„Unser langer Kampf hat sich gelohnt“

Die Frankfurter Grüne Soße ist gerettet. Sie hat von der EU-Kommission das Gütesiegel „geografisch geschützte Angabe“ erhalten. 12 Jahre hat der Oberräder Kräutergärtner Rainer Schecker darum gekämpft. FNP-Redakteurin Julia Lorenz hat mit ihm über den Erfolg, den harten Kampf und die anstehende Hochsaison der sieben Kräuter gesprochen.

Herr Schecker, die Frankfurter Grüne Soße ist jetzt EU-weit als traditionelle Spezialität registriert. Laut Verordnung müssen die Zutaten nun aus Frankfurt oder angrenzenden Kommunen stammen und mit der Hand zu einem Gebinde verarbeitet worden sein. Sind Sie erleichtert?

RAINER SCHECKER: Und wie. Ich kann es noch gar nicht richtig glauben. Es war ein harter Kampf. Aber jetzt spielt unser regionales Produkt endlich in einer Liga wie der berühmte Serrano Schinken oder Rotwein aus Rioja, die auch nur in einem kleinen Gebiet produziert werden.

Warum ist es so wichtig, dass unsere Grie Soß’ jetzt geschützt ist?

SCHECKER: In Frankfurt gibt es nur noch rund zehn erzeugende Gemüsegärtner, die mit dem Weltmarkt, wenn es um Tomaten und Salate geht aber nicht mehr konkurrieren können. Wir haben aber unsere Frankfurter Grüne Soße, die wichtig für das Überleben der Betriebe ist. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal, damit wir in der großen Welt nicht untergehen.

Inwiefern?

SCHECKER: Die Grüne Soße ist etwas Besonderes. Sie hat eine lange Tradition. Da steckt viel Herzblut und Wissen drin. Es gibt kleine Betriebe, die nur die Grüne Soße haben. Für diejenigen ist die neue Verordnung jetzt der Rettungsanker für die Zukunft, um ihren Absatz zu sichern.

Und für die Verbraucher bringt das Gütesiegel auch Vorteile?

SCHECKER: Natürlich. Sie können sich jetzt sicher sein, dass in dem gekauften Päckchen auch wirklich die sieben frischen Kräuter Petersilie, Schnittlauch, Kerbel, Pimpinelle, Sauerampfer, Kresse und Borretsch enthalten sind, dass sie hier angebaut, gepflückt und verpackt wurden. Und vor allem: Das Mischungsverhältnis stimmt.

Das ist wichtig?

SCHECKER: Auf jeden Fall. Das ist wichtig für den Geschmack. Wenn zu viel Petersilie in den Bündeln ist, schmeckt es nur nach diesem Kraut. Und im nordhessischen Kassel machen sie Dill in die Grüne Soße. Das ist bei uns verpönt. Es gab aber auch schon Fälle, dass in das Bündel einfach Estragon gemischt wurde, weil ein anderes Kraut gefehlt hat. Das geht natürlich gar nicht. Das hat mit dem Original dann nichts mehr zu tun. Da wurden die Verbraucher getäuscht. Jetzt können sie sich aber sicher sein, dass dort, wo Frankfurter Grüne Soße drauf steht, auch Frankfurter Grüne Soße drin ist.

Zusammen mit dem „Verein zum Schutz der Frankfurter Grüne Soße“ und seinem Geschäftsführer Thomas Södler haben Sie seit 12 Jahren um die Eu-weite Registrierung gekämpft.

SCHECKER: Es war ein harter Kampf, aber er hat sich gelohnt. Wir sind immer dran geblieben, auch wenn es immer wieder neue Hürden und Verordnungen gab, die wir berücksichtigen mussten. Zwischendurch wollten wir sogar aufgeben, haben uns aber zum Glück wieder gegenseitig zum Weiterkämpfen motiviert. Letztendlich hat sich unsere Beharrlichkeit aber ausgezahlt.

Warum war es denn so schwierig, die EU-Kommission von unserem geliebten Gericht zu überzeugen?

SCHECKER: Wir mussten erst einmal belegen, dass die Grie Soß’ tatsächlich eine kulturelle Bedeutung für die Region hat. Und die EU-Bürokratie, die ist nun mal so eine Sache. Für uns war das Neuland, das wir betreten haben. Es war aber auch interessant. Wir haben viel gelernt und ich mag Herausforderungen. Vor einer Woche haben wir dann die ersten Signale gespürt, die uns positiv gestimmt hatten. Die Widerspruchsfrist war nämlich abgelaufen und es hatte keine Widersprüche gegeben.

Jetzt kommt die positive Nachricht aus Brüssel ja wie gerufen, direkt vor der heißen Phase des Jahres, wenn bei vielen Familien zu Ostern die Grüne Soße auf den Tisch kommt.

SCHECKER: Das passt wirklich wunderbar. Ich hatte mir gewünscht, dass es noch vor Ostern klappt. Beeinflussen konnten wir das aber nicht. Das war Zufall.

Wie steht es denn um die diesjährige Ernte der sieben Kräuter?

SCHECKER: Ostern ist in diesem Jahr für uns sehr früh. Da wachsen die Kräuter auf den Feldern noch nicht. Es ist draußen einfach noch zu kalt. In den Gewächshäusern geht es jetzt aber langsam los.

Aber der Winter war doch eigentlich sehr mild.

SCHECKER: Die Kräuter brauchen Wärme, Licht, Wasser und Dünger. Auch wenn es im Winter mild war, hat das Licht aber gefehlt. Die Sonne lässt sich erst ein paar Tage blicken. Aber die Kräuter brauchen zum Wachsen Zeit. Das geht nicht von heute auf morgen.

Heißt das, wir werden nicht alle Grüne Soße auf den Tisch bekommen?

SCHECKER: Doch. Jeder bekommt seine Grie Soß’. Aber wir können keine Massen verkaufen. Wir haben etwa 30 Prozent weniger Kräuter als im vergangenen Jahr. Das kann man in den Gewächshäusern sehen. Die sind nicht so voll wie sonst.

Und das ist nicht schlimm?

SCHECKER: Nein. Die Grüne Soße ist sowieso kein Massenprodukt. Das ist alles Handarbeit. Wir kennen hier jedes Blatt beim Vornamen. Und wenn es jetzt warm und hell bleibt und die Kräuter sprießen, dann klappt das auch mit Ostern. Ich bin da optimistisch.

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