Dieses verliebte Paar hat offensichtlich Frühjahrsgefühle. Foto: DPA
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Dieses verliebte Paar hat offensichtlich Frühjahrsgefühle.

Endlich Frühling

"Unsere Hormone kommen in Schwung"

Psychologin Julia Scharnhorst spricht im Interview mit Maximilian Beer über Frühlingsgefühle.

Frau Scharnhorst, der Duden erklärt Frühlingsgefühl als "Gefühl der Heiterkeit und Gelöstheit angesichts des erwachenden Frühlings". Was sagt die Psychologin dazu?

Das klingt ja fast schon poetisch. Es stecken aber vor allem biologische Gründe dahinter. Menschen sind abhängig von Rhythmen, sei es bei der Tages- oder der Jahreszeit. Das hat viel mit dem Tageslicht zu tun, das im Frühling mehr vorhanden ist als im Winter und unsere Hormonproduktion umstellt. Da geht es etwa um Melatonin: Es ist sehr lichtabhängig und beeinflusst, ob wir uns müde oder wach fühlen. Wenn wir wieder mehr Licht um uns haben, wenn es wärmer wird, kommen unsere Hormone in Schwung, wir haben mehr Energie. Wir fühlen uns nach draußen gezogen, und: Wir sehen mehr Menschen. Sei es in der Nachbarschaft oder im Park, wo wir Freunde treffen können.

Hat es etwas damit zu tun, dass man sagt: Es hat jetzt endlich mal Frühling zu sein?

Nein, ich denke, dass es spürbar so kommen muss. Wenn es im April noch schneit, kommen keine Frühlingsgefühle auf. Das Wichtigste ist, dass die Tage merklich länger werden. Auch muss sich etwas tun in der Natur: Wo blüht es schon? Danach suchen wir regelrecht.

Können Frühlingsgefühle in Lebenskrisen helfen?

Das können sie durchaus, wenn man sich sagt: Draußen startet die Natur wieder durch, also mache ich das auch. Bei einigen Menschen funktioniert das bestimmt. Auch kann der Energieschub aus der Trägheit des Winters heraushelfen, um Dinge endlich anzupacken, etwa einen neuen Job oder einen Umzug.

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Bei Redensarten verortet der Duden "Frühlingsgefühle haben" dann, wenn es darum geht, sich zu verlieben. Wie schauen Sie auf die Kombination Frühling und Liebe?

Jetzt wird es wieder poetisch. Und nun muss ich sagen, dass das nicht nur mit Liebe zu tun hat, sondern vor allem mit Sex. Der Frühling ist die Jahreszeit der Fortpflanzung. Natürlich sind wir Menschen da nicht so saisonal abhängig wie der Rest der Natur. Allerdings gilt auch hier, dass es zu dieser Jahreszeit viel mehr Möglichkeiten gibt, potenzielle Partner zu treffen, als es im Winter der Fall war. Auch hängt die Wahrnehmung von Attraktivität damit zusammen, wie der andere Mensch sich kleidet. Es ist etwas anderes, wenn kurze Klamotten Saison haben, als wenn wir alle in Wintermänteln stecken.

Interview: Maximilian Beer

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