Wie das Bühnen-Bauwerk über dem Main aussehen könnte, hat der Immobilienunternehmer Karl Wolf entworfen.
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Wie das Bühnen-Bauwerk über dem Main aussehen könnte, hat der Immobilienunternehmer Karl Wolf entworfen.

Oper und Schauspiel

Unternehmer will Städtische Bühnen in Frankfurt auf die Brücke bauen

  • vonSylvia Amanda Menzdorf
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Ist das eine bühnenreife Idee oder ein Luftschloss? Ein Immobilienunternehmer schlägt vor, dass sich Frankfurt für den Neubau von Oper und Schauspiel an Venedig orientieren sollte.

Frankfurt -Eine kühne Vorstellung: Schauspiel und Theater könnten in einem den Main überspannenden Neubau ihre neue Adresse finden, die Untermainbrücke könnte zur "Opern-Brücke" werden. So jedenfalls malt sich der Hanauer Immobilien-Unternehmer Karl Wolf die Zukunft der Frankfurter Kulturstätten aus. Einen Entwurf hat er bereits gefertigt. Er zeigt ein spektakuläres Bauwerk mit einer gewissen futuristischen Anmutung. "Die Rialtobrücke in Venedig ist natürlich viel schöner", räumt Wolf mit diesem selbstgewählten Vergleich zu dem weltberühmten Bauwerk über den Canal Grande ein.

Freilichtbühnen für die Zukunft - wegen Corona

Sein Entwurf einer Opern-Brücke, sagt er, sei angepasst an die heutige Zeit. Seine Vorlage sieht zudem zwei Freilichtbühnen vor. "Je eine links und rechts der Brücke", sagt Wolf. Freilichtbühnen seien ein Zukunftskonzept. Weil sie attraktiv seien, und weil sie lufthygienisch optimale Bedingungen böten. "Dass wir Freilichtbühnen brauchen, führt uns gerade Corona vor Augen." Michael Guntersdorf, Leiter der Stabsstelle "Zukunft der städtischen Bühnen", beschäftigt sich seit zweieinhalb Jahren mit dem Thema Neubau der Kulturstätten, in enger Abstimmung mit Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD). Nahezu keine Idee, die in dieser Zeit nicht schon an ihn herangetragen wurde. Nahezu keine, die er nicht schon gehört hätte. Die Präferenzen der Kulturdezernentin sind bekannt: Sie sieht die Spielstätten auch zukünftig am Willy-Brandt-Platz. Dafür bekam sie in der zurückliegenden Wahlperiode die Unterstützung ihrer Partei und die der Grünen.

Den früheren Koalitionspartner CDU indessen zog es Richtung Osthafen. Auf einem gewerblich genutzten Grundstück sollen Schauspiel und Oper entstehen, direkt am Main. "Das Gelände haben wir gründlich untersucht", teilt Guntersdorf den aktuellen Wasserstand mit. Über das Ergebnis bewahrt er vorerst Stillschweigen. Mit der Vorlage des Abschlussberichts habe er bewusst gewartet bis nach der Kommunalwahl. "Das Thema sollte durch den Wahlkampf nicht politisiert werden", so seine Überlegung.

Die Statik gibt es wohl nicht her - und das ist das kleinste Problem

Guntersdorf weiß um Attraktivität und Anziehungskraft, die das Wasser auf die Menschen ausübt. Grundsätzlich, sagt er, sei er jeder neuen Idee gegenüber aufgeschlossen. Die Vorstellung, eine Mainbrücke dermaßen zu überbauen, dass Oper und Bühne Platz fänden, sei wahrscheinlich kaum überbietbar in punkto Wassernähe. Indessen sprächen bereits grundlegende praktische Betrachtungen dagegen: Zum einen sei der Main als Bundeswasserstraße wichtig für lebhaften Frachtschiffsverkehr, der Störungen oder Unterbrechungen durch langanhaltende Bauarbeiten kaum dulden könnte.

Nizza und Museumsufer wären verdeckt

Zum anderen sprächen wohl auch Fragen der Statik dagegen, eine bestehende Brücke mit einem kolossalen Aufbau zu versehen. Weitaus wichtiger aber als solche Erwägungen seien die der Ästhetik. Eine zur Opern-Brücke baulich aufgeblähte Untermainbrücke würde das attraktive Main-Panorama verdecken: die einzigartige Villenbebauung am Museumsufer etwa oder das Nizza mit seiner einzigartigen mediterranen Bepflanzung. Allein deshalb, sagt Guntersdorf, sei ein Brückenüberbau nicht vermittelbar.

Charmant dagegen finde er die Idee, schwimmende Freilichtbühnen zu errichten. "Als alternative Spielorte vielleicht", sinniert er.

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