"Aus Sicherheitsgründen vorübergehend gesperrt" seht auf dem Schild am Spielplatz Kirschenwäldchen. Für die langjährige Kinderbeauftragte Eva-Maria-Lang ein Unding. Bis eine Nachfolgerin gefunden ist, will sie weitermachen. Dann kürzer treten. FOTO: sauda
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"Aus Sicherheitsgründen vorübergehend gesperrt" seht auf dem Schild am Spielplatz Kirschenwäldchen. Für die langjährige Kinderbeauftragte Eva-Maria-Lang ein Unding. Bis eine Nachfolgerin gefunden ist, will sie weitermachen. Dann kürzer treten.

Spielplätze

Kinderbeauftragte wütend über Zustände in Frankfurt: „Unbegreiflich“

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Für Kinder gibt es immer weniger Spielplätze. Abgebaute Geräte werden nicht ersetzt. Eine Kinderbeauftragte übt heftige Kritik an der Stadt Frankfurt.

Frankfurt - Abgesperrte Spielplätze, abgebaute Spielgeräte und kaum Freizeitmöglichkeiten für Teenies. Eva-Maria Lang (CDU), die Noch-Kinderbeauftragte für Kalbach, hat in der vergangenen Legislaturperiode viel angestoßen. Warum und wo es trotzdem noch Baustellen in Frankfurt gibt, darüber sprach sie mit Redakteurin Judith Dietermann.

Vor zwei Wochen wurde plötzlich der beliebte Spielplatz "Im Kirschenwäldchen" abgesperrt. Wie haben Sie darauf reagiert?

Ich war traurig und wütend, weil den Kindern immer mehr Möglichkeiten genommen werden.

Wie meinen Sie das?

Erst wurde der Sonnenschirm auf dem Spielplatz "Im Hain" vergessen, zwei Sommer lang konnte er nicht benutzt werden. Dann wurde auf dem Apfelspielplatz ein Gerät abgebaut. Das wird allerdings erst ersetzt, wenn der Spatzspielplatz neu gebaut ist, was mindestens noch ein Jahr dauert. Und jetzt wird dieser hier zugemacht. Das kann doch nicht sein.

Spielplatz in Kalbach: Bankenstadt Frankfurt hat kein Geld

Woran liegt das denn?

Es gibt kein Geld. Ich mache dem Grünflächenamt da keinen Vorwurf, sondern der Stadt. Es ist für mich unbegreiflich, dass eine Bankenstadt kein Geld für Spielplätze hat. Für Kinder, das Wertvollste, was eine Stadt hat.

Was ist denn der Grund, warum der Spielplatz "Im Kirschenwäldchen" dicht gemacht wurde?

Der ist ganz profan. Der Untergrund, der Rindenmulch, muss turnusmäßig ausgetauscht werden. Was derzeit aber zu teuer ist.

Damit fällt ein wichtiger Spielplatz für die Wohngegend weg...

Ja, das ist schlimm, denn der Platz ist sehr stark frequentiert. Die Geräte sind toll, zudem gibt es viele Bänke und im Sommer durch die Bäume ausreichend Schatten.

Wann kann der Spielplatz denn wieder genutzt werden?

Dazu konnte mir keine Auskunft gegeben werden.

Frankfurt: Geräte auf Spielplätzen werden nicht ersetzt

Wie würden sie die allgemeine Spielplatzsituation im Stadtteil beurteilen?

Eher schlecht. Es gibt nicht wirklich einen Spielplatz, auf dem alles gut ist. Ganz traurig ist der kleine im Fasanenweg. Dort gab es eine Drehscheibe, die jetzt abgebaut wurde und nicht ersetzt wird. Raten Sie mal warum...

Dass Spielgeräte abgebaut und nicht ersetzt werden, ist aber ein stadtweites Problem...

Ja, das höre ich auch immer wieder. Wie erst jüngst in Nieder-Erlenbach. Umso wichtiger ist es, dass wir uns gemeinsam dagegen wehren.

Nicht weniger Sorgen machen Ihnen auch die Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche. Wo hakt es da?

Für Kinder ab zehn Jahren gibt es in Kalbach nichts. Gar nichts.

Es gibt doch das Kinder- und Jugendhaus...

Das ist das einzige Highlight. Es ist toll geführt, mittlerweile gibt es dort auch Internet. Aber das reicht nicht.

Frankfurt: Mehr Mülleimer am Pavillion im Stadtpark abgelehnt

Was ist mit dem Pavillon im Stadtpark?

Der ist auch keine Lösung. Klar, da hängen viele Jugendliche ab, was sollen sie denn auch machen? Dementsprechend sieht es dort auch aus, denn es gibt zu wenige Abfalleimer. Ein Antrag von mir für mehr Mülleimer wurde jedoch vom Magistrat abgelehnt. Eine Calisthenics-Anlage hingegen wurde genehmigt. Umgesetzt werden kann sie aber nicht, weil auch dafür das Geld fehlt. Es ist zum Verrücktwerden.

Zumindest werden die abgebauten Skaterelemente auf dem Platz im Kalbacher Stadtpfad ersetzt...

Ja, das ist ein kleiner Erfolg. Ich habe auch die Idee, die Asphaltfläche dann mit den Jugendlichen anzumalen. Ich hoffe, dass das möglich ist. Denn was man selber gemacht hat, wird mehr wertgeschätzt.

Was ist mit der Skateranlage am Martinszehnten?

Die ist für Skater, die das wirklich können. Für kleinere Kinder ist sie nicht nur zu weit weg, sondern auch nicht wirklich geeignet.

Sie sprühen nur so vor Ideen und haben viel angestoßen in den vergangenen fünf Jahren. Trotzdem werden Sie als Kinderbeauftragte nicht weitermachen. Warum?

Weil ich müde geworden bin. Es ist aufreibend, sich einzubringen ohne große Erfolge zu verzeichnen. Es tut mir zwar für die Jugendlichen und Kinder leid, aber ich bin ja nicht weg. Ich bin ja nach wie vor Mitglied der CDU-Fraktion im Ortsbeirat und kann Anträge einbringen. Denn ganz lassen kann ich es noch nicht.

Bei einem anderen Spielplatz in Frankfurt hat die Stadt die Kinder bei der Gestaltung mitsprechen lassen.

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