Guido Massar sitzt am Schreibtisch seines Reisebüros „Ferienwelt Massar“.
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Nach Corona-Pause zieht das Geschäft mit dem Urlaub wieder an: Guido Massar, Inhaber des Reisebüros „Ferienwelt Massar“ in Frankfurt.

Sommerurlaub in Corona-Pandemie

„Reißen uns alles aus der Hand“: Frankfurter Reisebüros erleben riesigen Ansturm

  • Thomas J. Schmidt
    VonThomas J. Schmidt
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Durch Corona war Urlaub lange Zeit kaum möglich. Nun können sich die Reisebüros in Frankfurt kaum vor Anfragen retten.

Frankfurt – Lange ging gar nichts, jetzt brummt das Geschäft in den Reisebüros der Stadt. Die Sommerferien nahen, und viele suchen jetzt, da sich die Corona-Situation entspannt, schnell noch einen Platz an der Sonne. "Wir sind seit fünf Wochen überlaufen", berichtet Guido Massar, Inhaber von Ferienwelt Massar in Bornheim. "Die Kunden reißen uns alles aus der Hand." Seine Mitarbeiter freut es, können sie doch nach 13 Monaten Kurzarbeit endlich wieder Geld verdienen. Besonders gefragt seien bei ihm Griechenland, Spanien, aber auch Fernreisen wie etwa in die Dominikanische Republik. "Etwa 50 bis 70 Prozent der Reisen führen nach Griechenland", sagt Massar. Der Grund seien die vergleichsweise guten Einreisebedingungen.

Dass die Hotelbetten knapp werden, fürchtet Massar indes noch nicht. "Die Kapazitäten sind da, die Hotels öffnen gerne wieder." Allerdings steigen die Preise. Massar gibt ein Beispiel: "Eine Woche Mietwagen auf Ibiza: Normalerweise 280 Euro. Vor einer Woche wurden 600 Euro gefordert, inzwischen sind es 900 Euro."

Urlaub trotz Corona: Reisebüros in Frankfurt bekommen viele Anfragen

Karen Wittel, Geschäftsführerin der Atambo GmbH im Westend, erlebt einen ähnlichen Andrang: "Seit vier Wochen haben wir sehr viele kurzfristige Anfragen. Es ist wie 2019, vor Beginn von Corona", freut sie sich. Hauptreiseziele bei ihr: Griechenland und die Kanaren. "Innerhalb der Europäischen Union hat man Vorteile, wenn man geimpft ist", sagt sie, "aber ein PCR-Test ist in den meisten Fällen erforderlich."

Und was, wenn die Corona-Fallzahlen doch wieder steigen? Einfach selbst den Urlaub stornieren, das dürfte in Zukunft nicht mehr so leicht sein, warnt die Reiseveranstalterin. "Jeder, der jetzt bucht, weiß um dieses Risiko." Allerdings bekomme man sein Geld zurück, wenn der Reiseveranstalter oder die Fluggesellschaft den Sommerurlaub absagt.

Auch am Flughafen suchen Interessierte ihre Ferienziele: "Portugal, Spanien, Griechenland und die Türkei sind sehr begehrt", berichtet Onur Pemizsoy von Sky Travel im Terminal 2 D. "Die Quarantäne nach Türkeireisen wurde jetzt gerade aufgehoben", weiß er. "Und wir merken alle: Die Preise ziehen an, im Vergleich zum Vormonat."

Urlaubsgeschäft in Frankfurt: Kein Vergleich zu Sommer ohne Corona

Der Deutsche Reiseverband bestätigt diese Beobachtungen: "Bei den aktuell eingegangenen Buchungen für den Sommer 2021 befindet sich die Türkei hinter Griechenland und Spanien auf Platz 3. Insgesamt ist allerdings zu berücksichtigen, dass derzeit gerade einmal rund ein Drittel der Buchungen im Vergleich zu 2019 - einem "normalen" Sommer ohne Corona - getätigt worden sind", sagt Verbandssprecherin Kerstin Heinen. "Jeweils etwa 40 Prozent der gebuchten Umsätze haben das westliche oder das östliche Mittelmeer zum Ziel."

Das Jahr 2021 fordere Flexibilität von allen Beteiligten. "Wir sehen, dass, sobald sich ein Zielgebiet öffnet und auch keine Quarantänemaßnahmen zu erwarten sind, die Buchungen anziehen. Die Urlaubslust ist da und die Menschen sehnen sich danach rauszukommen." Dennoch, auch 2021 werde voraussichtlich nicht den Umsatz von 2019 erreichen, sondern nur etwa die Hälfte davon, schätzt Heinen. Besser als im Vorjahr, wo der Umsatzeinbruch 80 Prozent betragen habe.

Urlaub trotz Corona: Reisebüros in Frankfurt veranstalten Gruppenreisen

Wohin die Reise geht, hängt auch vom Einreiseland ab. Spanien hat seine Vorschriften kürzlich gelockert, Italien noch gar nicht. Deswegen hinkt der Italien-Tourismus. Ganz schwierig ist es noch mit Nordamerika. Ekkehard Schäfer, der in Sachsenhausen American Tours leitet und Reisen organisiert, muss seine Kunden noch enttäuschen: "Die Leute fragen nach, aber ich kann ihnen noch nichts anbieten", berichtet er. Die Partner in den USA glaubten nicht, dass Reisen vor September möglich werden können. "Den Leuten fällt nach einem Jahr ohne Urlaub die Decke auf den Kopf", weiß Schäfer, "aber für eine Reise in die USA müssen sie sich noch gedulden." Er organisiert Einzel- und Gruppenreisen, bis hin zur Harley-Tour. Wenn denn der Flug in die Staaten wieder möglich wird, sieht er kein Corona-Risiko für die Kunden: "Wir ermöglichen gegen eine kleine Gebühr den Reiserücktritt bis vier Wochen vor dem Termin."

Voll in den Vorbereitungen für das Reisejahr 2022 steckt momentan Guido Völkel, Inhaber der ECC Studienreisen GmbH Kulturreisen in Sachsenhausen: "Wir veranstalten Gruppenreisen für ein meist etwas älteres Publikum. Es ist etwas anderes, als der Badeurlaub, den man spontan buchen kann, wenn das Land wieder aufmacht. Bei uns sind es meist 20 bis 30 Leute, die dann auch im Bus zusammensitzen müssen." Die Corona-Angst sitze tief, die Kunden warten noch. "Wir hatten schon vorher Reisen verschoben auf den Herbst und überlegen, ob wir die Reisen noch einmal verschieben. Bei uns gibt es eine Vorlaufzeit von mindestens drei Monaten, weil die Reise ja vorbereitet werden muss."

Umgekehrt steigt auch die Zahl der Touristen aus dem Ausland. So erhöhten die Fluggesellschaften die Kapazität im Mai stark, sind aber noch weit entfernt vom Niveau aus dem Vor-Coronajahr 2019. Immerhin: Während in der ersten Maiwoche das Flugangebot für die 15 wichtigsten Quellmärkte noch bei 15,6 Prozent des Vor-Coronajahres lag, waren es in der letzten Maiwoche bereits 24,2 Prozent, berichtet Nina Kreke, Sprecherin der Deutschen Zentrale für Tourismus. (Thomas J. Schmidt)

Viele Länder auf mehr Urlauber im Sommer. Lockerungen der Corona-Regeln in Europa sollen mehr Anreize schaffen.

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