+
Die Feuerwehr versucht nach einem Starkregen, Gullydeckel in einer überfluteten Unterführung zu öffnen.

Wetter-Chaos

Unwetter in Hessen: Dorf im Kreis Limburg-Weilburg traf es am heftigsten

Tagelang wüteten Unwetter über Hessen. Auch in der Nacht zu Freitag flutete Starkregen Straßen und ließ Keller volllaufen. Menschen verletzten sich nicht. Für ein Rehkitz wurde die Feuerwehr zum Retter. Den Ort Edelsberg im Kreis Limburg-Weilburg traf es besonders heftig.

Nach einer Nacht auf Freitag mit Blitz, Donner und Starkregen wird sich die Unwetterlage über Hessen aus Expertensicht entspannen. "Wir können vorsichtig Entwarnung geben", sagte der Meteorologe Markus Übel vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Freitag. Am Samstag könne es lokal noch einzelne Gewitter geben, aber nicht mehr in der Heftigkeit der vergangenen Tage. Ab Sonntag erobere dann überwiegend freundliches Wetter den Himmel über Hessen.

In der Nacht zu Freitag war erneut eine Gewitterfront über Teile des Bundeslandes gezogen und hatte einige Schäden verursacht. Menschen verletzten sich nach Auskunft der Behörden nicht. Deutlich heftiger traf es das Nachbarland Rheinland-Pfalz das im Zentrum der Unwetterfront lag.

In Wiesbaden zählten die Rettungskräfte in der Nacht zu Freitag rund 130 Einsätze, teilte die Feuerwehr mit. Starkregen überflutete Straßen, hob Gullydeckel und ließ Keller vollaufen. Blitzeinschläge lösten automatische Brandmeldeanlagen aus. An einer Baustelle stürzte ein Baugerüst um, die Helfer räumten abgebrochene Äste von den Straßen.

Auf der Autobahn 3 bei Wiesbaden spülte nach Polizeiangaben Regen bei einer Baustelle angehäufte Erde auf die Fahrbahn, im Rheingau blockierten heruntergefallene Äste die Bundesstraße 42 bei Oestrich-Winkel. In Südhessen stürzten nach Angaben der Polizei einige Bäume um, im Rheingau meldeten Anwohner einige vollgelaufene Keller.

Heftig gelitten hatten Anwohner des Ortes Edelsberg im Kreis Limburg-Weilburg in den vergangenen Tagen. Dort war nach Angaben von Technischem Hilfswerk (THW) und Feuerwehr mehrfach eine Schlammlawine von einem höher gelegenen, aufgeweichten Acker durch den Ort geflossen. Nach einem Bericht von hessenschau.de zuletzt am Donnerstag. "Wenn einem drei- oder viermal die Garage volläuft, das muss man erst mal verkraften", sagte ein lokaler Feuerwehrsprecher. Inzwischen seien aber Gebäude und auch der Acker so gut es ginge mit Sandsäcken gesichert, sagte THW-Einsatz-Referatsleiter Marcel Ocker. Zudem solle sich die Wetterlage ja nun entspannen.

Die anhaltenden Unwetter seit dem 27. Mai seien auch für die Helfer eine besondere Belastung, sagte Ocker. Für viele habe es kaum Erholungsphasen zwischen den Einsätzen gegeben. So eine lange Reihe von Unwettern sei nicht alltäglich.

Das bestätigt auch der DWD-Wetterforscher: Gewitter seien für diese Zeit des Jahres zwar normal, ungewöhnlich sei aber die lange Dauer der Wetterlage mit hochsommerlichen Temperaturen. "Wir hatten das jetzt fast über eine Woche hinweg", so Übel. Dabei sei am Freitag erst der meteorologische Sommeranfang gewesen.

Seit Beginn der Woche hatten immer wieder Gewitter mit Starkregen in Hessen teils schwere Schäden angerichtet. Hunderte Helfer waren im Einsatz. Am Dienstag hatte beispielsweise ein Unwetter Wasser ins Untergeschoss der erst vor einem Monat eröffneten Uni-Bibliothek in Marburg gespült. Wie hoch der entstandene Schaden ist, wird nach Angaben der mittelhessischen Hochschule von Freitag noch ermittelt. Derzeit sichern Sandsäcke Lichtschächte, durch die das Wasser eingedrungen war. Zahlreiche Freiwillige hatten geholfen, die Säcke zu befüllen, berichtete eine Uni-Sprecherin.

Eine gute Nachricht hatten die Einsatzkräfte am Freitag auch zu bieten: . Sie brachten ihren Schützling auf die Wache und wärmten ihn auf, dann wurde er Wildtierfreunden für die weiter Pflege übergeben. Das Kleine war den Angaben nach wohl wegen des Unwetters in den stark angeschwollenen Salzbach geraten. Als die Wassermassen wieder weniger wurden habe sich das geschwächte Tier zwar ans Ufer retten können, sei aber nicht aus eigener Kraft aus dem Bachgraben hinausgekommen.

(dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare