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Wer ist das? Foto hängt „überall“ in Frankfurt – und sorgt für skurrile Diskussionen

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Von: Niklas Hecht

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Viele Menschen in Frankfurt kennen das Bild eines jungen Mannes. Es ist als Sticker an vielen Orten im Stadtteil präsent. Was steckt hinter der Aktion?

Frankfurt – Beim Begriff Streetart fällt den meisten Menschen vor allem Banksy ein. Der geheimnisvolle britische Künstler ist für seine gesellschaftskritischen Schablonengraffitis weltberühmt. Bis heute weiß die Öffentlichkeit nicht, wer Banksy ist oder wie er aussieht. Viele Streetart-Künstler und Graffiti-Sprüher arbeiten unter einem Pseudonym. Teils weil sie in der Illegalität agieren, teils weil es die Kunst interessanter macht. Ein Künstler aus Frankfurt treibt dieses szenetypische Versteckspiel allerdings auf die Spitze, denn jeder weiß, wie er aussieht.

„Kann mir jemand sagen, wer diese Person ist, weil ich sehe diese Sticker überall in Frankfurt?“, fragte kürzlich ein Nutzer auf der Internetplattform Reddit in englischer Sprache. Das Bild zeigt einen jungen Mann mit dunklen Haaren und schwarzem Bartflaum um die Lippen. Und tatsächlich: Wenn man durch Frankfurt läuft, fällt einem das Bild des Mannes an Laternen, Auto oder Hauswänden immer wieder ins Auge. „Ich lebe mein gesamtes Leben in Frankfurt und habe mich das immer gefragt“, kommentiert eine Userin ebenfalls auf Englisch unter die Frage. Vielen anderen auf Reddit scheint dagegen völlig klar zu sein, wer der junge Mann auf dem Foto ist, nämlich der „Typ vom Foto“. Der Kommentar hat über 70 Likes.

Frankfurt: Foto sorgt für Aufregung: „Ziemlich dreist und sehr witzig“

Wer also ist der geheimnisvolle junge Mann, den alle Frankfurterinnen und Frankfurter zu kennen scheinen, ohne zu wissen, wer er ist? Die Idee, Sticker mit Gesichtern in der Stadt zu verteilen, sei einem Künstler-Kollegen von ihm nach einem verfeierten Wochenende gekommen, erzählte der „Typ vom Foto“ 2018 in einem Interview mit dem Streetart-Blog kollektive-offensive.de. „Diese Idee fand ich ziemlich dreist und sehr witzig“. Ihnen sei allerdings ziemlich schnell klar gewesen, dass sie aus Gründen des Schutzes der Privatsphäre nicht einfach Bilder von fremden Leuten drucken lassen konnten. Deshalb seien sie als Künstler-Team zu dem Schluss gekommen, ihre eigenen Gesichter zu verwenden. „Ziel war es auch, dadurch, dass wir mehrere Leute sind, ein Schutz durch das Kollektiv zu generieren, weil man halt nicht nur ein Gesicht hat, sondern ganz viele“, erklärte der „Typ vom Foto“.

Wer ist das? Dieses Foto hängt derzeit an vielen Ecken in Frankfurt.
Wer ist das? Dieses Foto hängt derzeit an vielen Ecken in Frankfurt. © Reddit/Screenshot/gospodinedin

Er habe mit seinem Gesicht den Anfang gemacht - in dem Glauben, dass die anderen Mitglieder des Kollektivs nachziehen würden. Die hätten aber bald darauf keine Lust mehr auf die Aktion gehabt. Der Frankfurter Künstler betonte, dass es ihm nicht darum gegangen sei, ein spezielles Foto zu verbreiten, sondern, dass der Witz darin bestanden habe, die Stadt mit irgendeinem zufälligen Bild voll zu kleben.

Dass die Aktion letztlich so ein Erfolg geworden ist, erklärte sich der „Typ auf dem Foto“ 2018 folgendermaßen: „Ich würde nicht sagen, dass ich von meinem Aussehen her das klassische perfekt männliche Gesellschaftsbild darstelle; dadurch entsteht vielleicht auch eine gewisse Anti-Ästhetik“. Im Nachhinein sei er froh, dass nur er sein Gesicht in Frankfurt verbreitet habe, denn sonst wäre die Aktion womöglich nicht so erfolgreich gewesen, vermutete er.

Foto in Frankfurt
Der Sticker mit dem Foto des Mannes (m.) klebt vielerorts in Frankfurt. Diese Aufnahme stammt beispielsweise vom Wasserhäuschen „Gudes“ im Nordend. © Tobias Utz

Streetart in Frankfurt – Kunstaktion schlägt weiterhin Wellen

Auch die Umstände, unter denen das Foto entstanden ist, waren offenbar eher zufälliger Natur. „Irgend so ne Bürotante“ hätte das Bild bei seiner neuen Arbeitsstelle gemacht, als er dort ein Foto brauchte, erzählte der Künstler in dem Interview. In den Kommentaren auf kollektive-offensive.de wurde der „Typ vom Foto“ teilweise heftig angefeindet. Es sei keine Kunst, sein Konterfei in der Stadt zu verteilen, lautete das Urteil vieler Leser. Ein Besucher des Streetart-Blogs sieht das ganz anders, er kommentierte: „Da werden so viele Dinge zumindest implizit mitverhandelt: erstmal der übersteigerte Individualismus neoliberaler Gesellschaften. Dass der Schutz des Kollektivs versagt, ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer immer weniger solidarischen Idee von Gemeinschaft.“

Auch an anderer Stelle wird auf Reddit über Frankfurt diskutiert. Ein Nutzer stellte kürzlich die Frage: Wo liegt das Herz der Stadt?

Sicher ist, dass die Kunstaktion auch noch Jahre nach ihrem Start hohe Wellen schlägt und inzwischen ein (kleiner) Teil des Frankfurter Stadtbildes geworden ist. Anonym bleiben möchte der „Typ auf dem Foto“ dennoch. Auf Instagram beschreibt er sich mit den Worten: „Der Unbekannte“. (nhe)

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