+
Eng wie Pommes sollten wir zusammenstehen, sagt Milan Dangol.

Kunstausstellung in der Bildungsstätte Anne Frank

Wo Unrecht vom Plakat schreit

  • schließen

Auf 350 Plakaten prangern Jugendliche Menschenrechtsverletzungen an. 50 der Plakate sind bis 6. September in einer Ausstellung in der Begegnungsstätte Anne Frank zu sehen.

Es ist der zweite Kunstwettbewerb der Begegnungsstätte Anne Frank. „Es war überwältigend und sehr schwierig“, sagt Philipp Mohr, der als Jurymitglied mehr als 350 Plakate zu sichten hatte. Die Hamburger Autorin Noah Sow, die ebenfalls in der Jury war, tröstete die Jugendlichen, die gestern, bei der Eröffnung der Ausstellung, nicht bei den Siegern waren: „Das ist kein Qualitätskriterium. Vielleicht lag es daran, dass Jurymitglieder meist älter sind als 30. Macht weier mit eurer Kunst.“ Schon am Vorabend hatte Noah Sow die Teilnehmer ermutigt, weiter Kunst zu machen.

350 Plakate waren zu bewerten. Der Wettbewerb stand unter dem Titel „Mensch, du hast Recht(e)“, die Plakate zeigten Visionen der Zukunft und Kritik an der Gegenwart. Milan Dangol (20) aus Offenbach beispielsweise hat Pommes in einer Pappschachtel fotografiert. „Stick together. Dem Nächsten näher“, steht darunter.

Er und Markus Knöll (20, Dreieich) machen eine Ausbildung zu Mediengestaltern und nahmen seitens ihrer Berufsschule, der August-Bebel-Schule Offenbach, an dem Wettbewerb teil. Markus hat einen Sonderpreis gewonnen mit seinem Plakat „Wirklich teilen!“. Darauf ist ein Smartphone zu sehen, auf dem gerade das Foto einer Mahlzeit „geteilt“ wird. Im Hintergrund steht ein Bettler. „Is this the way we share food today?“ fragt das Plakat. Für Knöll keine Frage: „Wir werfen so viel Nahrungsmittel weg, auch in den Restaurants und so, statt es denen zu geben, die hungern“, kritisiert er.

Zahlreiche Einsendungen und auch Sieger kommen in diesem Jahr aus Offenbach, aber nicht nur. Jakob Lauer (25) beispielsweise ist Stuttgarter. Sein Plakat „Wasser ist ein Menschenrecht“ zeigt in der Form eines großen Tropfens, wofür man Wasser verwenden kann. „Ich wollte nicht negative Bilder von Verdurstenden zeigen, sondern positive“, sagt er. „Konzerne kaufen Wasserrechte auf und verkaufen das Wasser dann in Plastikflaschen an die Leute, denen es gehört!“

Lauer, Knöll und Dangol sind in der Kategorie der Profis angetreten. Die vier Sieger (plus Sonderpreis) haben hier eine Reise nach Brüssel gewonnen, einschließlich Besuch im EU-Parlament. In der Kategorie „Nachwuchs“ sind die Gewinner etwas jünger, 17 Jahre. Eine Preisträgerin hier ist Jennifer Wenzl aus Sindelfingen. Ihr Plakat zeigt die Doppelhelix der DNA, verbunden mit weißen, braunen, gelben und schwarzen Menschen. „Wir sind alle aus dem gleichen Strang“, ist die Botschaft. Auch bei den Newcomern gab es fünf Gewinner. Sie können für ein Wochenende nach Amsterdam fahren.

In der Kategorie „Nachwuchs“ haben 15-Jährige ihre Einfälle zu Papier gebracht. Ein Plakat im Comic-Design von Kim Schneider aus Koblenz illustriert den Friedensnobelpreis für die EU, während im Mittelmeer Menschen ertrinken.

Die Siegerplakate und viele andere sind in der kleinen Ausstellung in der Bildungsstätte Anne Frank, Hansaallee 150, bis 6. September zu sehen. Außerdem ist die Erstellung eines Katalogs geplant. Dafür macht Philipp Mohr sich stark. Der Manager des Investmenthauses William Blair & Company hatte vor zwei Jahren die Idee zu dem Kunstwettbewerb. „Vor einem Jahr fand er zum ersten Mal statt“, berichtete er gestern. Während 2014 alle Arten von Kunst – Malerei, Film, Musik und Theater – eingereicht wurden, hat die Ausschreibung sich diesmal auf Plakate konzentriert. „Wir wollen unbedingt ein Buch daraus machen.“ Davon abgesehen kann die Ausstellung oder Teile davon später natürlich ausgeliehen werden. Auch die Veröffentlichung über Internet ist vorgesehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare