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Die Schöne und die Wirklichkeit: Odette Maniema Krempin, die sich als afrikanische Prinzessin ausgab, verlieh der Frankfurter Society Glanz und Exotik. Bis sich die Staatsanwaltschaft für sie interessierte. ..

Skandal-Prinzessin

Die unglaubliche Geschichte der Odette Maniema Krempin

Klingt wie ein Romanstoff, ist aber Realität: Das Leben von Odette Maniema Krempin könnte schillernder nicht sein. Angeblich Prinzessin aus Kongo, ganz sicher auch Betrügerin, verstand sie es, Menschen für sich einzunehmen. Nicht nur in Frankfurt. Jetzt widmet ihr der WDR gar eine fünfteilige Radioreportage.

Was hat die Frankfurter Society sie geliebt, sie verehrt, ihr gehuldigt! Diese Schönheit, diese Eleganz, dieser Luxus! Und dann auch noch von adligem Geblüt! Odette Maniema Krempin, Prinzessin aus Kongo, eroberte die feine Gesellschaft Frankfurts im Sturm, als sie 2004 wie aus dem Nichts auftauchte, um am Main Residenz zu nehmen. Aus persönlichen Gründen, wie sie seinerzeit zu Protokoll gab. Genauer ging es wohl nicht und wollte es auch niemand wissen. Es genügte, dass sie da war, dass sie den Partys und Bällen Glanz und Exotik verlieh. Männer verfielen ihr, Frauen bewunderten sie. Als Prinzessin Odette gar Honorarkonsulin von Kongo in Frankfurt wird, ist sie mit 33 Jahren die jüngste Diplomatin in Deutschland – und auf dem Olymp gesellschaftlicher Anerkennung angekommen. Sie lädt zur Charity-Gala in die Villa Kennedy, um Geld einzusammeln für ihr Deutsch-Afrikanisches Jugendwerk. Die Honoratioren der Stadt und B-Promis aus dem Showbusiness lassen sich nicht lange bitten. Rund 80 000 Euro sind es am Ende eines munteren Abends mit Fünf-Gänge-Menü, Musik und Varieté.

Mit dem bereitwillig gespendeten Geld lässt sie Schulen in ihrem Heimatland sanieren, Schulgeld für Kinder zahlen und Krankenhäuser unterstützen, so erzählt sie es ihren großherzigen Gebern gern. Und auch, dass sie Friedensbotschafterin der UNESCO sei. Die Frankfurter Society ist entzückt, hängt an ihren Lippen, öffnet Herzen und Börsen.

So hätte es immer weitergehen können. Bis sich ein Reporter-Team der TV-Magazins Frontal 21 für die Geschäfte der Prinzessin interessiert und plötzlich ein hässlicher Verdacht im Raum steht: Spendenbetrug, Veruntreuung, und der UNESCO-Titel sei auch erfunden.

Ein herber Schlag für die Umschwärmte, indessen auch für die spendenfreudige Frankfurter Gesellschaft. Die Begeisterung für die exotische Prinzessin ist dahin. 2009 beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft mit dem Verbleib von Spendengeldern. Das Verfahren wird eingestellt, das Kinderhilfswerk liquidiert. Der Titel der Konsulin wird ihr aberkannt, und schließlich steht gar der von ihr geführte Titel „Prinzessin“ in Frage. Auch Reichtum und Luxus sind Geschichte: 2012 muss Odette Maniema Krempin den Offenbarungseid ablegen.

Doch kurz darauf ist sie zurück, diesmal als Besitzerin einer Mine für seltene Erden, angeblich vom Vater geerbt.

Der neue Auftritt währt nur kurz. Bald darauf interessiert sich nämlich die belgische Polizei für sie, vor allem aber für ihren Lebenspartner Stephan de Witte, einen Wirtschaftsberater, der als vermisst gilt. Beide werden mit internationalem Haftbefehl gesucht. Odette taucht ab, mal wieder.

Der Geschichte der Odette Maniema Krempin, die sich nun nicht mehr in der Öffentlichkeit abspielt, ist der Reporter Lorenz Schröter (58) nachgegangen und zeichnet sie in fünf Episoden für die WDR-Radiosendung „

Tiefenblick

“ nach. Der Einstieg ist spannend: Max Krempin, Anfang 20, Sohn von Odette und Volker Krempin, wird von der belgischen Polizei festgesetzt, weil sein Konto Geldzahlungen von Stephan de Witte aufweist. Schröter trifft sich mit Max, der Kindheit und Jugend bei seiner Mutter und in einem hessischen Internat verbracht hat und eigenen Aussagen zufolge nichts weiß über die früheren Geschäfte seiner Mutter.

In Folge zwei, die am Sonntag, 7. Oktober, gesendet wird, lässt der WDR-Reporter Menschen aus Frankfurt zu Wort kommen, die mit Odette Maniema Krempin zu tun hatten: „Ihre ehemaligen Vermieter in Seckbach, frühere Freunde und alte Schuldner“, wie Schröter auf Nachfrage dieser Zeitung ankündigt.

Die Suche nach Odette Maniema Krempin führt ihn schließlich auf die Spur des Korruptionsskandals und nach Kongo, wo Stephan de Witte für den Schweizer Stahl- und Rohstoffkonzern Dufercoin Kinshasa tätig gewesen und womöglich in illegale Geschäfte im Stahlhandel, um Bestechung und Lotteriegeschäfte gar verstrickt sein soll. Mehrere Verhaftungen hat es in dieser Sache bereits gegeben.

Schröter geht schließlich auch der Frage nach, ob Odette Maniema Krempin noch am Leben ist. Schießlich meldeten Bild-Zeitung und Focus übereinstimmend den Tod der einst in Frankfurt Gefeierten. Doch im Juli 2016 entlarvt das Boulevardblatt die Rechnung für den in Goma ausgestellten Leichenschein als Fälschung.

Und Schröter sagt: „Ich habe an ihrem Grab gestanden, aber nicht hineingeschaut.“ Die bisherige Erfahrung lehrt, dass Odette Maniema Krempin immer für eine Überraschung gut war.

Es bleibt spannend.

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