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Schwanheim: Straßennamen

Umbenennung ging schnell und unkompliziert

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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SCHWANHEIM Hans-Pfitzner-Straße heißt jetzt Lilo-Günzler-Straße - nach der engagierten NS-Zeitzeugin

Die Einweihungszeremonie entfiel wegen der Pandemie: Eher unauffällig ist jetzt die Umbenennung der Hans-Pfitzner-Straße in die Lilo-Günzler-Straße vollzogen worden.

Ungewöhnlich schnell und unbürokratisch hat die Stadt damit dem im März des vergangenen Jahres fraktionsübergreifend vorgetragenen Wunsch des Ortsbeirates 6 (Frankfurter Westen) entsprochen. Unbürokratisch auch deshalb, weil vom sonst geltenden Grundsatz abgewichen wurde, wonach eine Person mindestens drei Jahre tot sein muss, ehe eine Straße nach ihr benannt werden kann. Für eine Übergangszeit von zwei Jahren wird das alte Schild, leicht versetzt unter dem neuen, belassen - auch, um Komplikationen, etwa mit der Postzustellung, zu vermeiden.

Ein Fall Anfang 2020 in Wiesbaden hatte den Ortsbeirat auf das Problem der alten Straßenbenennung aufmerksam gemacht. Dort hatte das Stadtparlament gegen das Votum des eigentlich für solche Fragen zuständigen Ortsbeirates die Umbenennung der dortigen Pfitznerstraße entschieden. Hintergrund: Der Komponist Hans Pfitzner (1869 bis 1949) schrieb nicht nur Opern wie "Die Rose vom Liebesgarten", sondern auch politische Kampfschriften, oft mit antisemitischer Zielrichtung. Auch nach dem Krieg und dem Untergang der braunen Diktatur soll Pfitzner die Massenvernichtung des Holocaust geleugnet haben.

Die Umbenennung nach Lilo Günzler setzt nun ein deutliches Zeichen dagegen. Als Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters entkam die 1933 geborene Schwanheimerin nur mit viel Glück der Deportation durch die Nazis. Später hat sie als Zeitzeugin unter anderem viele Schulklassen besucht, von ihren Erfahrungen im Nationalsozialismus erzählt und jungen Menschen diese Zeit zugänglich gemacht. Im Februar 2020 starb sie.

Mehrere Bürger hätten den Wunsch, die Straße in Lilo Günzler umzubenennen, an den Ortsbeirat herangetragen, berichtet Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU). "Nicht nur mit Blick auf Lilo Günzlers besonderer Verbindung zu Schwanheim, sondern auch auf ihren historischen Hintergrund, haben wir diesen Vorschlag gerne aufgegriffen", berichtet sie. Besonders schön sei dabei, "dass wir im Ortsbeirat eine einvernehmliche Lösung gefunden haben". Außerhalb der Sitzungen habe sie mit der SPD-Vorsitzenden Doris Michel-Himstedt und der Grünen-Abgeordneten Hanneke Heinemann in einem internen Arbeitskreis eine parteiübergreifende Lösung erarbeitet: "Darauf bin ich ein wenig stolz. Ich finde es sehr wichtig, dass man gerade bei einem solch sensiblen Thema eine einvernehmliche Lösung findet." Ein Streit sei des Themas unwürdig.

Überwiegend positiv haben die Schwanheimer Bürger auf die Umbenennung reagiert, berichtet das Schwanheimer Ortsbeiratsmitglied Ilona Klimroth (CDU). Auch wenn gelegentlich ältere Menschen bei ihr anriefen, die fragten: "Warum muss denn unsere kleine Straße umbenannt werden?" Die meisten aber seien wie sie glücklich mit dem neuen Namen - "und dass die Namensgeberin eine Schwanheimerin ist - und keine russische Malerin oder Ähnliches." michael forst

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