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Unterstützung für Iraner: Fast Zwei-Kilometer lange Menschenkette in Frankfurt

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Mit der Menschenkette am Eisernen Steg wollen die Demonstrierenden die Demokratiebewegung im Iran unterstützen. FOTO: Rolf Oeser
Mit der Menschenkette am Eisernen Steg wollen die Demonstrierenden die Demokratiebewegung im Iran unterstützen. © Oeser

Der Kampf für Freiheit der Iraner hält auch in Frankfurt an, die Teilnehmerzahl bei der Querdenker-Demo sinkt dagegen rapide.

Frankfurt -Demonstrationen halten Frankfurt samstags weiterhin auf Trab. Vor dem MyZeil steht Seebrücke und fordert die Entkriminalisierung von Seenotrettern. Auf dem Römer bereiten sich Iraner auf eine Demo zum Roßmarkt und anschließender Menschenkette am Eisernen Steg für Freiheit im Iran und gegen das Mullah-Regime vor. Zeitgleich treffen sich Querdenker auf dem Rathenauplatz und an der Taunusanlage für zwei getrennte Demonstrationszüge durch die gesamte Innenstadt. An der Hauptwache beginnt eine Pro-Palästina-Demo.

Um das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Gruppen zu vermeiden, sperrt die Polizei die Strecken jeweils kurzfristig ab. Die Querdenker hatten Landwirte aufgerufen, sich am Protest zu beteiligen. 15 Traktoren werden avisiert. Nach Querdenker-Aussage sollten sich „nach dem großem Erfolg am 8. Oktober noch mehr Landwirte mit Traktoren anschließen.“ Damals waren es sechs, jetzt sind es zwei. Statt der angekündigten 350 Teilnehmer zählt die Polizei an der Spitze 160 Teilnehmer. Lautes Sirenengeheul der Querdenker zeigt, dass es ohnehin kaum um Landwirte geht. „Demokratie bedarf Pluralität in den Medien“, „Frieden schaffen ohne Waffen“, „Repariert & öffnet Nord-Stream 2“, „Politiker & Medien Hand in Hand, schaden unserm ganzen Land“ und „Wann sagst Du nein“ ist auf Plakaten zu lesen. Man fordert „Freiheit“. Deutschland- und Griechenland-Flaggen wehen, Russlandflaggen sind diesmal nicht dabei. Eine Frau malt mit Kreide eine durchgestrichene Spritze vor ein Lokal.

Die Restaurantgäste, die von Demo-Teilnehmern fotografiert und gefilmt werden, wenden sich genervt ab und schütteln den Kopf. Zur Querdenker-Demo „Agenda 2023“ am Rathenauplatz kommen gerade mal 20 Teilnehmer. Passanten gehen schnell weiter. Vom Römer kommen nach Polizeiangaben gut 400 Menschen auf dem Roßmarkt an, um für Freiheit im Iran zu demonstrieren. Aus Solidarität zu den Protesten im Iran gegen die Gewalt, zur sofortigen Freilassung politischer Gefangener und mit der Forderung an die Bundesregierung, Sanktionen gegen das Regime in Teheran zu verschärfen. Am 13. September wurde im Iran die 22jährige Mahsa Amiri von der Sittenpolizei verhaftet, weil sie ihren Hijab nicht ordnungsgemäß getragen hatte. Drei Tage später starb sie. Noch während die Versammlung anhält, kommen Tausende an den Main, um ebenfalls Solidarität mit den Protesten im Iran und vielen weiteren Ländern zu zeigen. Iranische Flaggen wehen, Rufe von „Frieden, Leben, Freiheit“ werden laut und „weg, weg, weg, die Mullahs müssen weg“. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne), hält eine hoch emotionale Rede. Ebenso wie die Teilnehmer der Kundgebung fordert sie Sanktionen gegen den Iran. „Jeder sollte aufstehen und seine Stimme gegen die Gewalt und Unmenschlichkeit im Iran erheben“, sagt sie. Auf dem Eisernen Steg und am Mainufer bis zur Friedensbrücke stehen Frauen und Männer mit Schildern in der Hand und bilden eine zwei Kilometer lange Menschenkette. Mehr als 3000 Teilnehmer zählt die Polizei. „Rise with the women of Iran“, steht auf Schildern. „Steht auf mit den Frauen im Iran“. Bilder mit abgeschnittenen Zöpfen und Fotos von brutalen Polizeieinsätzen in Teheran werden ebenso hochgehalten wie Bilder protestierender Frauen und Plakate mit Fotos von durch das Regime getöteten Männern und Frauen.

„Baraye“ wird immer wieder gespielt, das Lied des iranischen Widerstands. Das Lied, das „Für“ heißt und von einem jungen Iraner noch vor Aminis Tod geschrieben wurde. Zwei Wochen lang wurde der Künstler inhaftiert. „Für Freiheit“, „Für Frauen“, „Für die Intellektuellen in Gefangenschaft“, „Für die bedeutungslosen Parolen“, „Für den Frieden“ heißt es nicht nur im Lied, sondern auch auf unzähligen Plakaten, die junge Frauen mit einer Rose in der Hand tragen. Sie alle, die hier auf die Straße gehen, können in absehbarer Zeit nicht mehr in den Iran reisen, ohne fürchten zu müssen, im Gefängnis zu landen oder gefoltert zu werden. SABINE SCHRAMEK

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