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Ein junger Mann schüttet in Frankfurt Abfall in einen Mülltonne.

Recycling

Was mit unserem Müll passiert

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Deutschland erreicht mit seiner Recycling-Quote beim Müll im europäischen Vergleich einen Top-Wert. Wir zeichnen den Weg des Mülls aus unserer Region nach.

Kein Land in Europa bereitet mehr Abfälle wieder auf als Deutschland. „Deutschland führt die Tabelle mit einer Recycling-Quote von 66 Prozent an, das ist weit mehr als der EU-Durchschnitt (46 Prozent)“, heißt es in einem Bericht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) über die Recycling-Ziele im Jahr 2025.

Trotz der guten Noten in Sachen Recycling steigen in Deutschland seit Jahren die Müllberge. So ist von 2005 bis 2016 das Müllaufkommen um rund elf Prozent gestiegen, so die IW-Experten.

Zwar fallen in Hessen auch jedes Jahr Millionen Tonnen von Siedlungsmüll an, aber der hessische Müllberg ist im Gegensatz zum Deutschland-Trend nicht gewachsen. Er bewegt sich innerhalb der letzten fünf Jahren immer auf einem ähnlichen Niveau, nämlich 2,9 Millionen Tonnen. Das war rund die Hälfte des gesamten hessischen Müllaufkommens. Die restlichen Abfälle „produzierten“ Gewerbe und Industrie, wie Julia Stoye, Sprecherin im hessischen Umweltministerium, erläuterte.

Dass Müll nicht Müll bleibt, dafür sorgt in Hessen eine umfangreiche Verwertungskette. So werden zum Beispiel knapp 1,3 Millionen Tonnen des anfallenden Hausmülls recycelt und 800 000 Tonnen energetisch verwertet. Am Ende verbleiben knapp 6000 Tonnen, die auf Deponien gelagert werden müssen.

Wie die Verwertungskette des Mülls funktioniert, wird am Beispiel der Großstadt Frankfurt deutlich. Dort fielen im vergangenen Jahr rund 245 000 Tonnen Siedlungsmüll an. Um dessen Entsorgung kümmert sich in der Finanzmetropole der Entsorger FES. Sprecher Stefan Röttele erläutert die Verarbeitung: Der Restmüll werde im Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt thermisch verwertet. Bei der Verbrennung werde dann

Strom und Fernwärme

erzeugt. Knapp 30 000 Haushalte in Frankfurt würden so mit Fernwärme und 60 000 Haushalte mit Strom aus dem Müllheizkraftwerk versorgt.

Der Frankfurter Papiermüll landet in einer FES-Altpapieranlage, wird dort sortiert und von „Störstoffen“ gereinigt. Im Anschluss folge die Vermarktung des Papiermülls. Dieser werde zu Ballen gepresst und an Papierfabriken verkauft, die das Papier dann aufbereiten und wieder in den Wirtschaftskreislauf bringen.

In den Biotonnen werden Rohstoffe für die Herstellung von Biogas und Düngemittel gesammelt. Mit ihrer Hilfe lasse sich Bioenergie erzeugen – ohne Ackerflächen zum Beispiel für Mais-Monokulturen zu verschwenden. Auch Kunstdünger könnten Bauern durch Einsatz von Kompost einsparen. Außerdem lasse sich durch die getrennte Sammlung des Bioabfalls die Entstehung klimaschädlichen Methans auf Mülldeponien vermeiden.

Der „Plastikmüll“ wird in Frankfurt nach der Sammlung „umgeschlagen“. Auftraggeber der FES ist hier das Duale System Deutschland (DSD.). Die Plastikabfälle, auch Leichtverpackungen genannt, werden von der DSD abgeholt und zu Firmen mit Sortieranlagen gebracht. Ein „nicht bekannter“ Prozentsatz könne dabei wieder in die Stoffkreisläufe zurückfließen.

Ähnlich läuft es im Landkreis Limburg-Weilburg. Der Kreis unterhält einen eigenen Abfallwirtschaftsbetrieb, der den Mülls verwertet. Im Kreis hat die Abfallmenge im Jahr 2016 rund 96 000 Tonnen erreicht. Die Verwertungsquote des Abfalls ist hoch. Diese lag im Jahr 2016 bei rund 96 Prozent, so ist es im Abfallbericht des Kreises nachzulesen.

Im Hochtaunus- und im Main-Taunus-Kreis heißt der Entsorger RMD (Rhein-Main-Deponie-GmbH). Wie RMD-Geschäftsführer Markus Töpfer erläutert, verwerten die RMD und ihre Tochtergesellschaften mineralische Abfälle, Bioabfall und Grünschnitt sowie Elektro- und Elektronikaltgeräte.

Die Verwertung beziehungsweise Beseitigung liege beim Papier in den Händen der Kommunen, beim Plastik in der Zuständigkeit der jeweiligen Systembetreiber des grünen Punkts und beim Restabfall in der Zuständigkeit der Rhein-Main-Abfall GmbH.

Rund 1,9 Millionen Tonnen Abfall sind bei der RMD im Jahr 2017 angefallen. Für die Bioabfälle stehen zwei Vergärungsanlagen an den Standorten Flörsheim-Wicker und Brandholz (Neu-Anspach) zur Verfügung. Das Grüngut wird in zwei Biomassehöfe in Grävenwiesbach und Flörsheim-Weilbach verwertet, so Töpfer weiter.

Probleme gibt es beim Biomüll. Der hohe Plastikanteil sowie zunehmend auch ein erhöhter Glasanteil machen dem RMD-Geschäftsführer Sorgen. Viele trennen ihren Müll eben doch nicht so sorgfältig wie erforderlich.

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