebürtige Mexikanerin Margarita Barajas jedoch bringt die beiden Themen in einer Performance mit dem Titel "Die fünfte Sonne" zusammen.

Der Stadtteil rückt zusammen

Die Ethno-Musikologin will dabei aufzeigen, dass dort, wo ganz unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, die einen von den anderen profitieren können. Sie hofft, damit auch die Bewohner der beiden Teile Seckbachs, des traditionellen alten Kerns und der neueren Gebäude des sozialen Wohnungsbaus, einander näherzubringen.

Die gut vernetzte Sopranistin, die das mit insgesamt 6000 Euro geförderte Projekt im Rahmen eines Masterstudiums mit Schwerpunkt Performative Künste in sozialen Feldern an der ehemaligen FH entwickelt, hat sich dafür den Historiker Eric Obregón und den Maler Andrés Del Collado sowie mehrere professionelle Instrumentalisten an die Seite geholt. Als Darsteller und Helfer, die ihre eigenen Ideen einbringen und mitgestalten dürfen, wirken etwa 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit, die in der Nachbarschaft wohnen oder einen anderen Bezug zu Seckbach haben.

Jetzt präsentierte das Ensemble im Garten von Barajas' Haus, das unter dem Namen Casazul, Blaues Haus, schon länger als Treffpunkt und jetzt als Probenraum dient, unter anderem dem betreuenden Professor Frank Matzke, wie weit die Inszenierung mittlerweile gediehen ist. Am Ende der knapp einstündigen Vorstellung war der Wissenschaftler, der selbst als Regisseur tätig ist, überzeugt: "Das wird was."

Nicht die finale Perfektion, sondern die Partizipation und der Prozess sind das Entscheidende an der Zusammenarbeit von Menschen aller Generationen und aus unterschiedlichsten Ländern, aus Neuseeland, Kanada, Peru, Spanien oder der Türkei etwa. Geprobt wird offiziell einmal in der Woche, aber wer will, kann öfter kommen. Nevio etwa ist fast jeden Tag da. "Hier wird es nie langweilig", sagt der 13-Jährige. Ob Tanz, Trommeln auf Mülltonnen mit Überzug, die die Jungen und Mädchen selbst gebastelt haben, oder Akrobatik - es gibt immer etwas Spannendes.

Zur Inspiration hatte Barajas, die sich schon lange in der Nachbarschaftsarbeit engagiert, eine historische Stadtteilrallye organisiert, bei der Informationen über das eigene Umfeld zusammengetragen wurden. Bei Workshops werden künstlerische Ausdrucksweisen geübt. "Wir Künstler haben die Form vorgegeben, und die Kinder haben sie mit Farbe gefüllt", sagt Barajas.

Herausgekommen ist ein Dreiakter, der auf der Seidenstraße beginnt, die den Mittelmeerraum mit Ostasien verband und über die zahlreiche Güter transportiert wurden. Nicht nur Bilder von chinesischem Porzellan, einem Kamel oder einem Pferd wurden dafür hergestellt; auch ein Bembel und ein Geripptes sind zu erkennen.

Über die Geschichte Amerikas und einen Dialog zwischen Christoph Kolumbus und Königin Isabella von Kastilien führt die Vorführung, in der es Livemusik, Percussion, ein geschichtliches Referat und eine Menge einfacher, noch recht chaotischer Bewegungspassagen gibt, in den eigenen Stadtteil hinein. Was das Publikum dort erwartet, davon war am Samstag noch nichts zu sehen. Doch noch bleiben drei Monate Zeit, bis das Endergebnis zur Jubiläumsfeier auf dem Atzelbergplatz gezeigt werden soll.

Der Name der Beteiligungsinitiative bezieht sich, wie Barajas erklärt, auf einen Mythos der Azteken, nach dem jede Epoche unter einer anderen Sonne steht. Die der fünften sei angebrochen, "es ist die Ära des besseren Miteinanderlebens". Katja Sturm

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