1. Startseite
  2. Frankfurt

Umstrittener Tunnelbau im Riederwald startet noch in diesem Jahr

Kommentare

So soll der Tunnel 2031 aussehen, hier das Westportal (unten). Ende des Jahres sollen die Tunnelbauarbeiten beginnen. Visualisierung: Autobahn GmbH
So soll der Tunnel 2031 aussehen, hier das Westportal (unten). Ende des Jahres sollen die Tunnelbauarbeiten beginnen. Visualisierung: Autobahn GmbH © Autobahn GmbH des Bundes

Während die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen sollen, werde die Zukunft des Heldbockkäfer-Zukunft „in Ruhe“ geklärt, teilt der Bund mit.

Frankfurt -Von Jahresende an soll das 1,1 Kilometer lange Tunnelbauwerk des Projekts Riederwaldtunnel entstehen. Das kündigt die Autobahn-Gesellschaft des Bundes an. Der Bauauftrag solle im Sommer ausgeschrieben und dann Ende des Jahres vergeben werden, dann werde auch mit dem Bau begonnen.

Dabei soll der 2,2 Kilometer lange Lückenschluss der A66 im Frankfurter Osten zwischen dem Autobahnende in Bergen-Enkheim und dem neuen Autobahndreieck Erlenbruch der A661 bis 2031 fertig werden, erklärt Steffen Rütenfrans, Sprecher der Niederlassung West der Autobahn-GmbH. An diesem zeitlichen Ziel halte man fest, obwohl es zuletzt auch auf den Autobahn-Baustellen Probleme mit Lieferschwierigkeiten von Baumaterial gegeben habe.

Krieg in der Ukraine macht Bau in Frankfurt teurer

Ursache der Verknappung sei der Kriegsausbruch in der Ukraine gewesen, sagt Matthias Hannappel, Geschäftsbereichsleiter Bau und Erhaltung. „Die Lage hat sich aber im zweiten Halbjahr 2022 wieder verbessert.“ Es habe auch „deutliche“ Preissteigerungen gegeben, diese ließen aber inzwischen wieder nach.

Damit Baufirmen weiter wirtschaftliche Angebote machen könnten, habe die Autobahn-GmbH eine „Stoffpreisklausel“ eingeführt. Verteuert sich der Preis von Baumaterial zwischen Vergabe und Bau, könnten sie nachher mehr Geld verlangen. Welche Auswirkungen die Preissteigerungen auf den Riederwaldtunnel haben, sei noch unklar, erklärt Sprecher Rütenfrans. „Wir sind noch in der Überarbeitung der Kostenermittlung.“ Inzwischen wird damit gerechnet, dass sich die Kosten vor allem wegen der allgemein höheren Baupreise von den zuvor kalkulierten 477 Millionen auf mindestens 600 Millionen Euro erhöht haben.

Erster Lärmschutz für die Anwohner entsteht

Nach der Räumung des Protestcamps im Fechenheimer Wald im Januar wurden 1,5 Hektar Wald und 0,6 Hektar „Straßenbegleitgrün“, vor allem Büsche, gerodet. Ein halber Hektar Wald sei stehen gelassen worden, da sich dort eventuell Habitate des geschützten Heldbockkäfers befinden. Weitere Gutachten sollten nun herausfinden, wie vorgegangen werden soll. „Wir haben aber keine Eile“, sagt Steffen Rütenfans, die Flächen würden noch nicht benötigt.

Auf den gerodeten Flächen will der Bund eine Baustellenzufahrt zur A66 einrichten. „Wir wollen Baustellenverkehr über Stadtstraßen vermeiden“, erläutert der Sprecher. Eine solche Zufahrt gibt es auf der anderen Baustellenseite auch schon - sie nutzt das bereits fertiggestellte Autobahndreieck Erlenbruch. Wird der Tunnel gebaut, können die Laster mit Aushub über diese Zufahrten direkt auf die Autobahnen fahren.

Im Vorfeld des Tunnelbaus stehen dieses Jahr noch Vorarbeiten an. So soll die 390 Meter lange und 6,50 Meter hohe, temporäre Lärmschutzwand entstehen, die Wohnhäuser der Vatterstraße schützt, wenn die temporär verlegte U-Bahn-Strecke direkt südlich der Häuser verläuft. Um die Tunnel-Baufläche freizubekommen, wird nicht nur von 2025 an für sechs Jahre eine Ringstraße als Einbahnstraße nördlich und südlich um die Baustelle herumführen. Die oberirdische Trasse von U4 und U7 muss vorübergehend verlegt werden, weil sie genau dort verläuft, wo der Tunnel in offener Bauweise hergestellt wird - grundwasserschonend Stück für Stück in „Baudocks“. Die Stadtbahn fährt dann vorübergehend auf einer Trasse nördlich der Baustelle.

Frankfurts unterirdisches Versorgungsnetz wird restrukturiert

Zu den Vorarbeiten 2023 gehört ebenso der Bau des Tunnelbetriebsgebäudes und einer Trafostation. Die Baustellenflächen werden auf Weltkriegsbomben hin untersucht. Die Stadtentwässerung stelle zudem den Seckbachsammler, einen Großkanal, fertig, erläutert Steffen Rütenfrans. Wegen des Tunnels müsse das unterirdische Versorgungsnetz in diesem Teil der Stadt neu strukturiert werden.

Neue Baustellen rund um Frankfurt

Auf einige neue Baustellen müssen sich Autofahrer auf den Autobahnen in und um Frankfurt von diesem Jahr an gefasst machen:

A66 Im Dreieck Eschborn wird die 350 Meter lange Brücke der A648 aus Richtung Messe und Sossenheim zur A66 in Richtung Höchst von Oktober 2023 bis Ende 2026 neu gebaut. Noch bis Ende Februar werden für die Baustellenfläche auf 1,5 Hektar Fläche Bäume und Büsche gerodet. Alle Fahrstreifen bleiben während der Bauarbeiten erhalten.

A661 In der Anschlussstelle Eckenheim wird die 300 Meter lange Brücke der Auffahrt von Eckenheim Richtung Bad Homburg von Oktober 2023 bis Mai 2026 neu gebaut. Es bleiben alle Fahrstreifen erhalten, jedoch muss eine temporäre Zufahrt zur A661 hergestellt werden.

A3 Zwischen dem Mönchhofdreieck und dem Wiesbadener Kreuz wird die Fahrbahn in Fahrtrichtung Köln grundhaft erneuert. Die Arbeiten auf knapp neun Kilometern laufen ab März und bis November 2024. Alle sieben Fahrspuren bleiben trotz der Baustelle aber erhalten.

Auch interessant

Kommentare