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Ein roter Zylinder ist das Symbol der Spendenaktion von Konrad von Bethmann. Motto: Der Hut gehört nach oben. So kämpft er dafür, dass der Lange Franz seine alten Spitze zurück bekommt.

Langer Franz

Wie ein Ur-Frankfurter für den Rathausturm kämpft

Für die originalgetreue Rekonstruktion des Langen Franz, des im Krieg teilweise zerstörten Rathausturms, setzt sich Konrad von Bethmann ein. Vor allem der Hut, die Notspitze, ist ihm ein Dorn im Auge. Um dies zu ändern, ruft er zu einer Spendenaktion auf, ist sogar bereit, die eingehenden Summen zu verdoppeln.

Der Lange Franz soll, wenn es nach Konrad von Bethmann geht, allen Frankfurtern zu Herzen gehen, am Herzen liegen. Ihm jedenfalls ist die markante Spitze des Rathausturms, der seit der Zerstörung im März 1944 nurmehr ein Notdach hat, echte Herzensangelegenheit. Der Wiederaufbau des Langen Franz, das ist die Idee von Bethmanns, soll eine breite bürgerschaftliche Bewegung werden, ein Bekenntnis der Frankfurter zum architektonischen Ausdruck einer selbstbewussten Demokratie.

Deshalb ruft er die Frankfurter zu Spenden auf. Kein Betrag ist zu gering. „Lieber als drei Großspender sind mir viele Frankfurter, die mit einer kleinen Zahlung zum Gelingen beitragen“, so Konrad von Bethmann. Und er hat ein Angebot an alle Geldgeber: Jede Zahlung will er verdoppeln, sofern sie 120 Euro nicht übersteigt. Die Gesamtkosten für den Langen Franz sind mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt. Bethmanns Ziel ist es, 1 Million Euro an Spenden einzusammeln. Die übrige Bausumme soll die Stadt beisteuern.

Konrad von Bethmann weiß, dass es keine Garantie für den Erfolg gibt. 1984 sei er als junger Mann Zeuge geworden, wie sein Vater Johann Philipp Freiherr von Bethmann sich für den Aufbau des Langen Franz einsetzte. „Er hat dem Dezernenten Haverkamp für die Idee begeistert und der Stadt 120 000 Deutsche Mark als Zuschuss zugesichert.“

Hans-Erhard Haverkampf war der rührige Baumeister des baufreudigen Oberbürgermeisters Walter Wallmann. Das Anliegen Langer Franz schien bei ihm in guten Händen. Indessen: Die erhoffte Initiative der Stadt sei aber ausgeblieben.

Mehr als Kosmetik

Vielleicht ist diese frühe Erfahrung ein Grund dafür, dass er sich im Brückenbauverein, dessen Vorstandsmitglied er nun ist, für Restaurierung und Rückkehr des goldenen „Brickegickel“, Wahrzeichen der Alten Brücke, stark gemacht hat.

Konrad von Bethmann spricht gern von Symbolik und Identifikation, wenn von der Wiederherstellung alter Bauelemente in der Stadt die Rede ist. Freundlich erklärt er jedem, der den Wiederaufbau des Langen Franz als Bemühung um bloße Kosmetik abzutun versucht, dass es genau das nicht sei. Vielmehr gehe es darum, der Demokratie auch optisch zur Geltung zu verhelfen, indem man auch sie sichtbar mache in der Silhouette der Stadt. „Neben die Türme der Kirchen und Banken gehört selbstverständlich der Rathausturm“, lautet sein Credo.

Die Spitze aufwerten

Die der Begeisterung für die Idee vom Aufbau des Langen Franz habe der Architekt Christoph Mäckler sich vor etwa zwei Jahren anstecken lassen. „Die mit 70 Metern Höhe weithin sichtbare Spitze des Rathausturmes würde Frankfurts Stadtbild eindrucksvoll aufwerten“, schwärmt von Bethmann. Die Baupläne aus den achtziger Jahren könnten mit einigen Anpassungen an modernen Erfordernisse verwendet werden.

Mit größtem Vergnügen erzählt er die Geschichte des Langen Franz: dass dessen Bezeichnung zurückgeht auf Franz Adickes, der von 1891 bis 1912 Oberbürgermeister war. „Er war ein großgewachsener Mann.“ Weil die Frankfurter wohl von jeher einen gewissen Hang zu mildem Spott hatten, verpassten sie der Turmspitze den Volksmund-Namen desjenigen, der unter seinem Dach seinen Tagesgeschäften nachging: Langer Franz.

Höchster Profanbau

Seinerzeit war er der höchste Profanbau der Stadt. Zudem war die Silhouette der imposanten Turmspitze schon zuvor jahrhundertelang Teil des Stadtbildes, denn der Turmhelm war der Spitze des alten Sachsenhäuser Brückenturms nachempfunden, der von 1345 bis 1765 auf der Südseite der Alten Brücke thronte.

Dieser baugeschichtlichen Bedeutung zum Trotz erhielt der im Krieg zerstörte Rathausturm danach nur ein Notdach. „Eine Übergangslösung, die der Lange Franz mittlerweile länger erträgt, als seinen großen, repräsentativen Originalaufbau“, so von Bethmann.

Damit der Wiederaufbau des Langen Franz nicht länger eine schöne Vision bleibt, sondern Wirklichkeit werden kann, will Konrad von Bethmann möglichst viele Frankfurter um Mithilfe bitten: „Damit wir alle als selbstbewusste Bürger dazu beitragen, unserer Stadt ein identitätsstiftendes und hoch symbolisches Element zurückzugeben und wir durch unser aller Engagement die Politik in die Pflicht nehmen.“

Starke Ansage. Der der Brückenbauvereinvorsitzende sogleich sein Versprechen folgen lässt: Er verdoppelt jede noch so kleine Spende.

Das geht so: Bei Banküberweisung im Feld Verwendungszweck „Langer Franz“ und den Zusatz “+B“.

Natürlich hat der rührige Spendeneinsammler auch schon prominente mehrere Mitstreiter gefunden: Petra Roth, die frühere Oberbürgermeisterin, ist dabei und auch Thomas Bäppler-Wolf alias Bäppi La Belle auch.

Der Slogan der Aktion: Der Hut gehört nach oben. Das Symbol: ein roter Zylinder.

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