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Erzpriester Philippos Savvopoulos

Georgioskirche

Unbekannte stehlen wertvolle Reliquie aus Kirche im Westend

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Gold, Silber und Edelsteine schmücken die Georgioskirche im Grüneburgpark. Deshalb sichern Tresortüren und Alarmanlage das griechisch-orthodoxe Gotteshaus. Doch in den Sommerferien drangen Diebe unbemerkt ein.

In der Mittagssonne strahlen die fünf Kuppeln der kleinen Kirche um die Wette. „Dafür haben wir 27 000 Stück reines Blattgold verwendet“, erklärt Erzpriester Philippos Savvopoulos stolz. Das griechisch-orthodoxe Gotteshaus am Rande des Grüneburgparks ist sein Lebenswerk. 1998 wurde das prachtvoll ausgestattete, von reichen Stiftern und zahlreichen Spendern finanzierte Bauwerk eingeweiht. Das Herzstück kam erst vor zwei Jahren hinein: die originalgetreue Kopie einer über tausend Jahre alten Kreuzlade aus Konstantinopel, in der Reliquien aufbewahrt wurden.

Doch seit den Sommerferien fehlt die reich verzierte, goldene Schatulle. Als Pfarrer Savvopoulos aus seinem Griechenlandurlaub zurückkam, war die mit rotem Samt ausgelegte Vitrine in der Georgioskirche leer. Zwischen dem 24. Juni und dem 18. Juli haben Diebe zugeschlagen. „Das waren Profis“, ist sich Savvopoulos sicher. „Die wussten genau, was sie taten.“ Sie schalteten Alarmanlage und Videokameras ab, öffneten die mit dicken Bolzen gesicherte Stahltür des Seiteneingangs und holten Elektrowerkzeug aus dem Keller, um den Tresor neben dem Altar aufzuflexen. Dort stahlen sie silberne Schalen und weitere Wertgegenstände. Insgesamt schätzt Savvopoulos den Schaden auf 138 000 Euro.

„Hauptsächlich ging es ihnen um die Staurothek“, wie die Kreuzlade auf Altgriechisch heißt, meint der Geistliche. Er vermutet, dass ein reicher Auftraggeber dahinterstecken könnte. „Solche Leute wollen wertvolle Reliquien für ihre Privatkapellen.“

Hatten es die Kirchendiebe also weniger auf die nachgemachte byzantinische Staurothek abgesehen als auf deren Inhalt? – Der Priester schweigt zu dieser Frage. Ob und welche Reliquien sich zum Zeitpunkt des Einbruchs in der Schatulle befanden, möchte er nicht sagen. Auch die Kriminalpolizei gibt dazu bisher keine Auskunft. „Aus ermittlungstaktischen Gründen“, heißt es.

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Die Original-Staurothek, das Vorbild der gestohlenen, wird derzeit ziemlich sicher verwahrt. Sie befindet sich in einem unterirdischen Tresorraum, eingegraben in den Felsen des Limburger Doms, in einer alarmgesicherten Vitrine. „Das ist Hochsicherheitstechnik“, sagt Matthias Kloft. Der Kirchenhistoriker leitet das Diözesanmuseum in Limburg, dessen Namensgeber und Prunkstück die Staurothek ist. Ihr Inhalt – ein Stückchen jenes Holzes, an dem angeblich Jesus Christus gekreuzigt wurde – wird nicht nur von orthodoxen, sondern auch von katholischen Gläubigen als Reliquie verehrt. „Versichert ist die Staurothek für mehrere Millionen Euro, ihr kunstgeschichtlicher und religiöser Wert ist aber unbezahlbar“, sagt Kloft.

Nach Limburg kam das byzantinische Meisterwerk im Jahr 1835, als Geschenk des Herzogs Wilhelm von Nassau an das Bistum. Zuvor war die Staurothek in einem Augustinerkloster. Ein Kreuzritter hatte sie nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1204 mitgebracht. „Er hat sie geraubt“, sagt Pfarrer Savvopoulos. In seiner Frankfurter Kirche weist ein Schild neben der inzwischen leeren Vitrine sehr deutlich darauf hin, dass sich das Original „heute als Raubgut im Diözesan-Staurothek-Museum Limburg“ befinde. Das Wort „Raubgut“ ist in roten Großbuchstaben geschrieben, unterstrichen und mit drei Ausrufezeichen.

„Eine sehr polemische Formulierung“, meint Museumsdirektor Kloft dazu. Der Ritter Heinrich von Ulmen habe die Staurothek erst zwei Jahre nach dem Kreuzzug „halbregulär übernommen“, klassisches Raubgut sei sie daher nicht. Nach Limburg kämen auch immer wieder orthodoxe Christen, um die Reliquie zu verehren, betont Kloft. Von der Frankfurter Kopie wusste er bisher nichts.

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