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Amelie Spangler und Ileana Rosetti setzten sich dafür ein, dass die Flure der Psychiatrie des Universitätsklinikums Frankfurt freundlicher gestaltet werden. 

Uniklinik Frankfurt

Kranken einen Lichtblick geben - Umgestaltung der Flure der Psychiatrie

Nach einem Besuch in der Uni-Psychiatrie war für Amelie Spangler und Ileana Rosetti klar: So bedrückend darf es da nicht länger aussehen. Weil das Land dafür keine Mittel gibt, suchen die Frauen für ihr bereits gestartetes Projekt Spender.

Frankfurt - "Eher eine Kulisse, um einen ,Tatort' zu drehen", dachte Amelie Spangler, als sie vor gut einem Jahr zum ersten Mal die langen, düsteren Flure der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums in Niederrad sah. Ihrer Freundin Ileana Rosetti, mit der sie damals einen Vortrag in dem Gebäude besuchte, erging es ähnlich.

Bei diesem Gedanken blieb es nicht, sondern in beiden Frauen reifte ein Plan: "Wir wollen den Gang durch diese Flure leichter, anregender und freundlicher machen", haben sie sich vorgenommen. Bei der Klinik handelt es sich um einen denkmalgeschützten Bau aus dem Jahr 1930, entworfen von dem Architekten Martin Elsässer, der auch maßgeblich am Projekt "Neues Frankfurt" mitwirkte. Die schnurgeraden, langen Verbindungsgänge galten vor 90 Jahren als innovativ: So musste man nicht mehr durch die Bettenstationen gehen, um andere Abteilungen mit Wäsche oder Essen zu versorgen. Heute allerdings wirken die Flure eher trist und bedrückend.

"Das ist eine tolle Idee"

Um das zu ändern, arbeitete Grafikdesignerin Ileana Rosetti ein Konzept aus: Mit großformatigen, farbenfrohen Fotografien will sie die Wände ansprechender gestalten. Rund 100 Bilder könnten die insgesamt 200 Meter langen Gänge zieren, plant sie. "Klinikflure - it's a long way" nennen sie und Amelie Spangler ihr Projekt, das sie in Kooperation mit dem Verein "Bündnis gegen Depression Frankfurt" umsetzen wollen.

Oberärztin Christine Reif-Leonhard, Leiterin der Ambulanz in der Klinik, ist von dem Vorhaben und dem Engagement der beiden Frauen begeistert: "Das ist eine tolle Idee." Zumal die Klinik hier nicht selbst tätig werden könne, wie die Medizinerin bedauert: "Für so etwas gibt es leider keine Mittel und keine Möglichkeiten."

Mehrere Frankfurter Kunstschaffende haben bereits ihre Unterstützung für das Vorhaben zugesagt und wollen dafür Bilder unentgeltlich zur Verfügung stellen, etwa die Fotografen Oana Szekely, Marina Ackar, Farideh Diehl und Selim Say sowie die Künstlerin Mona Pop. Ihre Werke werden auf aluminiumbeschichtete Platten gedruckt, jeweils im Format 1,20 mal 0,65 Meter. Der Vorteil daran: Diese Platten sind stabil, nicht brennbar und können auch nicht zerbrechen - wichtig im Hinblick auf die Sicherheitsvorschriften in der Klinik. Welche Motive zu sehen sein werden, ist noch nicht klar. Farbenfroh und hell werden sie sein. Der Druck und das fachgerechte Aufhängen der Bilder kosten insgesamt rund 11 000 Euro. Um diese Summe aufzubringen, hoffen Amelie Spangler und Ileana Rosetti jetzt auf Spenden.

Therapeutischer Effekt

Von dem Projekt würden nicht nur die 140 Patienten profitieren, die oft mehrere Wochen auf den Stationen bleiben, sondern auch die 40 Patienten in der Tagesklinik. "Gerade bei psychischen Erkrankungen ist eine schöne Umgebung förderlich", sagt Christine Reif-Leonhard. Nicht zu vergessen die rund 400 Mitarbeiter der Einrichtung sowie etliche Besucher, die ebenfalls täglich durch die Gänge eilen. Diese Flure - der längste ist rund 40 Meter lang - seien so etwas wie die Lebensadern im Klinikleben, findet Amelie Spangler, die sich auch im Verein "Bündnis gegen Depression" engagiert. Umso wichtiger sei es, gerade hier für eine freundlichere Atmosphäre zu sorgen. Einen ersten Eindruck von dem Projekt kann man bei einer Vernissage am Mittwoch, 13. November, um 19.30 Uhr in der Kapelle der Klinik erhalten. Dabei soll ein exemplarisch umgestalteter Flurteil vorgestellt werden. "Und wenn wir das Geld zusammen haben, kümmern wir uns um die gesamte Umsetzung", kündigt Amelie Spangler an.

Hier kann man spenden

Um die Flure in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Uniklinik Frankfurt umgestalten zu können, sind die Organisatorinnen Amelie Spangler und Ileana Rosetti auf Spenden angewiesen. Das Projekt "Klinikflure - it's a long way" wollen sie in Kooperation mit dem Verein "Bündnis gegen Depression Frankfurt" umsetzen, auf dessen Konto Spenden eingezahlt werden können: IBAN: DE61 5005 0201 0200 6002 81, BIC HELADEF1822, Verwendungszweck: Klinikflure. Sponsoren können auf Wunsch neben den Bildern namentlich erwähnt werden. 

von Brigitte Degelmann

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