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Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (links) und Samson-Vorstand Dr. Andreas Widl im neuen Innovation-Center

Zukunftsgerichtet

Unternehmen Samson stärkt Frankfurter Stammsitz

Am Freitag hat die Samson AG im Osten der Stadt nach zweijähriger Bauzeit ein Forschungs- und Entwicklungsprüfzentrum in Betrieb genommen.

Wo Flüssigkeiten fließen und Gase strömen, kann man sich in Europa sicher sein: Das Frankfurter Unternehmen Samson hat seine Ventile und Regler im Spiel. Damit dies auch in der Zukunft so bleibt, hat sich das Unternehmen ein Forschungs- und Entwicklungsprüfzentrum geleistet für 22 Millionen Euro. Die Finanzierung haben die Eigentümer der AG, die Familie Sandvoss, aus eigener Kraft gestemmt und keine Fremdfinanzierung in Anspruch genommen und sich damit klar und langfristig zum Standort Frankfurt bekannt.

Für die moderne Forschungseinrichtung wurden rund zwei Kilometer Rohre verlegt, 40 Kilometer Stromkabel und 50 Kilometer Datenkabel gezogen sowie 250 Ventile verbaut, um zu prüfen und die bestehende Ventil- und Mess- und Regeltechnik weiterzuentwickeln. Samson kann im Rolf-Sandvoss-Innovation-Center sowohl Prototypen bauen, prüfen und Simulationen unter jeder erdenklichen Belastung und mit allen möglichen Medien – von hochaggressiven Flüssigkeiten bis Wasserdampf unter hohem Druck – durchführen. Sogar Feststoffe mit einer Partikelgröße bis ein Millimeter lassen sich in ihrem Fluss und Fließverhalten hier prüfen. Zusätzlich zu den klassischen Forschungsbereichen nimmt Samson auch zukunftsweisende Themen wie Datenanalytik und Cloud-Technologie auf. Der Fokus liegt im Zentrum ganz klar auf der Digitalisierung, in der Samson seine zukünftige Stabilität sieht.

Begonnen hat alles 1907, als Herman Sandvoss den „Regler ohne Hilfsenergie“ entwickelte und die Firma gründete. Diese Regler oder auch Ventile kommen dann zum Einsatz und können Prozesse steuern, wenn die Steuerung über Druckdifferenzen oder unterschiedliche Volumenströme gelenkt und geringe Regelabweichungen toleriert werden können.

Ein Ventil ist eben nicht nur ein Ventil, sondern kann in der Prozessindustrie steuern und regeln, das Ganze anhand von Messdaten und Flussparametern in Rohrleitungen. Mit Regelventilen ist Samson führend in Deutschland und Europa, in der Weltrangfolge der Mess- und Regeltechnikunternehmen auf Platz vier. „Samson kommt da ins Spiel, wo es nicht mehr trivial ist“, erläutert der Vorstandsvorsitzende Andreas Widl. Bis zu 50 Prozent der Regelventile in industriellen Prozessen würden immer noch von Hand eingestellt, obwohl es bereits automatisiert ginge. Seine Vision: Die Systeme sollen sich selbst optimieren. Den Weg in diese Richtung hat das Unternehmen bereits eingeschlagen und rüstet sich für die Herausforderungen der Zukunft. Die Transformation vom „Eisen“ in die „Prozessintelligenz“ soll das Rolf-Sandvoss-Innovation-Center einleiten und vorantreiben. „Die Googles und Amazons dieser Welt arbeiten an digitalen Lösungen für alle möglichen Anforderungen. Die entsprechende ’Hardware’ – z.B. einen Hersteller – kaufen sie sich dann einfach mit ihrer enormen Kapitalstärke dazu. Wir dagegen wollen diese Entwicklung für Samson in der Hand behalten und voranbringen“, begründet Widl den Schritt der Samson AG in die digitale Welt.

1907 gründete Hermann Sandvoss die Samson AG, die heute noch in Familienbesitz ist. Der Stammsitz ist seit 1916 Frankfurt. Samson beschäftigt weltweit 4000 Mitarbeiter. In Frankfurt arbeiten 1600. Der Umsatz belief sich im Geschäftsjahr 2016/2017 auf etwa 300 Millionen Euro. Weltweit setzte Samson in diesem Zeitraum 610 Millionen Euro um.

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