Alles so schön bunt hier: Schüler der IGS Norden bekennen Farbe, wenn es um die Gleichbehandlung von behinderten und nicht behinderten Menschen geht.
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Alles so schön bunt hier: Schüler der IGS Norden bekennen Farbe, wenn es um die Gleichbehandlung von behinderten und nicht behinderten Menschen geht.

Schule

Ungewöhnliche Aktion in Frankfurt macht auf Down-Syndrom aufmerksam

  • VonSabine Schramek
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So bunt wie die Welt nun einmal ist, das wollen die Schüler der IGS Nordend in Frankfurt zeigen. Die ungewöhnlicher Aktion hat einen ernsten Hintergrund.

Frankfurt. Michelle (12) mag es gern bunt und glitzernd. Darum trägt sie ein orangefarbenes Sweatshirt und knallpinke Sneakers mit funkelnden Pailletten. Und dazu unterschiedliche Socken. Bei Letzterem machen all ihre Klassen- und Schulkameraden und ihre Lehrer mit. Nicht, weil alle es bunt und glitzernd mögen, sondern um ihre Schulaktion zum "Welt-Down-Syndrom-Tag" zu unterstreichen. Nicht nur ihre Füße sind voller bunter Socken, sondern auch endlose Wäscheleinen die sich über den gesamten Schulhof der IGS Nordend spannen.

Gebastelt und bemalt

Die meisten sind echte, frisch gewaschene Socken. Dazwischen hängen einige, die aus Papier gebastelt und bunt bemalt sind. Und auf rechteckigen Papierschildern das Wort #connect. "Verbinden" wollen sie. Nicht nur alte und schwache Menschen, die Rücksicht brauchen, sondern auch Menschen mit Trisomie 21, Autismus oder anderen Behinderungen, die die Gesellschaft vielfältig, bunt, heterogen und einzigartig machen. "Seit Montag haben wir alle Socken zusammengetragen, die wir finden konnten", sagt Max (13), der drei bunte Socken beigesteuert hat. "Wir an der IGS setzen uns immer ein. Und wenn man Chromosomen im Mikroskop ganz nah ran zoomt, sehen sie aus wie bunte Socken", so der Schüler der 9. Klasse.

Bei Kindern mit Trisomie 21 ist das Chromosom 21 in jeder Körperzelle dreimal anstatt zweimal vorhanden. Dabei liegt die Gesamtzahl der Chromosomen bei 47 statt 46. Trisomie 21 gilt als Ursache des Down-Syndroms. Auch auf der IGS Nordend sind Kinder mit Down-Syndrom. "Das ist doch klar und man merkt es gar nicht", sagt Noah (12). "Wir sind einfach alle zusammen. Michelle kenne ich schon seit 10 Jahren und wir sind seit dem Kindergarten zusammen", schwärmt er. Michelle bekommt leuchtende Augen und strahlt.

600 Schüler besuchen die Integrierte Gesamtschule. "80 von ihnen werden sonderpädagogisch besonders gefördert", so Alex Fels von der Schulleitung. "Da gibt es ein ganz breites Spektrum an Förderbedarf und Umsetzung. Das verbindet alle." Seit genau zehn Jahren macht der Caritasverband Frankfurt Jugendhilfe in der IGS Nordend. Dirk Petrat ist von Anfang an dabei. Seit 2018 beteiligt sich die Schule am "Welt-Down-Syndrom-Tag". "Momentan sind die 7. und 8. Klasse im Distanzunterricht. Trotzdem wollen wir alle mitnehmen. Für die Schulgemeinde ist es eine Herausforderung. Der Hashtag #connect ist dieses Jahr gleich doppelt sinnig, um Vielfalt und Gemeinsamkeit zum Thema zu machen. Um Verbindungen zu schaffen mit dem Down-Syndrom und in der Pandemie." Auch Kinder, die zu Hause lernen, sind dabei. Auf einer eigenen Seite wird die Aktion vorgestellt, gibt es Kurzfilme über Trisomie 21 und die Möglichkeit, eigene Fotos und Texte zu teilen.

Datum mit Symbolcharakter

Schon 2020 war der Aktionstag eine Herausforderung. "Da haben wir ihn komplett online gemacht, weil die Schulen am 16. März geschlossen waren", erinnert Förderlehrer Thorsten Pannke. "Mit Bildern von bunten Socken zu Hause." Dieses Jahr wurde der Aktionstag, der wegen der dreifachen Anzahl des Chromosoms 21 am 21.03 begangen wird, leicht verlegt, weil er auf einen Sonntag gefallen wäre. "Die Aktion ist einfach toll", sind sich alle einig. "Technisch funktioniert Distanzunterricht bei allen. Die Motivation zu halten, ist schwer", so Fels. Die Kinder strahlen, weil sie etwas gemeinsam machen können. Wünsche haben sie auch. Noah (12) und Anna (15) wollen, "dass alles wieder so wird, wie früher" und "dass Corona bald vorbei ist". Max wünscht sich, "dass die Kinos bald wieder aufmachen, damit wir mehr Lachen können und mehr Freiheit haben." Seit einem Jahr wartet er auf den neuen James-Bond-Film. "Es wäre viel besser, wenn Leute aufhören würden, zu glauben, dass Corona nur eine Grippe ist. Wenn die sich mal an die Regeln halten würden, wie wir alle zusammen hier, könnten alle bald wieder ganz normal leben. Es liegt an uns allen, dass der Ausnahmezustand irgendwann vorbei ist. Wir halten zusammen."

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