Prof. Werner Müller-Esterl (links) und Dr. Manfred Großkinsky berichten über die Zusammenarbeit von Museum Giersch und Universität.	F: Christes
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Prof. Werner Müller-Esterl (links) und Dr. Manfred Großkinsky berichten über die Zusammenarbeit von Museum Giersch und Universität. F: Christes

Museumsuferfest

Uni übernimmt ihr Museum

  • Thomas J. Schmidt
    vonThomas J. Schmidt
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Als die Goethe-Universität in ihrem Jubiläumsjahr ein Museum geschenkt bekam, war noch nicht ganz klar, wie die Zusammenarbeit sich entwickeln würde. Inzwischen haben Museum und Hochschule zusammengefunden. Die erste Ausstellung der Universität ist noch bis zum Ende des Museumsuferfests zu sehen.

Es war das wertvollste Geschenk, das die Goethe-Universität zu ihrem 100. Geburtstag 2014 bekam: Der Unternehmer Carlo Giersch und seine Frau Karin vermachten der Hochschule ein Museum für 30 Jahre. Langsam haben sie sich zusammengefunden, die Leute von der Hochschule und die fünf Museumsfachleute, die inzwischen auf der Gehaltsliste der Universität stehen. Die Uni erhält für den Museumsbetrieb eine jährliche Apanage von 500 000 Euro von der Stiftung Giersch. Seit kurzem zeigt ein neues Logo die Besitzverhältnisse: Museum Giersch der Goethe-Universität.

Erste Ausstellung der Uni

Zum Museumsuferfest nimmt die Hochschule das Museum nun ganz in Besitz. Mit „Goethe und die ’Dame in Blau’“ zeigt sie die erste Ausstellung aus Beständen der Uni in den Räumen des Museums. Dabei bilden der berühmte Goethe-Kopf von Christian Daniel Rauch (1820) und das geheimnisvolle Portrait der „Dame in Blau“ einen Spannungsbogen, indem sie gegenüber liegende Seiten eines Stockwerks beherrschen. Das Kreideportrait, etwa um 1810 entstanden, ist ein Rätsel: Weder weiß man im Universitätsarchiv, wie es zu den Beständen gekommen ist, noch wen es darstellt oder wer es gemalt hat. Zwischen diesen beiden Polen gruppieren sich allerlei Themen aus 100 Jahren Universität: Alte Matrikelbücher und Studentenausweise, ehrwürdige Siegel, zeitgenössische Goethe-Portraits und viele „Köpfe“ der Universität – Stifter und Gelehrte, Politiker und Unbekannte. Während des Museumsuferfests präsentiert sich die Uni mit einem Info-Stand, es gibt Musik und ein Kinderprogramm im Museum.

Nach dem Museumsuferfest wird die Ausstellung abgebaut. Dr. Manfred Großkinsky, Direktor des Museums, erläutert: „Wir haben im Jahr zwei große Ausstellungen von jeweils vier Monaten Dauer und eine kleine Kabinettausstellung von max. vier Wochen zum Museumsuferfest.“ Mit der aktuellen Kabinettausstellung, ein kleiner Ausschnitt aus den Archivschätzen der Hochschule, ist erstmals der neue Eigentümer der Leihgeber.

Eine große Ausstellung vorzubereiten kann mehrere Jahre dauern. So war denn auch die Universität noch nicht Besitzer des Museums, als die kommende Ausstellung „Kommen und gehen“ vorbereitet wurde. Alle weiteren Ausstellungen werden in Absprache mit der Universität entwickelt.

„Es ist nicht ganz ungewöhnlich, dass Hochschulen Museen betreiben“, erläuterte Prof. Dr. Werner Müller-Esterl. Der ehemalige Universitätspräsident ist Beauftragter des Präsidiums für die Integration des Museums in den universitären Betrieb. Er bindet Hochschule und Museum verwaltungstechnisch zusammen, ein Herzensanliegen für den 68-jährigen Biochemiker, der sich in seiner Zeit als Präsident als ausgesprochen kunstsinnig erwiesen hat. „Ungewöhnlich ist jedoch, dass eine Hochschule ein so stilvolles Haus an einem so prominenten Platz hat.“ Das Museum Giersch, von Carlo Giersch 2000 gegründet, sitzt in einer denkmalgeschützten Villa am Museumsufer direkt neben Liebieghaus und Städel.

Wie nun hat man sich das vorzustellen: Eine Universität, die ein Museum betreibt? Stimmen universitäre Gremien über künftige Ausstellungen ab, entscheidet das Präsidium darüber, wo welche Bilder hängen? Natürlich nicht. Operativ bleibt das Museum in der Leitung von Großkinsky, der schon zu Gierschs Zeiten der Chef im Haus war. Auch das Hauptthema des Museums, die regionale Kunst, bleibt – zugleich jedoch wird es eine Bühne, auf der sich die Universität künftig mit ihren wissenschaftlichen und intellektuellen Debatten der Öffentlichkeit präsentieren kann, bis hin zu „vorzeigbaren“ Exponaten aus Forschung und Lehre.

Die übernächste Groß-Ausstellung „Abstraktionen“, die der Vielfalt der abstrakten Ausdrucksweisen der 50er Jahre gewidmet sein wird, ist bereits in Zusammenarbeit mit der Universität entstanden. Mitverantwortlich ist hier Prof. Christian Spies vom Kunstgeschichtlichen Institut, der seine Kompetenz einbringt und Vorschläge macht. „Es ist eine glückliche Vermählung, denn das Machen von Ausstellungen gehört nicht gerade zu den Kernexpertisen einer Universität“, sagt Müller-Esterl, „aber die Mitglieder der Universität können sich hier beteiligen und ihre Ideen einbringen.“ Was die Ausstellung selbst betrifft, da wissen Großkinsky und seine Mitarbeiter besser Bescheid. „Wir sind kein sehr großes Haus, eher familiär. Aber wir bespielen drei Stockwerke, und da kommt es darauf an, einen roten Faden zu haben“, sagt er.

Präsidentin sitzt im Beirat

Was an Ausstellungen geplant wird, an Veranstaltungen, was sich an betriebswirtschaftlichen Fragen stellt, wird einem zweimal im Jahr tagenden Beirat vorgelegt. Von dessen fünf Mitgliedern kommen drei aus der Universität: Präsidentin Prof. Birgitta Wolff, Vizepräsident Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz und Prof. Christian Spies. Hinzu kommen Stephan Rapp als Geschäftsführer der Stiftung Giersch und ein Nachfolger für Max Hollein, den ehemaligen Direktor des Städel.

Die Kooperationen zwischen Museum und Universität entwickeln sich allmählich: Es gibt Studenten, die Führungen für Studenten anbieten, oder ein Pflichtpraktikum im Museum Giersch absolvieren, es gibt Lehrveranstaltungen in den Museumsräumen und Empfänge der Hochschule. Nach eineinhalb Jahren ist deutlich zu spüren: die Goethe-Universität und ihr Museum wachsen zusammen.

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