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Der Schein trügt: CSC-Boxer Mohammad Sadran (rechts) erscheint hier zwar aktiver, verlor aber gegen den Kostheimer Hani Boghos.

Boxturnier in Nied

Überschaubares Niveau

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Beim „Horst-Gauck-Cup“ findet sich Prominenz am, aber nicht im Ring.

Horst Gauss, die Legende des Frankfurter Amateur-Boxsports, stand als Namensgeber des vom CSC Frankfurt ins Leben gerufenen „Horst-Gauss-Cup“ gerührt im Ring. „Normalerweise wird eine solche Ehre eher bereits verstorbenen Legenden zuteil. Dass ich dies noch zu meinen Lebzeiten erleben darf, macht mich unsagbar glücklich“, sagte der bald 80-Jährige, der 1964 den glorreichen CSC Frankfurt mit gründete und bei allen großen Erfolgen maßgeblich als Boxer, später Trainer, Manager und Organisator beteiligt war.

Anlässlich der Veranstaltung in der Sporthalle Nied wurde Horst Gauss vom Präsidenten des Hessischen Boxverbandes (HBV) Daniel Tischer als erster lebender Mensch überhaupt zum Ehrenvorstand des Verbandes ernannt. Gauss erinnerte an Blütezeit des CSC, in denen der Verein nicht nur Deutscher Meister war, sondern auch die meisten Zuschauer aller Bundesligavereine in die Halle lockte.

Die goldenen Zeiten des Boxsports in Frankfurt sind aber schon lange vorbei. Bundesliga wird im Rhein-Main-Gebiet nicht angeboten, auch Turniere besitzen Seltenheitswert. Die frühere Boxerin Andrea Rzehak, seit 2009 CSC-Vorsitzende und -Trainerin, machte sich daran, die Lücke mit diesem Turnier, das nun alljährlich stattfinden soll, endlich zu schließen. Immerhin gelang es, zehn Haupt- und sechs Vorkämpfe auf die Beine zu stellen. Allerdings war unter den Faustkämpfern wohl kein einziger, der einmal ähnlich dem Frankfurter Schwergewichtler Leon Bunn ins Profi-Lager wechseln und dort den WM-Gürtel anstreben kann.

Namhafte Boxer waren in der Halle schon zu sehen. Allerdings nur unter den 450 Zuschauern. Zum Beispiel Robin Krasniqi, der Profi aus dem SES-Boxstall, der sich in den Räumlichkeiten des CSC in Fechenheim beim Trainer Magomed Schaburow den letzten Schliff für seinen Kampf gegen Ex-Weltmeister Arthur Abraham holt. Der Frankfurter Enad Licina, der seinen Fight um den IBF-WM-Gürtel gegen Steve Cunningham verlor und seit längerer Zeit nun nach einem lukrativen Kampf Ausschau hält. Oder sein Berufssportkollege Andreas Sidon (Gießen), der die Boxhandschuhe nicht an den Nagel hängen kann. Bald schon will der frühere deutsche Schwergewichtsmeister wieder in den Ring klettern. Mit 54 Jahren.

Im Ring sah es eher düster aus. Der einzige, der eine überdurchschnittliche boxerische Ausbildung erkennen ließ, war Ibrahima Diallo vom CSC. Der aus Guinea stammende Deutsche U 21-Meister und Hessenmeister im Mittelgewicht, der am Olympia-Stützpunkt Heidelberg trainiert, zeigte ein technisch breites Repertoire, allerdings hatte er bei seinen Schlägen öfters Probleme mit der Distanz. Der CSC stellte mit Romas Fress, Tomislav Kamejasevic, Moritz Eckert und Mert Altindag noch vier Sieger. Superschwergewichtler Gian Luca Dimasi von Spirit Frankfurt entschied seinen ersten Kampf für sich, Viktor Jonaschko (Old School Boxing Frankfurt) bezwang nach Punkten Weltergewichts-Hessenmeister Samet Tokay (PSV Frankfurt).

Ein Lob gebührte der CSC-Ecke für den Mut, den zuvor in sechs Kämpfen ungeschlagenen Schwergewichtler Cyrill Kanka trotz einer Führung aus dem Ring zu nehmen. Kanka hatte in der ersten Runde gegen den Hessenmeister von 2015 Thomas Hamacek (Kostheim) zu viel investiert und war in Runde zwei sichtlich „platt“.

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