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Umzug

Flüchtlingsfamilien beziehen eine neue Unterkunft im "Eiskeller" und freuen sich auf richtige Wohnungen

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Während in anderen Kommunen Flüchtlingsunterkünfte leer stehen, muss Frankfurt neue bauen. Der Neubau in Goldstein soll am Montag bezogen werden. Derweil fordert die FDP eine Zuweisungspause.

Es gibt keine Zäune, keine Absperrungen. Die beiden Hauseingänge sehen aus wie bei jedem anderen Mietshaus. An den Wohnungstüren hängt ein Zettel mit dem Namen der Familien, darunter der Hinweis „Sechs Kinder, Kinderbett“. Noch sind die Wohnungen der neuen Unterkunft in der Straße „Zum Eiskeller“ leer, doch am Montag kommen die Bewohner: Familien aus Syrien, Afghanistan, dem Iran, eine aus Afrika. Platz ist in den zwölf Wohneinheiten für 50 Menschen; zur Verfügung gestellt wurde das Grundstück vom Evangelischen Regionalverband, das Diakonische Werk wird Betreiber. Die Goldsteiner Einrichtung hat Modellcharakter: Sie liegt bewusst mitten in einem Wohngebiet, damit die Geflüchteten leichter mit der Bevölkerung in Kontakt kommen, damit die Familien sich auf dem Spielplatz treffen. Viele sprechen schon halbwegs gut Deutsch: Neu nach Frankfurt zugewiesene Flüchtlinge sollen dort nicht einziehen, sondern Menschen, die zum Teil schon zwei oder drei Jahre in anderen Notunterkünften oder Hotels verbracht haben.

Tägliche Ansprechpartner

„Einige der Kinder sind in Frankfurt geboren. Die meisten kommen aus der Unterkunft in Bonames“, sagt Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Es sind elf Paare – 22 Erwachsene, 28 Kinder und Jugendliche. Zum Teil sind die Geflüchteten bereits in Arbeit, andere haben einen Ausbildungsplatz. Die neuen Zwei-, Drei- oder Vier-Zimmer-Wohnungen haben Kochmöglichkeiten. Einrichtungsleiterin Kirsten Langmaack und ihre Kollegin Viona Dorsch vom Diakonischen Werk sind täglicher Ansprechpartner.

Sie wollen aber auch Ansprechpartnerinnen für die Nachbarn sein, wenn es Fragen gibt oder Beschwerden. „Das Büro steht jedem offen“, sagt gestern zur Vorstellung des Neubaus Sabine Kalinock vom Diakonischen Werk. Derzeit werden die Adressen von Freiwilligen gesammelt, die mithelfen möchten, die neuen Nachbarn zu integrieren – als Pate, als Helfer für Hausaufgaben. Für Dienstag, 12. März, 19 Uhr, ist ein Runder Tisch im Gemeindehaus der Dankesgemeinde am Goldsteinpark 1 c geplant, um Betätigungsfelder für ehrenamtliches Engagement auszuloten.

Die Menschen ziehen aus Notunterkünften in „richtige“ Wohnungen, auch wenn es in der Sprachregelung der „Stabsstelle für Unterbringungsmanagement und Flüchtlinge“ eine Übergangsunterkunft ist. Denn während anderswo Unterkünfte geschlossen werden, sucht die Stadt Frankfurt händeringend nach Plätzen: Laut Magistrat sind derzeit noch 792 Geflüchtete in bis zu 34 Hotels im gesamten Stadtgebiet verteilt untergebracht. „Letztes Jahr wurde uns die Zuteilung vom Land ,gestundet‘, das müssen wir jetzt nachholen“, sagt Birkenfeld.

Täglich 17 Zuteilungen

Deswegen kommen, obwohl die Stadt laut Zuteilungsrate wöchentlich nur zehn Geflüchtete aufzunehmen hat, tatsächlich 17. Andere Einrichtungen müssen aufgegeben werden, weil die Eigentümer neue Pläne damit haben. „Wir müssen etwa gerade 200 Plätze aufgeben, weil der Vermieter sein Wohnheim umbauen möchte, um es anders zu nutzen“, sagt Birkenfeld. „Die Unterbringungsmöglichkeiten sind in Hessen nicht überall derart angespannt, wie es in Frankfurt der Fall ist“, sagt Yanki Pürsün, der sozialpolitische Sprecher der FDP-Römerfraktion. Er fordert deshalb, dass die Stadt an die Hessische Landesregierung herantritt, um eine vorübergehende Zuweisungspause für Zufluchtsuchende zu erreichen.

Die Zuweisung soll aus Sicht der Freien Demokraten solange ausgesetzt werden, bis in Frankfurt sämtliche Notunterkünfte – also Hotels, Pensionen, private Wohnheime – für die Unterbringung von Zufluchtsuchenden und andere Personen aufgegeben werden können. Der Stadt Frankfurt zugeteilte Geflüchtete sollten auch leerstehende Flüchtlingsunterkünfte anderswo nutzen können, sagt Pürsün weiter. Es seien entsprechende Verhandlungen mit dem Umland zu führen.

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