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Der Internet-Unternehmer Alexander Falk steht am Montag (23.07.2012) vor Prozessbeginn im Landgericht in Hamburg. Vor dem Hamburger Landgericht hat am Montag eine zweite Runde im Prozess gegen Falk begonnen. Die Staatsanwaltschaft will erreichen, dass Falk hohe Millionenbeträge abtreten muss, weil sie möglicherweise aus Straftaten stammen. Foto: Christian Charisius dpa/lno +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Auftraggeber gefasst?

Unternehmer soll für Schuss auf Harheimer verantwortlich sein

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Ein Mordversuch im beschaulichen Harheim? Zumindest wurde einem Anwalt dort am 8. Februar 2010 ins Bein geschossen. Der Täter ist unbekannt – dessen Auftraggeber möglicherweise nicht: Der Hamburger Unternehmer Alexander Falk wurde festgenommen.

Einige Harheimer erinnern sich auch noch nach acht Jahren gut an den 8. Februar 2010. An diesem Tag wurde ein bekannter Wirtschaftsanwalt auf offenen Straße vor seinem Auto angeschossen wurde. Eine Kugel traf ihn aus fünf Metern Entfernung ins Knie, wie die Polizei damals mitteilte. Nach dem Täter wird noch heute gefahndet. Festgenommen hingegen wurde nun aber am vergangenen Montag in Hamburg der mögliche Auftraggeber der Tat: Der Unternehmer und Miterbe des Falk-Stadtplan-Verlags, Alexander Falk (49).

Offiziell bestätigten wollte die Frankfurter Staatsanwaltschaft den Namen nicht. Ein Sprecher erklärte ein Sprecher nur, ein Hamburger Haftrichter habe wegen „Anstiftung zu einem Tötungsdelikt Haftbefehl gegen einen 49-jährigen Beschuldigten erlassen, der nun in Untersuchungshaft sitze. Die Alexander Falk Holding GmbH, vor deren Firmensitz Falk wohl verhaftet wurde, erklärte auf Anfrage, es gebe nichts mitzuteilen. Wenn sich das ändere, werde man sich dazu äußern.

Ein Schuss ins Bein, aus fünf Metern Entfernung – viele werteten das als Warnung. Ins Bild passen würde das, schließlich arbeitete der Anwalt aus Harheim damals an einer Zivilklage gegen Alexander Falk, in der es um 209 Millionen Euro ging.

Was war passiert? Falk und seine Schwester hatten von ihrem Vater dessen Stadtplan-Verlag geerbt und 1995 an Bertelsmann verkauft. Seinen Erlös von 25 Millionen Euro investierte Falk in verschiedene Unternehmen. Eines davon, die Firma Ision, verkaufte er 2000 für 812 Millionen Euro an die britische Energis plc. Doch Ision ging pleite – und Energis beschuldigte Falk, er und seine Mitarbeiter hätten mit Scheinbuchungen die Umsätze und damit den Kaufpreis von Ision in die Höhe getrieben. Falk bestritt das, wurde aber im Mai 2008 wegen versuchten Betrugs zu vier Jahren Haft verurteilt. Im August 2011 wurde er entlassen.

Schon kurz nach den Schüssen auf den Harheimer Anwalt brachte die Polizei Falk mit der Tat in Verbindung, weil der Jurist Energis in dem Schadensersatzprozess vertrat: Das Unternehmen wollte den bar bezahlten Teil des Kaufpreises, rund 209 Millionen Euro, von Falk zurück. Im September gab das Landgericht Hamburg den Briten recht. Doch Falk und seine Alexander Falk Holding legten Berufung ein, wie der Sprecher des Oberlandesgerichts Hamburg, Kai Wantzen, bestätigt. Die Berufung wurde jedoch zurückgezogen – ein möglicher Hinweis darauf, dass man sich außergerichtlich einigte.

Auf Falk kamen die Ermittler 2010 auch, weil der Anwalt mehrfach telefonisch bedroht worden war, auch in das gemietete Reihenhaus der Familie war eingebrochen worden – und einer der Drohanrufe kam nachweislich aus Hamburg.

Der Anschlag auf einen ihrer Nachbarn haben einige Harheimer nicht vergessen. Immer mehr Polizisten seien gekommen, um Spuren zu sichern, Anwohner zu befragen, auch eine Patrone fanden sie in einem Gebüsch. Ihr Sohn, sagt eine Dame, konnte kaum zu ihrem Haus gelangen, weil alles abgesperrt war. Auf dem Weg zu seinem Auto hatte der Angreifer den Anwalt abgepasst. Nachbar hörten einen Schuss und dann Hilferufe, andere sahen den verletzten Anwalt an einem Zaun lehnen, an der Ecke von Hermannspforte und Haintalstraße.

Nach dem Anschlag stand die Familie unter Polizeischutz, die Kinder wurden von Beamten zur Schule gefahren, die Familie zum Einkaufen begleitet. Selbst bei Eis und Schnee standen Wachen vor dem Haus. Zu einigen Nachbarn hatte die Familie offenbar ein gutes Verhältnis, man traf sich, half einander auch gelegentlich. Auch nach dem Anschlag lebte die Familie noch einige Jahre in Harheim. bis sie ein eigenes Haus kaufte und wegzog.

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