Amtsgericht

Urteil im Prozess um tödlichen Sekundenschlaf

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Ein 24-Jähriger ist gestern vom Amtsgericht zu 6000 Euro Geldstrafe und sechs Monaten Führerscheinentzug verurteilt worden. Er war auf der A 3 in einen Laster gerast, sein Beifahrer war dabei ums Leben gekommen.

Juli 2016 auf der A3 in Höhe des Flughafens: Ungebremst rast ein mit vier Personen besetzter Kleinwagen in einen wesentlich langsamer fahrenden Lastwagen. Der 46 Jahre alte Beifahrer des Kleinwagens kommt dabei ums Leben. Gestern wurde der Unfallfahrer vom Amtsgericht zu 6000 Euro Geldstrafe sowie sechs Monaten Führerscheinsperre verurteilt.

Auch wenn sich der 24-Jährige vor Gericht nicht zu den Details seiner weiten Autoreise geäußert hatte, lag die Ursache für den tödlichen Unfall kurz vor dem Frankfurter Kreuz doch auf der Hand: Es muss ein Sekundenschlaf gewesen sein, bedingt durch eine vorausgegangene Fahrt praktisch quer durch Europa.

Irgendwann am Tag vorher hatte sich der in Belgien wohnende Rumäne in seiner Heimat auf den Weg gemacht. Der bei dem Unfall später getötete Mann wurde bereits in Rumänien aufgenommen, zwei Afrikaner waren in Wien zugestiegen. Von dort ging’s ohne Pause die Nacht hindurch bis nach Frankfurt.

Es war bereits hell und warm an diesem Sonntagmorgen, als der Wagen sich dem Flughafen näherte. Die an dieser Stelle gerade Fahrbahn war frei. Vielleicht fielen dem Fahrer auch deshalb bei einem Tempo von rund 145 Stundenkilometern plötzlich für Momente die Augen zu. Als er wieder erwachte, war es bereits zu spät: Sein Wagen hatte sich ins Heck des wesentlich langsamer fahrenden Siebeneinhalbtonners gebohrt.

Während der Fahrer und die beiden Männer auf der Rückbank mit verhältnismäßig leichten Blessuren davonkamen, erwischte es den Beifahrer mit voller Wucht. Den Rettungssanitätern, die schnell am Unfallort eingetroffen waren, blieb nichts weiter übrig, als ein Beerdigungsinstitut zu verständigen.

Gestern sah man es dem jungen Mann auf der Anklagebank an, wie nahe ihm der Unfall gegangen sein musste. Dass er sich aus wohl prozesstaktischen Gründen nicht näher dazu äußerte, bedauerte die Amtsrichterin, ändern konnte sie es aber nicht. In Belgien versuche er derzeit, als Paketzusteller Fuß zu fassen, sagte der Mann, während er ziemlich zerknirscht zu Boden schaute. Der Verlust seines Führerscheins für mindestens sechs Monate wird seiner beruflichen Perspektive dabei nicht gerade zuträglich sein.

Weil sein kurzzeitiges Versagen am Steuer allerdings eher am unteren Rand der strafrechtlichen Skala anzusetzen sei, hielten Staatsanwaltschaft und Gericht eine Geldstrafe für ausreichend. Wie in vergleichbaren Fällen um tödliche Verkehrsunfälle hatte sich auch in diesem Prozess herausgestellt, dass „die Umstände dieses Unfalls jeweils Strafe für sich darstellen“, formulierte die Richterin. Die Folgen würden den Angeklagten womöglich sein Leben lang begleiten.

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