Eine Studie zeigt, inwiefern sich die Flugzeuge, die auf dem Flughaften von Frankfurt am Main landen, auf die Ultrafeinstaub-Belastung der Region auswirken.
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Eine Studie zeigt, inwiefern sich die Flugzeuge, die auf dem Flughaften von Frankfurt am Main landen, auf die Ultrafeinstaub-Belastung der Region auswirken.

Belastung der Umgebung

Ultrafeinstaub des Frankfurter Flughafens weht weit

  • Pitt v. Bebenburg
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Feinstaub Belastung gibt es nicht nur durch Straßenverkehr. Auch der Flughafen Frankfurt sorgt für ähnliche Belastungen, das zeigt eine aktuelle Studie.

Frankfurt – Selbst am Riedberg steigt die Belastung durch Partikel vom Flughafen Frankfurt bei entsprechendem Wind. Der Betrieb des Flughafens belastet die Umgebung mit Ultrafeinstaub. Der Anteil der ultrakleinen Teilchen in der Luft steigt dort deutlich, wo der Wind sie vom Flughafen hinbläst. Das hat eine Studie des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) ergeben, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

„Der Flughafen hat einen erheblichen Anteil an der Ultrafeinstaub-Belastung in der Umgebung“, stellte HLNUG-Präsident Thomas Schmid fest. Aber auch der Straßenverkehr dürfe als Quelle für Ultrafeinstaub nicht außer Acht gelassen werden. „Noch wissen wir nicht genau, wie gefährlich diese Partikel für die menschliche Gesundheit sind“, sagte Schmid. „Fest steht aber schon jetzt: Gesund sind sie nicht, wir sollten sie reduzieren.“

Feinstaub vom Flughafen Frankfurt: Ergebnisse von drei Messstationen in Frankfurt herangezogen

Das HLNUG-Forschungsteam mit Florian Ditas, Diana Rose und Stefan Jacobi betrachtete etwa den 23. Dezember 2020. An jenem Mittwoch vor Weihnachten wehte der Wind ziemlich gleichmäßig Richtung Nordosten – das ist die häufigste Windrichtung im Rhein-Main-Gebiet. Für die Studie wurden die Ergebnisse an drei Messstationen in Frankfurt herangezogen, nämlich in Schwanheim, dem Niedwald und auf dem Riedberg.

Ulrafeinstaub

Ultrafeine Partikel sind die kleinsten festen und flüssigen Partikel in der Luft. Als ultrafeine Partikel oder Ultrafeinstaub werden alle Partikel mit einem Durchmesser kleiner als 100 Nanometer bezeichnet.

Welche Gefahr für die Gesundheit von Ultrafeinstaub ausgeht, kann nicht ausreichend beurteilt werden. Bislang gibt es zu wenige epidemiologische Studien, die Effekte untersuchen. Klar ist, dass die kleinen Partikel besonders tief in die Lunge eindringen können.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) beschäftigt sich seit 2015 mit dem Thema, da insbesondere der Flughafen Frankfurt als mögliche Quelle für Ultrafeinstaub in der Region in den Fokus gerückt ist. jur/pit

„An allen drei Stationen ist ein deutlicher Anstieg der Partikelanzahl-Konzentration für Partikel kleiner als 50 Nanometer nach etwa 5 Uhr zu beobachten, welcher gegen 0 Uhr des 24. 12. wieder abklingt“, heißt es in der Studie. „Der zeitliche Beginn fällt dicht zusammen mit dem Beginn des Flugbetriebs um 5 Uhr.“

Bodenbetrieb am Flughafen Frankfurt sorgt womöglich für langsames Nachlassen in Schwanheim

Besonders in Schwanheim sei dieser mit einem „scharfen Anstieg“ der Konzentration an ultrafeinen Partikeln verbunden. Nach Ende des Flugbetriebs um 23 Uhr falle diese Konzentration langsamer ab. Das lasse darauf schließen, dass auch der Bodenbetrieb nach der Landung des letzten Fliegers noch Ultrafeinstaub verursache.

Flughafen Frankfurt: Feinstaubbelastung durch den Betrieb

Auf dem Flughafen-Gelände selbst und im nahe gelegenen Raunheim werden ohnehin im Durchschnitt höhere Konzentrationen von Ultrafeinstaub gemessen. Aber auch am Riedberg, der immerhin 14 Kilometer vom Airport entfernt liegt, führten die zusätzlichen Emissionen bei Wind aus Richtung Flughafen zu einer Erhöhung der Ultrafeinstaub-Konzentration von mehr als 25 Prozent. Sie beeinflussten somit bei südwestlichem Wind vermutlich „weite Teile des Frankfurter Stadtgebiets“, stellt das HLNUG fest. Es sei zu erwarten, dass dies je nach Windrichtung auch für andere Kommunen in Flughafennähe gelte.

Partikel vom Flughafen Frankfurt: Die Größe unterscheidet sich zu jenen vom Straßenverkehr

Das Forschungsteam konstatierte auch einen typischen „Fingerabdruck“ des Ultrafeinstaubs, der vom Flughafen verursacht wird: Die Größen der Minipartikel seien anders als bei jenen des Straßenverkehrs. Messungen an der Friedberger Landstraße zeigten, dass die Emissionen hier gegenüber der üblichen Belastung in Frankfurt bereits um 50 Prozent erhöht seien. Die Emissionen durch den Flugbetrieb seien, wenn der Wind entsprechend wehe, nochmals genau so hoch wie die Emissionen durch Pkw- und Lkw-Verkehr.

Die Umweltschutz-Organisation BUND mahnte angesichts der Ergebnisse, den Flugverkehr zu verringern. „Innerdeutsche Flüge müssen mittelfristig komplett auf die Schiene verlagert werden“, forderte die stellvertretende hessische BUND-Vorsitzende Gabriela Terhorst. (Pitt v. Bebenburg)

Zehn Jahre nach der Eröffnungen der Nordwest-Landebahn am Flughafen Frankfurt, Bürgerinitiativen ziehen Bilanz.

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