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Fühlen sich wohl in ihrer Studentenverbindung (von links): Thomas Rosche, Kilian Haßkerl, Hartmut Pott und Jochen Prinz.

Studentenverbindung "Hasso Nassovia"

„Und überall, wo man hinkommt, hat man Freunde“

Wie läuft das in einer Studentenverbindung? Findet man dort Freunde? Felicitas Ziebarth sprach mit dem Mitgliedern der Hasso Nassovia.

Ich stehe vor dem stattlichen Verbindungshaus der Hasso Nassovia. Im Haus werde ich herzlich empfangen. Da ist zum einen der 28jährige Jochen Prinz, der „Scriptor“ (Schriftführer), mit dem ich den Interview-Termin vereinbart habe. Er studiert im vierten Semester Jura. Er stellt mir Kilian Haßkerl, vor: sechstes Semester Jura. Dann ist da noch Thomas Rosche, 23 Jahre jung, Student der Wirtschaftswissenschaft. Alle drei wohnen im Verbindungshaus der Katholischen Deutschen Studentenverbindung (KDStV). Auch einer der „Alten Herren“ ist gekommen. Der Ex-Lehrer und Schulleiter Hartmut Pott, ist 70 Jahre alt und 1964 in der Verbindung aktiv geworden.

Warum seid Ihr in die Verbindung eingetreten?

KILIAN: In vielen Verbindungen wird das Haus als Werbemittel eingesetzt. Dann kommen viele und denken sich erstmal, hier kann ich kostengünstig wohnen. Viele haben dann noch gar nichts von Verbindungen gewusst und man denkt sich, die bleiben nicht lange. Aber erstaunlicher Weise ist das selten der Fall.

JOCHEN: Mit der Zeit bekommt man mit, was das alles bedeutet und wie die Verbindung aufgebaut ist …

POTT: Das muss sich derjenige ja auch nicht alleine erarbeiten. Dafür gibt es einen „Chargen“, den sogenannten „Fuxmajor“, der ist für die neuen Mitglieder zuständig und erklärt ihnen, wie es bei uns abläuft.

Der Fuxmajor ist dann wohl so etwas wie ein großer Bruder, oder?

POTT: Naja, also eher so etwas wie eine große Vertrauensperson.

THOMAS: Wobei es da nicht nur den Fuxmajor gibt. Nach einer bestimmten Zeit findet man eigentlich immer einen, mit dem man sich besonders gut versteht. Dann kann man sagen, dass man denjenigen gerne als Leibburschen hätte. Das ist eine besondere Vertrauensperson.

Also ist dieser Leibbursche eher so etwas wie der große Bruder?

KILIAN: Ja genau. Wir nennen uns ja auch Bruderschaft/Brüder…

Ich habe vom sogenannten „Zipfel“ gehört, einem Austausch des Anhängers, den ihr tragt. Pflegt Ihr diesen Brauch auch?

JOCHEN: Bei Leibburschen wird das oft gepflegt. Der Kilian zum Beispiel ist der Leibbursche vom Thomas. Kilian hat dann die Aufgabe, den Sicherungshalter mit Kette, einen großen Zipfel (Bierzipfel) und einen kleinen Zipfel zu bestellen. Den kleinen Zipfel behält Kilian, den großen und den Rest bekommt Thomas. Thomas könnte das dann genauso an einen Leibsohn weitergeben. So entstehen Bier-, bzw. Leibfamilien. Ein Zipfeltausch hingegen findet unter guten Freunden statt.

Jetzt wird mir auch klar, weshalb es Verbindung heißt… Ist so eine Leibvater und -sohn-Verbindung eine andere Art von Freundschaft?

KILIAN: Man hat viel miteinander zu tun. Aber sonst dasselbe wie mit unseren anderen Freunden auch.

THOMAS: Natürlich organisieren wir in der Verbindung auch viel gemeinsam, das schweißt zusammen.

Nicht umsonst sprecht ihr ja auch von einem Lebensbund.

JOCHEN: Daher ist es uns auch wichtig, dass sich die Neuen das Verbindungswesen erstmal anschauen. Es gibt auch mal Streit und stressige Zeiten. Da muss jeder für sich selbst, ebenso wie die Verbindung, entscheiden, ob das Verhältnis passt und ob so ein Leben das richtige ist. Man sollte das nicht halbherzig machen, denn wenn man dann letztendlich fest aufgenommen wird, sollte das dann auch ernst gemeint sein.

KILIAN: Man muss, wie in jeder Freundschaft, eben auch damit rechnen, dass es mal zu Streit kommt. Darüber muss man sich beim Eintritt im Klaren sein.

Das Verhältnis ist dann ja schon fast eher so wie in einer Familie…

POTT: Im Laufe meines Lebens habe ich viele Leute kennengelernt. Aber die wirklich engen Verbindungen, die kommen meist in den Verbindungen zustande. Andere Leute verliert man eher aus den Augen. Ein Beispiel: Beim Hochschulwechsel ist man verpflichtet, sich bei einer Cartellverbindung, unser Verband heißt Cartellverband, zu melden. So hat man an der neuen Hochschule sofort einen Kreis, an den man sich wenden kann.

Man hat also überall wo man hinkommt Freunde?

JOCHEN: Ja genau. Selbst, wenn man nicht den Hochschulort wechselt und einfach nur Urlaub macht oder so, dann schaut man einfach, welche Verbindung es vor Ort gibt, ruft da an und wird einfach eingeladen, dort zu übernachten.

KILIAN: Oft sind das Leute, mit den gleichen Hobbys und Interessen, weil man natürlich schon ähnliche Eigenschaften hat, wenn man Verbindungsstudent ist.

Wie war denn die Reaktion von eurer Familie oder von Freunden, nachdem ihr euch für den Eintritt entschlossen habt?

KILIAN: Mein Opa und mein Vater waren in einer Verbindung. Leider wird man oft von Fremden kritisch beäugt wenn man sagt: Ich bin Verbindungsstudent. Weil viele schon mal was Negatives darüber gelesen haben. Aber gerade Leute aus dem Freundeskreis finden das, was wir machen, oft toll und kommen auch zu Veranstaltungen von uns.

THOMAS: Bei mir war das ähnlich. Mein Vater ist auch in einer Studentenverbindung. So habe ich schon früh davon mitbekommen. Hier kam ich hin und habe mich gleich wohl gefühlt.

JOCHEN: Ich wusste eigentlich gar nichts von Studentenverbindungen, habe das nur mal im Geschichtsunterricht der Schule mitbekommen. Bei meiner Familie war erstmal kein Interesse für das Thema. Sie wussten auch nichts darüber. Dementsprechend war erstmal viel zu erklären. Dann fanden sie es aber auch ganz gut.

Zum Schluss würde mich noch interessieren, was das Beste und was das Nervigste an einem so engen Bündnis ist?

THOMAS: Sehr positiv ist auf jeden Fall der Start in die Verbindung, man wird dabei begleitet und unterstützt. Mich nervt ein wenig, dass es manchmal zu Unstimmigkeiten wegen des Haushalts kommt.

POTT: Man lernt, Verantwortung zu übernehmen. und Ideen einbringen, Man lernt, zu reden und sich zu engagieren, mit Kritik umzugehen. Gerade fürs spätere Berufsleben schult das ungemein.

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