Die Flüchtlingsunterkunft galt anfangs als Vorzeigemodell. Einige der Bewohner kritisierten jedoch den Betrieb. foto: Leonhard hamerski
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Die Flüchtlingsunterkunft galt anfangs als Vorzeigemodell. Einige der Bewohner kritisierten jedoch den Betrieb.

Alter Flughafen

Fiel durch schlechte Zustände auf: Flüchtlingsunterkunft in Bonames soll geräumt werden

  • vonFriedrich Reinhardt
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Die Stadt Frankfurt hat die Zahl der Bewohner in der Flüchtlingsunterkunft Bonames mehr als halbiert. Bald soll diese komplett leer stehen.

Frankfurt – Ein dreiviertel Jahr nach den Protesten in der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz hat die Stadt die Zahl der Bewohner deutlich gesenkt. Damit sollen die Wohnbedingungen verbessert werden. Derzeit leben laut der Diakonie Frankfurt, die die Unterkunft betreibt, noch 28 Familien, beziehungsweise 152 Personen in den Holzmodulbauten. Im Sommer waren es rund 330.

Frankfurt: Geflüchtete Familien haben auf dem Wohnungsmarkt schlechte Karten

Zwar ist es erklärtes Ziel des Sozialdezernats, für die geflüchteten Familien eigene Wohnungen zu finden und auch die Diakonie sucht nach Wohnungen für die Familien. Auf dem angespannten Wohnungsmarkt in Frankfurt ist das allerdings nicht leicht und selten von Erfolg gekrönt. Der größte Teil der ehemaligen Bewohner sei daher in anderen Unterkünften untergebracht worden, teilt das Sozialdezernat mit.

Im Sommer 2020 waren durch den Protest einiger Bewohner Missstände in der Unterkunft bekannt geworden. Die Hautkrankheit Krätze hatte sich ausgebreitet. Die Bewohner kritisierten, dass die Diakonie nicht angemessen dagegen vorgehe. Mindestens 45 Erkrankte zählte das Gesundheitsamt, als es den Fall untersuchte.

Ebenso klagten die Bewohner über kaum funktionierendes Internet, womit die Kinder vom Home-Schooling praktisch ausgeschlossen würden. Ein zentraler Kritikpunkt waren ungenügende Kochmöglichkeiten. Familien mit teils mehr als fünf Köpfen hatten teils nur zwei Kochplatten, mit denen es länger dauerte, eine Mahlzeit zuzubereiten.

Frankfurt-Bonames: Konflikt in Unterkunft eskalierte

Der Konflikt eskalierte, als die Stadt und Diakonie mithilfe der Polizei in den Morgenstunden des 2. Juli eine vierköpfige Familie und eine alleinerziehende Mutter und ihre Tochter in andere Unterkünfte brachte – gegen ihren Willen. Die alleinerziehende Mutter sprach später darüber vor dem Hessischen Landtag, als über eine Änderung des Landesaufnahmegesetzes debattiert wurde.

Ausgangspunkt vieler Probleme in Bonames war, dass die Unterkunft 2016 mitten in den Grüngürtel gebaut wurde. Eine adäquate Stromversorgung war kaum möglich, weshalb zusätzliche Herdplatten, die die Familien selbst angeschlossen hatten, zu einer ernsthaften Brandgefahr führten. Zudem war die Unterkunft für alleinstehende Männer vorgesehen, musste dann aber teils große Familien beherbergen, weil mehr geflüchtete Familien nach Frankfurt kamen.

Mit deutlich weniger Bewohnern seien solche Missstände entschärft worden, versichern Diakonie und Sozialdezernat. „Durch die Reduzierung der Bewohnerzahl hat sich die Lebensqualität deutlich verbessert, dies betrifft insbesondere die Themen Lärm und Nutzung des Waschmaschinen- und Trocknerraums. Größere Familien erhielten zwei Wohneinheiten, wodurch für die einzelnen Familienmitglieder mehr Raum und mehr Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung stehen“, heißt es in einer Stellungnahme der Diakonie.

Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt-Bonames: Ein Herd mit Ofen für jede Familie

Auch teilten sich nun drei Familien eine Gemeinschaftsküche, in der jeder Familie ein eigener Herd mit Backofen zur Verfügung stehe. „Im Rahmen der Möglichkeiten“ wurde auch das Internet verbessert. Bewohner könnten sich Laptops auszuleihen und das Internet in den Gemeinschaftsräumen nutzen. Um Konflikte in geordneten Bahnen zu lösen, habe sich ein Bewohnerrat gebildet und es fanden mehrere Bewohnerversammlungen statt, teilte das Sozialdezernat weiter mit.

In Reparaturen der Gebäude und Anlage investierte die Stadt rund 900.000 Euro. Doch das Ende ist absehbar. „Die Unterkunft wird spätestens Mitte Dezember 2021 geräumt“, so das Sozialdezernat. Danach werden die Häuser abgebaut. (Friedrich Reinhardt)

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